Im Sudetenland (Teil 1)

Die Sudeten sind die Gebirgszüge im Norden von Tschechien, die die Grenze zu Deutschland und Polen bilden. Die Geschichte des Sudetenlandes ist wechselvoll, Deutsche hatten sich im Laufe von Jahrhunderten dort angesiedelt, sie bildeten inzwischen teilweise die Mehrheit der Bevölkerung und hatten ihre eigene Kultur entwickelt. Das bis dahin einigermaßen friedliche Zusammenleben von Deutschen und Tschechen wurde jäh zerstört, als Hitler 1938 das Sudetengebiet für Deutschland annektierte und ein halbes Jahr später die übrigen Teile von Böhmen und Mähren als Protektorat an Deutschland anschloss. Wie die Deutschen wüteten, in den 7 Jahren in denen sie dort als Herrscher agierten, weiß man aus der Geschichte. Hinrichtungen, Morde, Verschleppungen, Enteignung, Demütigung, Vertreibungen und Vernichtung des größten Teils der Juden, die dort seit Jahrhunderten lebten. Die Tschechen hielten nach Ende des Krieges ein Zusammenleben mit den Deutschen nicht mehr für möglich, und so wurden die ansässigen Deutschen gnadenlos aus dem Land gejagt, getreu dem Motto: „Heim ins Reich“, mit dem sie selbst einst den Anschluss an Deutschland gefordert hatten.

Milles

Nun war eine meiner guten Bekannten eine dieser aus dem Sudetenland Vertriebenen. Eine wirklich liebe Frau. Die Vertreibung war ihr Trauma, auf das sie bei Unterhaltungen nach einer gewissen Zeit immer wieder zurückkam. Wir ließen sie gern erzählen, denn ihre Erinnerungen interessierten uns. So saßen wir eines Tages zusammen, und sie kam dann wieder auf das Thema. Sie wollte sich besonders gewählt ausdrücken, und so sagte sie: „Im Jahr 1946, da war der Augenblick, wo ich erkennen musste, dass es nicht nur gute Menschen auf der Welt gibt“. Das versetzte mich so in Empörung, dass ich nicht an mich halten konnte und zu ihr sagte: „Wissen sie nicht, dass unzählige Menschen nur wenige Jahre zuvor erkennen mussten, was es für schlimme Menschen gibt?“ Mir tat es leid, so reden zu müssen, und ich bemerkte die Verlegenheit, die darauf eintrat. Wir beendeten schnell den Abend, da es schon spät war.
Trotzdem kann und konnte ich nie verstehen, dass Menschen es verstehen, alles auszublenden, was nicht in ihr Weltbild passt.
(Fortsetzung folgt)

Im Luftreich des Traums

gegen Ideologien

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Beiträge

Psychologische Betrachtung
In irgendeinem Zusammenhang las ich über eine alte...
anne.c - 6. Jun, 18:51
Das Buch
von Florian Markl habe ich bestellt und interessiert...
herthilde - 30. Mai, 22:56
Florian Markl in Berlin
Florian Markl ist wissenschaftlicher Leiter des österreichischen...
anne.c - 27. Mai, 13:09
Das Gerücht über die...
Unter dem Titel «Das Schweigen zur Vergewaltigung der...
anne.c - 19. Mai, 16:08
Heydrich hat es nicht...
Als Abschluss der sudetendeutschen Geschichten noch...
anne.c - 12. Mai, 14:14
Im Sudetenland (Teil...
Aus dem Sudetenland stammten zwei Frauen, die sich...
anne.c - 8. Mai, 11:01
Im Sudetenland (Teil...
Wie aussagekräftig der geschilderte kurze Dialog war,...
anne.c - 28. Apr, 12:52
Im Sudetenland (Teil...
Die Sudeten sind die Gebirgszüge im Norden von Tschechien,...
anne.c - 22. Apr, 19:04
„Großer Hass auf den...
so war der Titel eines Vortrags von Gunnar Schupelius...
anne.c - 10. Apr, 11:38
Zwei Demonstrationen
Eine Schreiben mit einer Bitte flatterte ins Haus....
anne.c - 2. Apr, 11:14

Links

Suche

 

Status

Online seit 5408 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 6. Jun, 18:52

Disclaimer

Entsprechend dem Urteil des Landgerichts Hamburg vom 12.05.1998 gilt für alle Links und Kommentare auf diesem Blog: Ich distanziere mich hiermit ausdrücklich von allen Inhalten aller verlinkten Seitenadressen und aller Kommentare, mache mir diese Inhalte nicht zu eigen und übernehme für sie keinerlei Haftung.

Impressum

Anne Cejp
Birkenstr. 13
18374 Zingst