Donnerstag, 2. April 2026

Zwei Demonstrationen

Demo1

Eine Schreiben mit einer Bitte flatterte ins Haus. In Berlin auf dem Platz vor der Volksbühne wird im Kino Babylon die „UN-Sonderberichterstatterin“ Franceska Albanese auftreten. Die Bitte war, dass man dagegen Einspruch erheben soll. Franceska Albanese ist bekannt und berüchtigt für ihr leidenschaftliches, man kann auch sagen antisemitisches Auftreten gegen Israel, wobei sie gern Lügen mit Halbwahrheiten vermischt. Wer einmal einen Auftritt von ihr verfolgt hat, kann sich ein Bild über die UNO und deren Verhältnis zu Israel machen. Weil sie diese „Berichterstatterin“ im Amt lässt und nicht abberuft und ihre Auftritte wahrscheinlich fördert.

So kam ich am 30.3. auf den Rosa Luxemburg Platz zur Demo gegen den Auftritt von Franceska Albanese. Eine mittelgroße Menschenmenge (ca. 150 Personen) empfing mich: Israelfahnen und (Alt)-Iranische Fahnen wehten, Spruchbänder, Plakate. Da entdeckte ich vor dem Kino Babylon zwei weitere Demonstrationen. Die bestanden etwa aus je etwa 50 Menschen. Getrennt waren sie durch eine unbewegliche und standfeste Gruppe von Polizisten. Die Demonstrationen kann man als „pro-palästinensisch“ und „pro-israelisch“ bezeichnen. Beide standen wirklich unmittelbar beieinander, so dass es eine Weile dauerte, bis man die Situation begriff. Die „pro-Palästinensischen“ Teilnehmer waren ungleich lauter und aggressiver. Sie führten Plakate mit sich, auf denen viel von „Genozid“ zu lesen war und herbeiphantasierte Zahlen von Toten im Gaza-Krieg. So wie es ihr Idol Franceska Albanese auch zu tun pflegt. Besonders auffällig war eine Frau, europäisch wirkend, englisch sprechend, die sich mit schnellen Schritten (so dass man den Eindruck hatte, sie wäre allgegenwärtig) durch ihre Demo-Gruppe bewegte, ständig laut und schreiend jeden, der sie anschaute, mit einem Schwall von Worten bedachte. Ein junger Mann marschierte mit einem Ali Khamenei Portrait umher.

Chamenei

Der andere Teil der Demo war bedeutend ruhiger und zivilisierter. Sie hielten ihre Plakate und Israelfahnen hoch und parierten manchmal die Sprechchöre der „Palis“ (die schon von weitem an ihren Kufiyas zu identifizieren waren). Auf der anderen Seite der Straße befand sich der größere Teil der „pro-Israel“-Demonstranten. Da gab es ein Mikrofon, verschiedene Redner traten auf. Zuerst der Antisemitismusbeauftragte der jüdischen Gemeinde Berlins, Herr Koenigsberg, der über verschiedene Entgleisungen von F.A. sprach, z.B., dass sie Israel als Feind der Menschheit bezeichnet hat. Verschiedene Frauen sprachen ins Mikrofon, man konnte allem gut zuhören und mitdenken (im Gegensatz zum sinnlosen Geschrei der „Pali“-Gruppe.

Die bekannte Karoline Preisler trat nicht auf (oder erst sehr spät, als ich nicht mehr da war), sie befand sich nämlich in der „Höhle des Löwen“, direkt im Saal des Auftritts von F.A. Darüber gibt es einen lesenswerten Bericht in der „jüdischen Allgemeinen“, dem zu entnehmen ist, dass es drinnen im Kinosaal bei F.A. noch bedeutend turbulenter zuging, als auf dem Vorplatz.

