Sonntag, 11. Oktober 2026

Gedenken an den 7.10.2023 (Teil 2)

Nach der Teilnahme an dem Gedenken an die Opfer des 7.10.23 sah ich abends die Nachrichten. Über den Jahrestag des Geschehens in Israel wurde an erster Stelle berichtet. Der Tag wurde rekapituliert: der Durchbruch des Grenzzaunes, zerstörte Kibbuzim, fliehende Menschen sah man. Dann sendete die ARD den gebührenden Nachtrag. (Denn man sieht sich als ein „ausgewogenes“ und „keine Seite bevorzugendes“ Medium). Da wurden die Zahlen getöteter Israeli und Toter im anschließenden Gazakrieg nebeneinandergestellt. 1200 gegen „nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums“ 74 000. Da wurden ausgiebig Bilder des zerstörten Gazastreifens gezeigt, Ruinen, trauernde Palästinenser. Dem Zuschauer wurde suggeriert, dass alles ungefähr „das Gleiche“ gewesen sei, aber mit ungleich höheren Opferzahlen in Gaza.

Am nächsten Tag war dann in der Zeitung zu lesen, was sich am 7.10.26 noch in Berlin abgespielt hat. Palästinenser und ihre Anhänger feierten in einer Demonstration die 1200 Morde und die Zerstörung in Israel. Die Demonstration hatte eigentlich verboten werden sollen, wurde dann doch erlaubt unter strengen Auflagen. Diese wurden natürlich nicht erfüllt, Slogans wurden skandiert, die – wenn man sie aufschlüsselt -, die Zerstörung Israels propagierten, Polizisten wurden angegriffen. So dass schließlich die Demonstration aufgelöst wurde.

Schon allein die Vorstellung, wie die verschiedenen Kundgebungen abliefen: die eine: getragen von Nachdenklichkeit, Trauer und Hoffnung. Die andere: Wut, Gewalt, Aggressivität, Vernichtungsphantasien. Und diese beiden Lager stellt die Tagesschau als „gleichwertig“ nebeneinander!

Im Land, das den Holocaust begangen hat, 6 Millionen Juden bestialisch ermordet hat, sind Demonstrationen möglich, die die Vernichtung von Juden fordern. Das muss man sich einmal vorstellen! Es wird gesagt, dass die Demonstrationsfreiheit ein hohes Gut ist. Was aber auf solcherart Demonstrationen gerufen wird, verträgt sich nicht mit dem Artikel 1 des Grundgesetzes, dem Artikel, der angeblich über allem steht, und das wissen diejenigen, die diese Veranstaltungen genehmigen genau. Ich denke, diejenigen die diese Entscheidungen treffen, sind von solchen Sendungen wie die Nachrichten der Tagesschau inspiriert.

Möge es nur Kundgebungen wie die auf dem Sderotplatz in Berlin Zehlendorf geben!

Dem-Zeh

Freitag, 9. Oktober 2026

Gedenken an den 7.10.2023 in Berlin-Zehlendorf

Mehrere Veranstaltungen fanden in Berlin am 7.10. statt in Gedenken an das furchtbare Massaker, das die Hamas (die im Gazastreifen von der Bevölkerung gewählte Terrororganisation) an friedlichen israelischen und auch ausländischen Zivilisten ausgeübt hatte. Was für eine unselige weltpolitische Bewegung dadurch ausgelöst wurde, das ist allgemein bekannt.

An diesem Tag, dem 7.10. 2026 sollte der Menschen gedacht werden, die damals auf so grausame Weise um ihr Leben gebracht wurden. Eine größere Veranstaltung gab es auf dem Bebelplatz mit politischer Prominenz, z.B. mit dem Innenminister Dobrindt und anderen. Ich entschloss mich, zu einer kleineren, intimeren Kundgebung auf den Sderotplatz in Zehlendorf zu gehen. Sderot ist schon seit gut 50 Jahren die Partnerstadt von Berlin-Zehlendorf.

Sderot-Ort

Den Platz vom Bus aus zu finden, fiel nicht schwer, da schon von Weitem die dort stehenden Polizeiautos zu sehen waren. Der Sderotplatz ist nicht groß, aber schön, markiert von einem lauschigen „Märchenbrunnen“. Eine Bühne und eine Lautsprecheranlage standen bereit. Der Platz füllte sich mit Menschen, viele Israelfahnen waren zu sehen. „Ach, wie viele nette und angenehme Menschen kommen hier zusammen“, dachte ich, wissend, dass es auf die Einwohnerzahl bezogen nicht viele waren. (Teilnehmerzahlen zwischen 170 und 220 las ich später).

Der frühere Vorsitzende der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Jochen Feilcke hielt die Eröffnungsrede. Er fand deutliche Worte zu dem Geschehen und den Reaktionen darauf, von der Täter-Opfer Umkehr, der Delegitimierung Israels. Er erwähnte als symbolisches Beispiel für den Horror die Familie Bibas. Die Rede rankte sich um die Aussage „Wir tanzen wieder!“, nachdem so viele Menschen während eines Musik- und Tanz-Festivals umgebracht worden waren.

