oder „Antisemitismusbeauftragter“ höre, wird mir ganz anders zumute.
Warum sind sie mir suspekt? Einerseits, weil ich selbst schon seltsame Begebenheiten mit Menschen jener Art erlebt habe. Ich kam schon zu dem Schluss zu fragen, ob ein Antisemitismusbeauftragter für oder gegen den AS. beauftragt ist.
Dann sind diese Beauftragten ja vom Parlament oder der Regierung in ihr Amt gesetzt worden. Sie müssen also ihrem Arbeitgeber zu Munde reden und dessen zwiespältige Sprache sprechen. Also, diese zwiegespaltene Haltung hier im Land, die einerseits darauf zielt, sich der Vergangenheit zu stellen (oder stellen zu müssen), andererseits doch allerhand Relativierendes sowohl an den Juden als auch an den Taten der Vergangenheit zu finden. (Als Beispiel für diese Haltung kann man die Frage der Waffenlieferungen an das sich in höchster Bedrängnis befindende Israel sehen´ (mal ja, mal nein).. Dieser unstillbare Drang, Israel zu ermahnen, gehört auch dazu. Und diese unsäglichen Filme über Israel, die man immer mal im Staatsfernsehen zu sehen bekommt.
Dass ein Mensch wie Wolfgang Benz 20 Jahre lang das „Institut für Antisemitismusforschung“ geleitet hat, und seine Nachfolgerin anscheinend im gleichen Geist weiterarbeitet, sagt auch etwas über den Zwiespalt aus. Ich gehe davon aus, dass er sachliche Bücher über sein Sujet geschrieben hat. Schon in der Vergangenheit konnte man aber fragwürdige Aussagen von ihm hören. Sein letztes Interview im Tagesspiegel gab über ihn Aufschluss. Er schien bei diesem Interview das Anliegen zu haben zu beweisen, dass „Linke“ und „Muslime“ nicht antisemitisch seien. Nun ist „Antisemitismus“ so ein vager und schwammiger Begriff, man scheint mit ihm wie eine Formel hin- und herzuschieben. Einen lebendigen Bezug zur Wirklichkeit scheint es bei diesen Überlegungen kaum zu geben. Beliebigkeit herrscht vor.
Und so meinte Herr Benz, dass es muslimischen AS. nicht gäbe, denn die skandieren ja gegen Israel, und da gäbe es durchaus eine Berechtigung. Wütende Sprechchöre gegen Israel hätten mit AS. nichts zu tun, denn diese zeigen nur Wut über die Besetzung ihres Landes. Herr Benz scheint diese Wut auch zu spüren.
Eine seiner Lehren aus der Geschichte schien zu sein: viele Flüchtlinge – egal wie viele und was ihre Absichten sind -, soll man in Deutschland aufzunehmen, weil sie in ebenso einer Lage wären, wie die Juden in der Nazizeit. (Der bekannte Spruch von Karl Lagerfeld kommt mir plausibler vor). Über die Juden, die heutzutage hier in Deutschland leben, spricht er herablassend: Die hätten ja Polizeischutz wie sonst kaum jemand, sie wollten sich rechtfertigten, dass sie im „Land der Täter“ leben und darum kokettieren sie schon seit 50 Jahren damit, dass sie hier Angst haben müssen.
Eigentlich hat es keinen Sinn, sich damit auseinanderzusetzen, nur leider sind das Redensarten, die sich viele Leute gern vorsetzen lassen und die zu ihrer Meinungsbildung beitragen.
Meine eigenen Erlebnissee mit einem „Antisemitismusforscher“, einem jungen Mann mit zwei Doktortiteln:
„An dem, was man den Juden vorwirft, ist immer ein Körnchen Wahrheit“, worauf ich ihm die Frage stellte: „Auf welches Körnchen Wahrheit über die Juden haben die Nazis sich berufen und hatten so einen Grund, sie umzubringen?“
Und: Mit der gleichen Überheblichkeit wie Herr Benz, verkündete der „Forscher“: „Der Zentralrat ist immer bereit, etwas zu skandalisieren“. (Gemeint war der Zentralrat der Juden, der sich angeblich zu oft über antisemitische Vorfälle beschwert).