Thank-IDF

Donnerstag, 26. März 2026

Er zeigt sein wahres Gesicht

Bundespräsident FWS Steinmeier hatte den von Israel und den USA begonnenen Iran-Krieg kritisiert. Es sei »ein politisch verhängnisvoller Fehler«, sagte der Bundespräsident. Weiter sagte er: „Der Iran-Krieg sei »nach meinem Dafürhalten völkerrechtswidrig«.“

Es geht nicht um das Völkerrecht. Es geht um Bundespräsident Steinmeier. Es geht um seine Haltung zum Iran, um seine Haltung zu einem Staat bzw. seinen obersten Repräsentanten, die geschworen haben, den Staat Israel zu vernichten. Steinmeier hat in den vergangenen Jahren immer wieder eine große Vorliebe zu denen gezeigt, die Israel vernichten wollen. Bekannt sind seine Taten: Die jährliche Gratulation an die verbrecherischen Mullahs zum Jahrestag der Revolution, einer Revolution, die unzählige Tote hervorgebracht hat, die Frauen zu Sklavinnen machen will, die das iranische Volk ins Elend gestürzt hat. Es geht um Kranz und Verbeugung am Grab von Arafat, einem Menschen, der für unzählige tote Juden verantwortlich ist. Es geht um das fragwürdige Atomabkommen mit dem Iran, das mit dem danach eingesetzten Geldfluss die Bewaffnung von Hamas und Hisbollah möglich gemacht, dem iranischen Volk aber keinen Wohlstand gebracht haben, und das er als damaliger deutscher Außenminister mit zu verantworten hatte. Und hat er im Iran je nachgefragt, warum in Teheran auf dem „Palästina Platz“ eine Uhr steht, die die Stunden anzeigt, bis Israel zerstört sein soll? Wo ist da das Völkerrecht?

Es geht aber auch um sein Schweigen zu all den Untaten des Iran, die auch durch Wegschauen und Zulassen möglich waren. Wenn man all das im Zusammenhang sieht, dann muss man zu dem Schluss kommen, dass Bundespräsident Steinmeier eine Zuneigung zu Menschen und Staaten hat, die die erklärten Feinde Israels, aber auch der Juden in aller Welt sind.

Dazu muss man bedenken, dass das Volk, welches der Bundespräsident repräsentiert, viele Millionen Juden auf bestialische Weise umgebracht hat, dass viele Nachkommen der umgebrachten Juden nun in dem Staat leben, den die von ihm geehrten Mullahs auslöschen wollen. Wenn es ihm um das Völkerrecht geht, dann sollte ihm bewusst sein, dass die Menschen in Israel eine andere Einstellung zu denjenigen haben, die ihre Vernichtung androhen. Sie haben es schon einmal erlebt. Wenn Herr Steinmeier der Repräsentant aller Deutschen sein will, dann muss ihm die Rolle der Deutschen in der Geschichte bewusst sein. Oder er sollte sich ins Private zurückziehen, wenn er seine Rolle als „Ewiggestriger“ ausleben möchte.

Es genügt nicht, mit versteinertem Gesicht zu sagen: „Antisemitismus hat in unserem Land keinen Platz“.

Donnerstag, 19. März 2026

Hörermeinungen

Im Deutschlandfunk war vor längerer Zeit – es war in den Tagen des Gaza-Krieges - eine Diskussionssendung zu hören. Zu Anfang kamen Hörer zu Wort, die ihre Meinung zu dem Krieg äußerten. Von 11 Hörern äußerten nur zwei die Ansicht, dass Hamas der Aggressor ist, wogegen 9 Hörer eine vernichtende Meinung zu Israel hatten. Es waren Meinungen, die einen schaudern lassen, wenn man sich vorstellt, dass diese Leute über Macht verfügen würden und ihre Meinung über die Existenz Israel wahr werden lassen könnten.