Sderot-Feilcke

Insgesamt waren alle Reden ausgeglichen und nachvollziehbar. Nichts Störendes geschah, außer dass nach ihrer Rede die Bezirksbürgermeisterin, eine „Grüne“, lautstark davor gewarnt wurde, bei der Regierungsbildung Berlins mit den „Linken“ zu koalieren. Sie konterte darauf, der Mann habe ihre Rede nicht verstanden. Ich konnte mir das nur so erklären, dass sie der Meinung sei, dass die „Grünen“ mäßigend in der Regierung wirken könnten. Lange sprach eine Jüdin, die aus Sderot stammt und in Berlin lebt, wie sie aus der Ferne den Terrorangriff erlebt hat und wie viele ihrer Freunde und Verwandten aus Sderot ermordet worden waren. Und welche Unsicherheit sie jetzt in Berlin empfindet. Sie sagte, dass in ihrer Kindheit Sderot ein Paradies für sie war, aber dass es durch die permanenten Beschießungen und den Terror zur Hölle geworden ist.

Mit einem kleinen Konzert auf dem Piano und dem Gesang „Halleluja“ und der „ha Tikwa“, wobei viele Anwesende mitsangen, ging diese Stunde zu Ende.
(Fortsetzung folgt)

Dienstag, 6. Oktober 2026

Bestätigung

Es war wie eine Bestätigung des letzten Eintrags. Da war von „Antisemitismusbeauftragten“ die Rede. Zur gleichen Kategorie gehören sicher auch „Menschenrechtsbeauftrage“. Also jene Sorte von Menschen, über die ich die Meinung habe: „Wenn sie nichts Antisemitisches gesagt haben, so liegt es daran, dass man ihnen nicht lange genug zugehört hat“. Und so kam es, wie es kommen musste: Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung Lars Castellucci schrieb auf einen Post der Bildungsministerin Karin Prien, die sich Gedanken machte, warum sich die Leute kaum interessieren für die kürzlich erfolgte Kaperung eines Flugzeugs mit israelischen Passagieren und die anschließende wunderbare Rettung: »Weil Israel gerade seine letzten Freunde verliert. Wegen seiner rechtsradikalen Regierung und allen, die sie verteidigen.«

Das heißt, er hat Verständnis für Ignoranz gegenüber israelischen Menschen, weil er an deren Regierung etwas auszusetzen hat. Sie haben sich diese Ignoranz wegen ihrer Regierung – ob sie sie gewählt haben oder auch nicht -, selbst verdient. Dass der „Menschenrechtsbeauftragte“ die israelische Regierung als „rechtsradikal“ bezeichnet, kann man so deuten, dass er mit dem vagen, aber negativen Begriff „rechtsradikal“ seine Verachtung gegenüber der israelischen Regierung ausdrücken will.

Vielleicht sind diese „Beauftragten“ so überfordert von der ständigen Beschäftigung mit ihrer Profession, dass sie davon infiziert werden und Hemmungen bei ihnen wegfallen.

Freitag, 2. Oktober 2026

Wenn ich das Wort „Antisemitismusforscher“

oder „Antisemitismusbeauftragter“ höre, wird mir ganz anders zumute. Warum sind sie mir suspekt? Einerseits, weil ich selbst schon seltsame Begebenheiten mit Menschen jener Art erlebt habe. Ich kam schon zu dem Schluss zu fragen, ob ein Antisemitismusbeauftragter für oder gegen den AS. beauftragt ist.

Dann sind diese Beauftragten ja vom Parlament oder der Regierung in ihr Amt gesetzt worden. Sie müssen also ihrem Arbeitgeber zu Munde reden und dessen zwiespältige Sprache sprechen. Also, diese zwiegespaltene Haltung hier im Land, die einerseits darauf zielt, sich der Vergangenheit zu stellen (oder stellen zu müssen), andererseits doch allerhand Relativierendes sowohl an den Juden als auch an den Taten der Vergangenheit zu finden. (Als Beispiel für diese Haltung kann man die Frage der Waffenlieferungen an das sich in höchster Bedrängnis befindende Israel sehen´ (mal ja, mal nein).. Dieser unstillbare Drang, Israel zu ermahnen, gehört auch dazu. Und diese unsäglichen Filme über Israel, die man immer mal im Staatsfernsehen zu sehen bekommt.

Dass ein Mensch wie Wolfgang Benz 20 Jahre lang das „Institut für Antisemitismusforschung“ geleitet hat, und seine Nachfolgerin anscheinend im gleichen Geist weiterarbeitet, sagt auch etwas über den Zwiespalt aus. Ich gehe davon aus, dass er sachliche Bücher über sein Sujet geschrieben hat. Schon in der Vergangenheit konnte man aber fragwürdige Aussagen von ihm hören. Sein letztes Interview im Tagesspiegel gab über ihn Aufschluss. Er schien bei diesem Interview das Anliegen zu haben zu beweisen, dass „Linke“ und „Muslime“ nicht antisemitisch seien. Nun ist „Antisemitismus“ so ein vager und schwammiger Begriff, man scheint mit ihm wie eine Formel hin- und herzuschieben. Einen lebendigen Bezug zur Wirklichkeit scheint es bei diesen Überlegungen kaum zu geben. Beliebigkeit herrscht vor.