Herr Benz reiht sich also ein in den Kreis der Verdreher und Umdeuter, er passt in das, was man Vertreter der öffentliche Meinung nennt. Aber ob er wirklich so eine Koryphäe der Antisemitismusforschung ist?
anne.c - 2. Okt, 10:04
gab es für die israelischen Filmemacher Abraham Yuval und Rachel Szor auf den Venediger Filmfestspielen. Das erinnerte mich an den tosenden Applaus, den einst Martin Walser für seine „Sonntagsrede“ anlässlich der Verleihung des „Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 1998“ erhielt. Unzählige Menschen stehen auf und klatschen frenetisch. Diese Menschen sehen sich als die „Elite“. Der Zweck ihres Klatschens ist die Erniedrigung von Juden und vom jüdischen Staat. Sie wissen genau, dass es nicht um den „Dokumentarfilm“ geht, sondern – wie gesagt -, um die Erniedrigung. Sie müssen besessen von ihrer Darbietung (dem Klatschen) sein.
Zu wenig weiß ich über diesen Film, über seine Authentizität, wie er zustande gekommen ist, als dass ich über den Film schreiben könnte. Er soll die israelische Armee als besonders brutal und skrupellos beschreiben. Wenn man die Ereignisse am 7. Oktober verfolgt hat: Wie brutal in den Kibbuzim und bei dem Festival gemordet wurde, wie Hisbollah Israel sofort mit Raketenbeschuss überzogen hat: Warum wird nicht ein Dokumentarfilm darüber auf einem Festival gezeigt? Warum ignoriert die „Kulturelite“ vollkommen, wie dieser Krieg zustande gekommen ist? Und warum sind es gerade die „Kulturschaffenden“, die sich daran ergötzen, wenn Israel als ein brutaler Aggressor dargestellt wird? Und die sich nicht im Geringsten dafür interessieren, in welche Wirklichkeit der Film eingebettet ist. Nein, bei diesem Klatschen ging es sicher nicht um den Film, sondern die Menschen wollten ihre unbestimmten Aggressionen in die Welt hinausklatschen.
Was sind das für Menschen, was denken sie, wenn sie kundtun, dass dieser Film einzigartig ist? Sind das die Menschen, die unsere Gesellschaft prägen? Im Allgemeinen sind es keine Verbrecher im landläufigen Sinn, es sind Menschen, die von „Werten“ sprechen, die den Begriff „Menschenrechte“ ständig im Munde führen. Warum feiern sie einen Film, der nicht nur auf fragwürdige Weise zustande gekommen ist, der Einseitigkeit geradezu vorführt? Die frenetisch feiernden Menschen müssten nach dem Hintergrund des Films fragen, nach der Wahrhaftigkeit der Aussagen, nach der Absicht, warum gerade dieser Film als einziger „Dokumentarfilm“ auf den Filmfestspielen gezeigt wird. Sicher wird jeder, der Klatschenden – wenn er gefragt würde -, sehr von sich weisen, dass er ein Antisemit wäre. Er applaudiere nur einem hervorragenden, wichtigen Dokumentarfilm. Doch das Klatschen war antisemitisch, es genügt den „drei D“. die den Antisemitismus definieren. Und fordert zu der ewigen Frage heraus: „Warum“?
anne.c - 21. Sep, 10:09
und deshalb wiederhole ich heute einen Beitrag, der von der Beschäftigung mit dem "11. September" handelt. Die Behauptung, die Juden hätten diesen Terror organisiert, kommt auch darin vor. Man liest so etwas und denkt: ´Das kann doch nicht wahr sein`, aber wenn man es dann mit eigenen Ohren hört, hat man wieder einen Puzzlestein zum Thema: Wie funktioniert Antisemitismus?
Verschwörungstheoretiker: „Der Prophet gilt nichts im eigenen Land“
In einem Kurort in unserer Gegend wurde eine Buchmesse veranstaltet, bei der regionale Verlage ihre Neuerscheinungen und in der Region ansässige Schriftsteller ihre Werke vorstellten. Ich sah mir das Programm an. Ein junger Schriftsteller, Sohn eines in der DDR populären Verfassers von Politthrillern, hatte die Ereignisse rund um den 11.9.2001 recherchiert und gab sie der Öffentlichkeit bekannt. Ein junger Mann von hier, Sohn unserer Landschaft, in diesem Metier! Die Lesung wollte ich mir nicht entgehen lassen. Ich fuhr früh los, damit ich rechtzeitig einen Sitzplatz bei der Lesung bekomme. Ich hatte dann aber Schwierigkeiten mit dem Parkplatz und traf erst minutengenau in der Messehalle ein. Es war das verlängerte erste Oktoberwochenende. Im Ort wimmelte es von Menschen. Ein Künstlerort. Dementsprechend wirkte das Publikum. Künstler, Kunstinteressierte oder Menschen, die sich gern im künstlerischen Flair bewegen.