Israel wäre der Aggressor und könne nur durch Gnaden des Amis so handeln, und es müsse sich auf die Grenzen von 1948 zurückziehen. (Da fragt man sich, wer die Grenzen von 1948 nicht anerkannt hat). Waffenlieferungen an Israel wurden kategorisch abgelehnt. Netanjahu war natürlich der Bösewicht, der unter dem Druck von rechtsextremen Ministern stünde. (sind es die „rechtsextremen Minister“ oder ist es die Antwort auf den barbarischen Überfall und die Situation der Geiseln, die Netanjahu zum Handeln zwingen?) Empörung gab es, dass Deutschland im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern noch keinen Staat Palästina anerkannt hat. (Wo bleibt der Hinweis, dass die Araber einen solchen Staat immer wieder abgelehnt haben, von 1948 an und wo bleibt das „dreifache Nein“ von Khartum von 1967?)

Die Höreraussagen waren erschreckend, aber nicht verwunderlich. Sie strotzten vor Selbstgerechtigkeit. Sie stellten Israel und die Hamas auf eine Stufe. Sie verschwendeten nicht einen Gedanken daran, wie es ist, in einem Land zu leben, das ständig von Vernichtung bedroht ist. Dessen Einwohner täglich mit Mord und Terror konfrontiert sind.

Ja, ich hörte schon ab und zu die Meinung, dass ein Land, das rundherum (und nicht nur rundherum) so viele Feinde hat, irgendwie selbst daran schuld sein müsse und dass es eine Ursache für diese Feindschaft geben müsse, die in Israel läge. Darauf kann man nur mit einer Frage antworten: was war die Ursache, und woran hatten die Juden Schuld, dass die Deutschen 6 Millionen von ihnen umgebracht haben?

Der Deutschlandfunk hat seinem Namen wieder alle Ehre gemacht. Ständig auf politische Korrektheit bedacht, was aber nicht immer funktioniert, versteckte er sich hinter seinen Hörern und sendete seine Botschaft vom „Unrechtsstaat Israel“ in die Welt hinaus.

Mittwoch, 11. März 2026

Noch einmal „Stolpersteine“

Ich schrieb schon einmal meine Gedanken über die Stolpersteine, die hier und da vor Häusern im Inland, aber auch im Ausland verlegt sind. Vor Kurzem bekam ich eine Einladung zu einer „Stolpersteinverlegung“ in der Schönhauser Allee in Berlin. An einem Sonntag Vormittag waren vor dem Haus, aus dem 1942/43 fünf Juden deportiert worden sind, etwa 20 Personen versammelt. Der Meister, Gunter Demnig, höchstpersönlich war angereist, samt seinem Hut. Er hatte einen Gehilfen, der ihm Handreichungen machte. Fünf goldene Messingsteine lagen bereit. Pflastersteine wurden herausgenommen, darunter wurden 2 Vertiefungen gemacht, eine für 3 Steine, eine für 2 Steine. Dann wurden die Messingsteine eingesetzt, mit Erde und kleinen Steinen festgesteckt. Das Ganze dann festgeklopft und mit Reinigungsmittel übergeputzt. Während der Arbeit und am Schluss der Versammlung war ein Saxophonspieler zu hören. Nun dankte die Initiatorin den Verlegern, hielt eine kleine Rede an die Anwesenden und verlas die Lebensläufe derjenigen, für die die Stolpersteine gelegt waren. Ein Zahnarzt war dabei, der ab 1933 nur noch Juden behandeln und sich nicht mehr Zahnarzt nennen durfte. Zwei Schwägerinnen, die nach dem Tod des einen Ehemannes zusammengezogen waren. Und noch ein Ehepaar.

Meister-mit-Hut

Der Initiatorin sah man ihre Ernsthaftigkeit und auch ihre Aufregung an. Die Stimmung war verhalten und nachdenklich. Wie immer bei solchen Gelegenheiten bemerke ich, wie rundherum der Verkehr fließt, die normale Straßengeschäftigkeit, und wie es eigentlich nur sehr wenige Leute sind, die am Gedenken teilnehmen. Was auch immer ihre Beweggründe sein mögen. Beurteilen kann man die Teilnehmer sowohl am Stolpersteinlegen oder an Gedenkveranstaltungen erst, wenn sie sich zum aktuellen Geschehen zu Israel und zu der Situation der Juden heutzutage äußern.

