Im Sudetenland (Teil 2)

Wie aussagekräftig der geschilderte kurze Dialog war, bestätigte sich bei einer Reise ins Sudetenland. Nicht 1946, sondern 1938 fing dort Terror an, und von diesem Terror musste jeder etwas mitbekommen haben. Beim Besuch der neu restaurierten Synagoge in dem malerischen Städtchen Uštěk entdeckten wir eine Ausstellung mit 9 großen Schautafeln über die Geschichte von Synagogen dieser Gegend. Der „Anschluss“ (des Sudetenlandes an Deutschland) war 1938 gerade „rechtzeitig“ erfolgt, so dass das Wüten der so genannten Reichsprogromnacht noch voll zum Zuge kommen konnte unter eifriger Mitwirkung der heimischen, deutschen Bevölkerung. Die Synagogen der Sudetengebiete konnten noch demoliert, zerstört und verbrannt, werden.

Liberec

Das war auf den Schautafeln gut dargestellt: die Synagogen, wie sie vor der Besatzung aussahen, Fotos von den brennenden Sanagogen, Darstellungen von den Ruinen und vom späteren Anbringen von Gedenktafeln. Auch über die Geschichten der jüdischen Gemeinden, die dort bis zu 600 Jahre lang ansässig waren, wurde berichtet. Die meisten Synagogen verfielen und wurden später abgerissen. Im Kommunismus kümmerte man sich nicht so sehr um die Schatten der Vergangenheit. Nach 1989 setzte auch in Tschechien ein eifriges Forschen in der ca. 50 Jahre zurück liegenden Vergangenheit ein. Man versuchte wenigstens, durch Forschung und Veröffentlichungen, neue Gedenktafeln oder Einladung von Nachkommen der Ermordeten der Geschichte gerecht zu werden.

Von den 9 zerstörten Synagogen auf den Tafeln ist eine Synagoge, in Liberec, nach 2000 ganz neu gebaut worden, und hier, in Uštěk wurde die zerstörte Synagoge restauriert, und sie wird als eine Art Museum und für Lehrveranstaltungen genutzt.

Syn-Ust-
rekonstruierte Synagoge in Uštěk von hinten

Um noch einmal auf meine eingangs beschriebene Unterhaltung zurückzukommen: Die Tafeln belegen, wie immens und wie unbeschreiblich die Gräuel waren, mit denen die deutschen „Herrenmenschen“ ihre Macht ausübten, so dass auch im Sudetenland jeder davon etwas mitbekam. Dass das junge deutsche Mädchen über ihre Vertreibung empört und verbittert war, kann man gut verstehen, aber dass sie 50 Jahre später, wo sie genau wusste, was geschehen war, immer noch die gleiche Empörung empfand, dafür habe ich kein Verständnis. (Ende)

Im Luftreich des Traums

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