Die Messehalle hatte einen kleinen abgetrennten Raum für Lesungen. Ich fragte am Einlass, ob die Veranstaltung hier stattfindet und ob man Eintritt zahlen müsste. Die Dame dort sagte etwas verlegen: „Eigentlich ja….., aber setzen sie sich doch einfach da hin“. In einer Stuhlreihe saßen drei Personen, unschwer als Angehörige des jungen Schriftstellers zu identifizieren. Und nun noch ich. Der Schriftsteller Paul S. kam. Er überlegte, ob er überhaupt anfangen solle. Dann trafen aber noch zwei Ehepaare ein, und so fand die Lesung statt.
Paul S. betonte, dass er keinesfalls eine Verschwörungstheorie zum 11.9. hätte. Er hätte nur Fakten zusammengetragen, und die Schlüsse daraus solle jeder für sich selbst ziehen. Man muss es Paul S. zugestehen, dass er recht gute rhetorische Fähigkeiten hatte. Die Lesung, die hauptsächlich die Lebensläufe von Donald Rumsfeld und Dick Cheney umfasste und ihr Zusammenwachsen zu einer Art Connection in engster Verbindung mit der amerikanischen Öl- und Rüstungsindustrie war außerordentlich langweilig, und trotzdem las er so gut, dass man nicht einschlief und sogar ein wenig mitdenken konnte. Es gab deutliche Hinweise, dass seit Jahren darauf hingearbeitet wurde, in den USA eine Situation zu schaffen, die es ermöglichte, die Verfassung außer Kraft zu setzen. Ebenso war eine deutliche Linie zu erkennen, Vorwand für einen Krieg zu schaffen, damit die entsprechenden Industrien zum Zuge kommen können. Dass in solch einer Situation billigend der Tod vieler eigener Leute in Kauf genommen würde, hätte Tradition, denn so wäre es damals 1941 in Pearl Harbour auch gewesen, als der amerikanische Präsident schon im Vorherein vom Angriff der Japaner gewusst hätte, aber den Überfall als guten Anlass ansah, seinem „kriegsmüden“ Volk ein wenig auf die Sprünge zu helfen, was wiederum der Rüstungsindustrie auf die Sprünge half. Ob sowohl Pearl Harbour als auch 9/11 von den Amerikanern selbst erdacht und ausgeführt worden war, blieb unklar, denn das Motto der Schriftstellerlesung war: „Man kann es so sehen, man kann es aber auch so sehen, und seine Meinung muss sich jeder selbst bilden.“
Diese zweideutige Aufforderung wurde in der anschließenden Diskussion gern aufgenommen. Diskussion ist übertrieben, denn lediglich ein Mann aus der kleinen Besucherschar stellte sich als redseliger Experte heraus. Es war ein älterer korpulenter Herr, der sich schwer auf seinen Stock stützte, gekleidet in eine Art Rangeruniform mit einem Käppi auf dem Kopf, das unerklärlicherweise einen Anstecker mit einer britischen Flagge hatte. Es war ein Fachgespräch unter Gleichrangigen. Die Fakten flogen einem nur so um die Ohren: Flughöhen, Flugwinkel, Uhrzeiten……. Ein Stichwort gab das andere: „Kennen sie auch Andreas von Bülow?“ „Selbstverständlich. Staatssekretär im Verteidigungsministerium. Unter Helmut Schmidt“. Das Gespräch war fast emotionslos, dafür aber sehr intensiv. Der korpulente Herr äußerte lediglich Bekümmerung über sich selbst. Denn er hätte so viel überlegt um seine eigenen Vermutungen zu entkräften, aber es wäre einfach nicht anders möglich. „Niemals hätte ein Fluganfänger diesen Winkel fliegen können…..“ und: „ 9.24 Uhr!! Das wäre doch absurd, dass Al-Quaida Interesse am Tod der vielen kleinen Leute gehabt hätte. Die hätten doch das Finanzkapital treffen wollen, und die ganzen Juden kamen doch erst nach 12 Uhr in ihre Büros!“ Paul S. hielt sich bedeckt, und wiederholte seinen Spruch: „Man kann es so sehen, …..“
Wohl wissend, dass es nach einer solchen Veranstaltung – egal wie sie verlaufen würde – nichts Schöneres geben kann als ein entspanntes, und nur privates Gespräch unter angenehmen Menschen, hatte ich mich anschließend bei Freunden zum Kaffeetrinken eingeladen. Der Kaffeetisch war schon gedeckt. Die einzigen Sätze, die dabei über die nachmittägliche Veranstaltung fielen waren so: Ich hatte meine Verwunderung darüber geäußert, dass keine Einwohner des Ortes gekommen waren. Ich erhielt die Antwort: „Ach, die S., die sind hier im Ort sehr unbeliebt. Zu denen geht von uns keiner“.