Rosen-Stst

Samstag, 7. März 2026

Anonyme Briefe mit verschiedenen Ursachen

Mir wurde ein Buch in die Hand gedrückt: „ich glaube, das ist was für dich“. Es heißt „Die Postkarte“, ist lebendig geschrieben und handelt davon, wie eine junge Frau in Frankreich die Geschichte ihrer Urgroßeltern und Großtante und Großonkel nachspürt, die im Holocaust ermordet wurden. Sehr akribisch forscht sie in Gemeindeämtern, bei alten Leuten, die im Dorf ihrer Großeltern noch leben, in Briefen. Sie kann das Leben und Sterben ihrer Vorfahren so gut es geht, rekonstruieren. Der Ausgangspunkt der Nachforschungen ist eine Postkarte, die anonym bei ihrer Mutter auftauchte und auf der einzig und allein die Vornamen der vier ermordeten Vorfahren geschrieben standen. Das Buch nimmt manchmal kriminalistische Züge an, und die Auflösung des Rätsels ist erstaunlich, aber auch nachvollziehbar. Die einzige Überlebende der Familie, nachdem sie alt geworden war und an Demenz litt, hatte die Namen ihrer Eltern und Geschwister auf diese Postkarte geschrieben aus Angst, sie könne die Namen vergessen und hatte auch darum gebeten, diese Postkarte einzuwerfen und an die Angehörigen zu schicken.

Mir fiel eine Begebenheit ein, die vielleicht nicht dazu passt, aber sie spielt in derselben Zeit, hat wohl auch mit dem Krieg zu tun, handelt auch von einer anonymen Postkarte und ist gleich geheimnisvoll. Anfang der 60-ger Jahre verschwand der Opa meiner Schulfreundin spurlos. Er hatte vor, in den Garten zu gehen, kam da aber niemals an. Man fand keine Spuren von ihm, natürlich auch keinen Leichnam. Ich habe manchmal darüber nachgedacht, was da wohl geschehen sein könnte. Erst als ich erwachsen war, fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Ach, das war ja in gewissem Sinne noch Nachkriegszeit, das hatte sicher etwas mit dem Krieg zu tun. Als wir schon viel älter waren, fragte ich meine Freundin nach ihrem Opa, und sie bestätigte, dass sie nie das Geringste wieder von ihm gehört hatten. Aber eine Sache war komisch: Bald nachdem der Opa verschwunden war, bekam die Familie eine anonyme Karte in einem Umschlag. Kein Absender, nichts Schriftliches. Auf der Karte war ein Foto, wie Hitler einst diese Stadt besuchte (worauf manche Einwohner noch Jahrzehnte später stolz waren), und wie Opa in der vordersten Reihe stand und den Hitlergruß machte.

Das Rätsel des Verschwindens ist nie gelöst worden, es findet auch auch niemand, der recherchiert. Doch man kann sagen, dass in der Vergangenheit Geheimnisvolles und Rätselhaftes schlummert, das- sofern man es aufspürt -, viel zum Verständnis auch der heutigen Zeit beitragen kann.

Montag, 23. Februar 2026

Zwei "Kriegstafeln"

In einer westdeutschen Kleinstadt sind in einer Trauerhalle zwei Tafeln angebracht. Tafeln, die niemanden auffallen, da es sie wohl in jeder Kleinstadt gibt. Da ich in der DDR aufgewachsen bin, irritierten mich nach der „Wende“ die allgegenwärtigen Kriegergedenktafeln an öffentlichen Plätzen und in Kirchen mit den Namen der gefallenen Soldaten der jeweiligen Stadt. Es war in der DDR nicht üblich, solche Tafeln aufzustellen, insbesondere nicht für gefallene Soldaten des zweiten Weltkriegs. Nichts war in ostdeutschen Kirchen nach der Vereinigung so schnell vorhanden, wie die Kriegertafeln der gefallenen 2. Weltkriegssoldaten.