anne.c - 11. Sep, 10:26
„Aachener Friedenspreis“e.V. 15.7.2003
Sehr geehrte Damen und Herren,
Aus dem Internet erfuhr ich, dass der diesjährige Aachener Friedenspreis an Reuven Moskovitz verliehen werden soll. Ich weiß nicht viel über den Aachener Friedenspreis, dafür aber Einiges über Herrn Moskovitz. Allen Angaben in den Medien zu dieser Preisverleihung kann man Ähnliches entnehmen - Holocaustüberlebender, Friedensaktivist usw. - was darauf hindeutet, dass die Journalisten in Ermangelung näherer Kenntnisse wohl voneinander abgeschrieben, sich aber kaum mit Reuven Moskovitz direkt befasst haben. Aufschlussreicheres könnten sie aber über die Internet-Seite des Schillergymnasiums Münster erfahren, auf der ein Schüler über einen Vortrag von R. Moskovitz in dieser Schule berichtet, und aus der hervorgeht, dass zum Befremden der Schüler Herr Moskovitz "die Vertreibung der Palästinenser mit dem Holocaust vergleicht". Da ich einen Vortrag dieser Art mit genau den gleichen Intentionen auch erlebt habe, und zwar in Aachen, kann ich das, was Reuven Moskovitz in Deutschland umtreibt, nicht als "Schritt zur Versöhnung", sondern, so hart es auch klingen mag, als "Hetze gegen Israel" bezeichnen - wobei man bei Vorträgen dieser Art in Deutschland leider oft mit offenen Armen empfangen wird.
Sollte das Friedenspreiskomitee je das schwer lesbare Buch "Der lange Weg zum Frieden" von R. Moskovitz durchgelesen haben, so würde es feststellen, dass auch dort erklärt wird, Israel hätte die alleinige Schuld an allen Kriegen, die es mit seinen arabischen Nachbarn führte. Es stellt sich die Frage, warum, wenn ein israelischer Jude seine "Schritte zur Versöhnung" geht, es ausgerechnet in "schonungsloser Kritik an der israelischen Regierung" getan werden muss, wobei gleichzeitig so gut wie nie von der palästinensische Seite Kritik an eigenen kritikwürdigen Punkten, beispielsweise an Selbstmordattentaten oder an Korruption und Judenhass in Palästinensergebieten geübt wird? Es stellt sich die Frage, ob man in Deutschland auf jeden Fall preiswürdig ist, wenn man öffentlich "schonungslose Kritik" an Israel übt, die übrigens, wenn man sie in voller Konsequenz zu Ende denkt, zur Vernichtung des Staates Israel führen würde?
Wenn Sie sich wirklich als ein Friedenskomitee verstehen, wäre da vielleicht nicht etwas mehr Nachdenklichkeit darüber angebracht, ob wir als Deutsche tatsächlich auserkoren sind, fragwürdige Gestalten zu dekorieren, nur weil sie das in unserem Land weit verbreitete latente Unbehagen an den Juden bedienen? Wenn Sie mir die Beweggründe für Ihre Preisvergabe nennen könnten, wäre ich Ihnen dankbar.
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Es ist ja auch schon einige Jahre her, aber das Thema ist zeitlos und wiederholt sich in Variationen.
Eine Antwort auf mein Schreiben habe ich nie bekommen.
anne.c - 4. Sep, 10:57
Ihr Kommentar in der Mittagsberichterstattung am 10.3. „Empörungsrituale“
Mit dem Ausdruck „Empörungsrituale“, soll wohl gemeint sein, dass Juden oder Israeli sich immer unverschämt verhalten, wenn Deutsche ihnen vorhalten, dass Israeli ähnlich handeln, wie die Deutschen zur Zeit des Holocausts. Ich kann mir vorstellen, wie stolz derjenige war, der sich die Metapher „Empörungsritual“ erdacht hat, er war allerdings zu dumm, um sich bewusst zu sein, dass seine Empörung über die Empörung der Israeli genau jenem Ritual entspricht. Vielleicht war er nicht dumm, sondern einfach antisemitisch, aber beides geht ja Hand in Hand.
Denn die antisemitische Grundhaltung trat deutlich zutage, z.B. auch in der Relativierung, dass an den Bemerkungen der deutschen Bischöfe allerhand dran wäre. Da frage ich mich, ob konsequenterweise die Tatsache, dass ein anderer Bischof bereit war, die Bemerkungen seiner Amtskollegen ein wenig zurechtzurücken, dafür sprechen müsste, dass die Juden es mal wieder geschafft haben, einen deutschen Bischof „zu Kreuze kriechen zu lassen“. Das wäre die Schlussfolgerung, die durch die Meinung des Kommentators hindurchschimmert.
Wenn ich einen Kommentator des DLF des Antisemitismus bezichtige, dann ist das aus folgender Bewandtnis: Er legt verschiedene Maßstäbe an menschliches Verhalten an und stellt Juden auf eine tief unter ihm stehende Ebene: Israeli haben sich nicht zu beschweren, wenn sie sich über in der Tat empörende Bemerkungen der Nachkommen jener, die ihre Vorfahren vor Jahren umbrachten, erregen. Man versucht sie lächerlich zu machen, in den man ihr Verhalten zum „Empörungsritual“ herabstuft. Wenn sich ein deutscher Journalist aber über die Empörung der Empörten empört, dann nennt man das „Kommentar im Deutschlandfunk“.
anne.c - 29. Aug, 09:45
Haben sie einen Sinn? Auf den ersten Blick nicht, es scheint immer, sie laufen ins Leere. Auf die meisten meiner Schreiben habe ich keine Antwort bekommen. Es ist auch anstrengend, so einen Brief zu schreiben, man investiert Zeit, Gedanken, muss sich längere Zeit mit dem Thema befassen. Ich verfasste so ein Antwortschreiben immer erst, wenn ich zu dem Schluss gekommen war: es geht nicht anders! Die Redakteure müssen wissen, dass nicht alles hingenommen wird. Sie müssen wissen, dass es Hörer/Zuschauer gibt, die ihre Absichten durchschauen. Wenn es sich um Berichterstattung über Israel handelte, legte ich immer die bekannten“3 D“ (Delegitimierung, Doppelter Standard, Dämonisierung) als Maßstab, und diese drei Faktoren waren in den Sendungen offensichtlich.
So veröffentliche ich in Folgen einige meiner Zuschauer/Hörerbriefe, die z.T. schon viele Jahre alt sind. Die „vielen Jahre“ besagen aber: die Tendenz, Israel und Juden zu dämonisieren, war schon immer verbreitet, nicht erst seit dem Gaza-Krieg ab 2023.
(An Klaus Uwe Benneter, Bundestagsabgeordneter, Verwaltungsrat des DLF, Mitglied der DIG)
Bereits zwei mal hatte ich mit Ihnen einen E-Mail Wechsel . Mein Anliegen war die immer wieder vorkommende tendenzielle, man kann sagen bösartige Berichterstattung des Deutschlandfunks zum Thema Israel, in dessen Verwaltungsrat Sie laut SPD-Internet-Information sind. Da Sie ebenfalls Mitglied der Deutsch-Israelischen-Gesellschaft (aus gleicher Quelle) sind, denke ich, dass Sie die Kompetenz haben, meinen E-Mail-Wechsel mit dem DLF zu beurteilen. Obwohl Sie mir schon einmal schrieben, dass Sie so eine Tendenz nicht erkennen können, frage ich Sie doch: Wenn die Reaktion des DLF in den Mittagsinformationen am Holocaustgedenktag und anlässlich des Besuches von Schimon Perez in Deutschland für ein Interview einen bekannten "Israelkritiker" einlädt, und das Interview dann besagt, dass man nicht nur des "Holocaust" gedenken solle, sondern auch anderer Völkermorde und Menschenrechtsverbrechen und als einziges Beispiel hierfür der Krieg in Gaza angeführt wird - wie können Sie erklären, dass das keine (in oben genannten Sinne) tendenzielle und bösartige Berichterstattung ist?