Diese Tafeln lehne ich strikt ab, was haben Tafeln, die den Krieg verherrlichen, mit der christlichen Botschaft zu tun, was haben sie in Kirchen zu suchen? Denn immerhin: wenn Tafeln öffentlich angebracht sind, werden die gefallenen Soldaten damit identifiziert, wofür dieser Krieg stand (selbst wenn sie sich im Einzelfall überhaupt nicht identifizieren wollten): für grundlosen Überfall auf Länder, für Schreckensherrschaft über die Einwohner jener Länder, für bestialische Ausrottung der Juden und vieles Schlimme mehr. Wenn jemand einen nahen Verwandten im Krieg verloren hat, so sollte er privat um ihn trauern, möglicherweise mit einer Gedenktafel auf dem Friedhof und nicht seinen armen Verwandten auf einer Tafel mit Mördern gleichstellen.

Das eigentlich Interessante sind jedoch die Aufschriften auf den Tafeln. Da ist nichts davon vorhanden, was man in öffentlichen Reden, in Bundespräsidentenreden, in „Versöhnungsreden“ hört. Da stehen Texte, wie sie einfach dem Geist des Schöpfers entsprungen sind oder dem Geist der Öffentlichkeit.

Nas-Ta

So war hier eine prachtvolle Tafel mit vielen Namen, alles in Gold mit der Aufschrift:
SIE STARBEN, IHR GEIST ABER LEBT – EIN EWIGER MAHNER ZUM FRIEDEN

Da frage ich mich: welcher Geist? Was war der Geist, unter dem sie umgekommen sind? Was bedeutet „ewiger Mahner zum Frieden?“ Damals, als sie umkamen, herrschte der Geist, dass der „ewige Frieden“ eintreten wird, wenn Deutschland die „ganze Welt“ beherrscht.

Wenn man als Betrachter der pompösen Tafel sich umdrehte, entdeckte man unauffällig, grau in grau, mit verwitterten Buchstaben, die man kaum entziffern konnte, eine Tafel, auf der des „Leidens und Sterbens unserer jüdischen Mitbürger“ gedacht wurde. Kein Name, von „Geist“ war keine Rede.
Merkt es denn niemand, welche Diskrepanz da besteht? Und wie diese beiden Tafeln Sinnbild dessen sind, was man so großartig als „Vergangenheitsbewältigung“ bezeichnet.

Nas-Ju

Mittwoch, 18. Februar 2026

In kirchlichen Veranstaltungen

Ich war tatsächlich dabei, als eine junge Pastorin, noch nicht lange von der Universität gekommen, der Religionswissenschaftlerin Ruth Lapide bei einem Seminar ins Gesicht sagte: „Die Juden haben Jesus ans Kreuz geschlagen!“ Frau Lapide war um eine scharfe Antwort nicht verlegen.

Und ich war in einem Gottesdienst, bei dem Pastor W. ohne Skrupel sagte: „Nach alttestamentarischem Gesetz gilt die Regel: Auge um Auge. Zahn um Zahn. Diese Regel hat irgendwie noch eine Berechtigung. Heutzutage wären die Palästinenser froh, wenn sie nach diesem Gesetz behandelt würden, aber die Israeli überziehen für einige nicht treffende selbst gebastelte Sprengkörper Gaza mit Bombenteppichen. (vor dem 7.10., wie er danach geredet hat, möchte ich gar nicht wissen).

Und ich war in der Bibelstunde, als der Pfarrer R. zu einem x-beliebigen Thema auf einmal die Bemerkung anfügte: „Es hat auch seine Schattenseiten, dass die Juden sich als das erwählte Volk betrachten. Zum Beispiel haben sie eine Mauer quer durch Jerusalem gebaut. Ich fragte: „Meinen sie, dass die Israeli diese Mauer wegen ihres Erwähltseins gebaut haben, oder könnte es auch mit der Sicherheit zu tun haben?“ Mit einer gewissen pastoralen Herablassung sagte er: „Ach, Frau C., was wissen sie schon!?“ Ich sagte: „Ich möchte es wissen, meinen sie das wirklich so? Sind ihnen in die Luft gesprengte jugendliche Israeli lieber als eine Mauer? “, und gleich fiel dem zweiten anwesenden Pfarrer ein, dass es doch eigentlich Zeit wäre, den Abend zu beenden und prompt erfolgte der abendliche Segen, zufällig ein „altestamentarischer“, der aaronitische Segen.

Winzige Szene in einer evangelischen Bibelstunde: Die Geschichte, wie Josef ins Ägyptenland verkauft wird und dort in eine hohe Position aufsteigt, wird besprochen. Josef managt die Bekämpfung der Hungersnot indem er jahrelang Getreidevorräte anlegt und in der Notzeit Getreide an die Hungernden verkauft. "Was - er lässt sich das Getreide bezahlen? Ach ja, der Jude hat schon immer aus allem Geld gemacht".
Die Bemerkung wird ignoriert. Vielleicht will man den alten Herrn nicht bloß stellen. Leider fallen Bemerkungen jener Art immer wieder, so wie einzelne Tropfen. Man bemerkt sie nicht, wundert sich nur, dass man auf einmal nass ist.
Man hätte dem alten Herrn sagen können, dass es selbstverständlich ist, dass man mit Reserven, die man mit einem riesigen Organisationsaufwand angelegt hat, wirtschaftlich umgehen muss, um weiterhin wirtschaften zu können. Es mussten große Lager angelegt werden, das überschüssige Getreide für die Vorratskammern und die Transporte hatten bezahlt werden müssen. Und selbst wenn ein Teil des Getreides billig oder umsonst an Arme verteilt worden wäre, warum hätte man an die Fremden aus dem Nachbarland, seien sie arm oder reich, das sehr kostbare Getreide umsonst ausgeben sollen?

Woher hat ein harmloser Bibelstundenbesucher, der wahrscheinlich nie einen Juden gekannt hat und der damit aufgewachsen ist, dass das Wort Jude tabu war (denn er hat die Nazizeit nur als kleines Kind erlebt, und danach schwieg man einige Jahrzehnte über Juden) eine Vorstellung, wie es mit den Juden und dem Geld steht? Wo kann er die Erfahrung gewonnen haben, wie Juden mit Geld umgehen? Warum wird so eine Bemerkung allgemein toleriert, obwohl die Konsequenzen die Juden infolge von Dämonisierung zu tragen hatten, auch von Seiten der Kirche, bekannt sind.

Das sind, wahllos, einige Erlebnisse, die ich in evangelischen Veranstaltungen hatte. Es werden sicher weitere folgen.