Aus meiner beigefügten Korrespondenz geht hervor, dass ich beim DLF zwei mal gegen dieses Interview Protest eingelegt habe. Ich bitte Sie sehr, dass Sie für mich auch in diesem Sinne tätig werden und im Verwaltungsrat diese Sache zum Thema machen. Sie sind ein Politiker und Ihre wesentliche Aufgabe ist es also zu handeln (die nicht handelnden Politiker begründen die Politikverdrossenheit, denke ich), und sei es, wenn Sie unter Protest den Verwaltungsrat verlassen, sollten Sie, wie Sie mir schon einmal andeuteten, keine aktive Möglichkeit der Einflussnahme sehen sollten. Mir scheint es auch kaum möglich zu sein, zugleich Mitgliede des Verwaltungsrates eines solchen Senders einerseits und der DIG andererseits zu sein. Ich bitte Sie meine Anmerkungen zu bedenken und vielleicht doch eine Konsequenz aus den kaum haltbaren Zuständen in Sachen Israel/DLF zu ziehen. Es ist schade, wenn ein ansonsten guter Radiosender bei diesem Thema in eine so peinliche Schieflage gerät.
MfG
anne.c - 24. Aug, 11:43
Vor einiger Zeit nahm ich an einer Tagung mit dem Thema „Antisemitismus in den Medien“ teil. Sie war mit einigen hoch karätigen „Antisemitismusforschern“ besetzt. Eine Aussage von einem der Referenten, er ist am Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin tätig, kommt mir immer wieder einmal in den Sinn. Und zwar sagte er wörtlich: „Manchmal gibt es in antisemitischen Aussagen auch ein Körnchen Wahrheit“. Darauf stellte ich die Frage, auf welches „Körnchen Wahrheit“ man sich denn in der Nazizeit berufen hat, um die Juden umzubringen. Die Frage ging im Verlauf der Diskussion unter, vielleicht wurde sie als unpassend empfunden.
Aber ich fragte mich doch, was man in einem „Zentrum für Antisemitismusforschung“ so den ganzen Tag treibt, und ob man die „Körnchen Wahrheit“, die in antisemitischen Aussagen vorhanden sein sollen, analysiert. Eigentlich hatte ich angenommen, dass ein Antisemitismusforscher im Wesentlichen nach den Ursachen sucht, warum Menschen Antisemiten sind, was Antisemiten bewegt und wozu sie fähig sind. Antisemitismus ist doch kein Ding an sich, zu ihm gehört ein Mensch oder Menschen, die eine bestimmte Einstellung zu Juden haben. Juden selbst müssen nicht unbedingt zum Antisemitismus gehören, denn es gibt Antisemiten, die keinen einzigen Juden kennen. Vielleicht hat der Referent den Zuhörern einreden wollen, dass Juden manchmal zum Antisemitismus Veranlassung geben, hat sich dann aber nicht getraut, es direkt auszusprechen. Denn schon in der Fragestellung, ob Juden zum Antisemitismus Veranlassung geben, ist Antisemitismus vorhanden, da der Fragesteller ja nicht auf die Idee kommt, bei Vertretern anderer Völker nach dem „Körnchen Wahrheit“ zu suchen, auf Grund dessen man sich gegen sie stellen könnte.
anne.c - 17. Aug, 22:23
Das ist das Thema des BSW, wenn in Berlin ein neues Abgeordnetenhaus gewählt wird: Die Situation in Gaza. Aber nicht nur diese: auf seinen Wahlplakaten kämpft das BSW gegen Antisemitismus. Der könnte etwa zum Vorschein kommen, wenn jemand auf die „berechtigte“ Idee käme, Israel zu kritisieren. Das BSW macht den potentiellen Wählern klar, dass man Israel durchaus kritisieren kann, ohne dass man gleich Antisemit wäre. Also nur zu, mit der Kritik! Sie ist wichtiger als Infrastruktur, Verkehrssituation und Wohnverhältnisse in Berlin und wird vielleicht viele Berliner dazu ermuntern, bei der Wahl ihr Kreuzchen für das BSW zu machen.
anne.c - 11. Aug, 12:57