Sonntag, 8. Februar 2026

Das iranische Volk braucht unsere Solidarität

Iran-17-1-
Demonstration am 17.1.2026

Am 7.2. gab es in Berlin am Brandenburger Tor eine große Demonstration, die auf die verheerenden Zustände im Iran hinwies. Die Teilnehmer forderten die Beendigung des Terrorregimes der Mullahs, sie wiesen auf die unzähligen ermordeten Iraner durch eben dieses Regime hin. Im jüdischen Gemeindehaus in Berlin konnte man zwei Tage zuvor direkt Näheres erfahren, wie es im Iran aussieht und wie Iraner denken. Wenn man sich die Lage näher anschaut, so ist sie verzweifelt. Mindestens 80 % der Iraner wünschen sich einen anderen Iran, einen freien und demokratischen Iran. Noch um Weihnachten 2025 herum gab es große Erwartungen, dass die Zeit für große Veränderungen reif ist. Dementsprechend viele Menschen gingen im Iran mit ihren Forderungen auf die Straße. Es herrschte die Hoffnung vor, dass „die Welt“ (also diejenigen Staaten, die sich mit den Idealen der iranischen Bevölkerung identifizieren) sich aktiv in die Freiheitsbestrebungen einmischt. Die große Ernüchterung kam, nachdem das Internet im Iran abgeschaltet worden war und das Regime eine gewaltige Massenschlächterei begonnen hatte. Man spricht von mehr als 30 000 ermordeten Iranern. Man muss sich auch vor Augen halten, dass es allein im Jahr 2025 4 bis 5 Hinrichtungen am Tag im Iran gegeben hat. Für das Mullah-Regime sind diese Tatsachen, die dann doch in die Welt hinaus drangen, unangenehm, es sieht sich aber trotzdem als „Gewinner“ an. Denn es hat gesehen, dass geschehen kann, was will, es erfolgt kaum eine ‚Reaktion von außen. Man hat also freie Hand zur Barbarei. Eine kleine Hoffnung besteht in der Tatsache, dass die USA einen Flugzeugträger in die Golfregion beordert hat.

Viele Iraner sind der Meinung, dass wirtschaftlicher Druck auf den Iran sehr viel ausrichten kann. Die wirtschaftliche Lage ist katastrophal. Das Land leidet unter so einer Trockenheit (und Missmanagement von Wasser), dass die Bevölkerung nicht ausreichend mit Wasser versorgt werden kann. Die Inflation ist extrem hoch, so dass die Kaufkraft dementsprechend leidet. Das Regime ist sehr daran interessiert, dass die Wirtschaft prosperiert, auch wegen der eigenen Selbsterhaltung. Auch um des Renommees wegen, denn die Tatsache, dass verschiedene Länder, z.B. Deutschland mit ihm handeln, bestärkt das Selbstbewusstsein.

Große Hoffnung setzt man in den Sohn des letzten Schahs. Allerdings sind da die Iraner gespalten in Befürworter und Gegner der Schahfamilie. Und auch sonst ist die Zusammensetzung der Iraner in sehr viele Volks- und Religionsgruppen problematisch. Derjenige, der einen Teil des Vortrags hielt, erzählte, dass er ein Bahai sei, und dass die Bahai dort von der Mehrheitsbevölkerung gehasst werden. Auch gäbe es einen großen Unterschied zwischen der Stadt- und Landbevölkerung, der aber mit der Zeit und durch die Umstände nachlassend ist.

Doch was die Iraner eint, ist die große Sehnsucht nach Freiheit, nach einem „normalen“ Leben in einem demokratischen Staat. Überwiegend wären sie der Meinung, dass der Iran unbedingt Hilfe „von Außen“ benötige.

Was wünschen sich die umliegenden Staaten vom Iran? Sie wünschen sich den Iran „schwach, aber berechenbar“. „Schwach“ wünschen sie ihn sich, weil er „stark“ eine Bedrohung für die umliegenden Staaten wäre. „Berechenbar“ bedeutet, dass der Iran handeln kann, wie er will, Hauptsache, es dringt nichts nach außen. Syrien und die Entwicklu8ng in Syrien ist ein starker Faktor, denn Syrien war immer ein Drehkreuz für Waffenlieferungen für Hisbollah und Hamas. Iran hat aber auch von Syrien gelernt, dass man Proteste mit extremer Härte unterdrücken muss.

Der iranische Referent der Veranstaltung war trotz allem optimistisch. Er meinte, für die gesamte Region und letztendlich für die ganze Welt wäre es besser, wenn der Iran und somit auch der nahe Osten befriedet wäre. Wir wollen uns das, auch in unserem eigenen Interesse, sehr wünschen.

Im Luftreich des Traums

gegen Ideologien

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