Und so meinte Herr Benz, dass es muslimischen AS. nicht gäbe, denn die skandieren ja gegen Israel, und da gäbe es durchaus eine Berechtigung. Wütende Sprechchöre gegen Israel hätten mit AS. nichts zu tun, denn diese zeigen nur Wut über die Besetzung ihres Landes. Herr Benz scheint diese Wut auch zu spüren.

Eine seiner Lehren aus der Geschichte schien zu sein: viele Flüchtlinge – egal wie viele und was ihre Absichten sind -, soll man in Deutschland aufzunehmen, weil sie in ebenso einer Lage wären, wie die Juden in der Nazizeit. (Der bekannte Spruch von Karl Lagerfeld kommt mir plausibler vor). Über die Juden, die heutzutage hier in Deutschland leben, spricht er herablassend: Die hätten ja Polizeischutz wie sonst kaum jemand, sie wollten sich rechtfertigten, dass sie im „Land der Täter“ leben und darum kokettieren sie schon seit 50 Jahren damit, dass sie hier Angst haben müssen.
Eigentlich hat es keinen Sinn, sich damit auseinanderzusetzen, nur leider sind das Redensarten, die sich viele Leute gern vorsetzen lassen und die zu ihrer Meinungsbildung beitragen.

Meine eigenen Erlebnissee mit einem „Antisemitismusforscher“, einem jungen Mann mit zwei Doktortiteln:
„An dem, was man den Juden vorwirft, ist immer ein Körnchen Wahrheit“, worauf ich ihm die Frage stellte: „Auf welches Körnchen Wahrheit über die Juden haben die Nazis sich berufen und hatten so einen Grund, sie umzubringen?“
Und: Mit der gleichen Überheblichkeit wie Herr Benz, verkündete der „Forscher“: „Der Zentralrat ist immer bereit, etwas zu skandalisieren“. (Gemeint war der Zentralrat der Juden, der sich angeblich zu oft über antisemitische Vorfälle beschwert).

Herr Benz reiht sich also ein in den Kreis der Verdreher und Umdeuter, er passt in das, was man Vertreter der öffentliche Meinung nennt. Aber ob er wirklich so eine Koryphäe der Antisemitismusforschung ist?

Montag, 21. September 2026

25 Minuten Applaus

gab es für die israelischen Filmemacher Abraham Yuval und Rachel Szor auf den Venediger Filmfestspielen. Das erinnerte mich an den tosenden Applaus, den einst Martin Walser für seine „Sonntagsrede“ anlässlich der Verleihung des „Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 1998“ erhielt. Unzählige Menschen stehen auf und klatschen frenetisch. Diese Menschen sehen sich als die „Elite“. Der Zweck ihres Klatschens ist die Erniedrigung von Juden und vom jüdischen Staat. Sie wissen genau, dass es nicht um den „Dokumentarfilm“ geht, sondern – wie gesagt -, um die Erniedrigung. Sie müssen besessen von ihrer Darbietung (dem Klatschen) sein.

Zu wenig weiß ich über diesen Film, über seine Authentizität, wie er zustande gekommen ist, als dass ich über den Film schreiben könnte. Er soll die israelische Armee als besonders brutal und skrupellos beschreiben. Wenn man die Ereignisse am 7. Oktober verfolgt hat: Wie brutal in den Kibbuzim und bei dem Festival gemordet wurde, wie Hisbollah Israel sofort mit Raketenbeschuss überzogen hat: Warum wird nicht ein Dokumentarfilm darüber auf einem Festival gezeigt? Warum ignoriert die „Kulturelite“ vollkommen, wie dieser Krieg zustande gekommen ist? Und warum sind es gerade die „Kulturschaffenden“, die sich daran ergötzen, wenn Israel als ein brutaler Aggressor dargestellt wird? Und die sich nicht im Geringsten dafür interessieren, in welche Wirklichkeit der Film eingebettet ist. Nein, bei diesem Klatschen ging es sicher nicht um den Film, sondern die Menschen wollten ihre unbestimmten Aggressionen in die Welt hinausklatschen.

Was sind das für Menschen, was denken sie, wenn sie kundtun, dass dieser Film einzigartig ist? Sind das die Menschen, die unsere Gesellschaft prägen? Im Allgemeinen sind es keine Verbrecher im landläufigen Sinn, es sind Menschen, die von „Werten“ sprechen, die den Begriff „Menschenrechte“ ständig im Munde führen. Warum feiern sie einen Film, der nicht nur auf fragwürdige Weise zustande gekommen ist, der Einseitigkeit geradezu vorführt? Die frenetisch feiernden Menschen müssten nach dem Hintergrund des Films fragen, nach der Wahrhaftigkeit der Aussagen, nach der Absicht, warum gerade dieser Film als einziger „Dokumentarfilm“ auf den Filmfestspielen gezeigt wird. Sicher wird jeder, der Klatschenden – wenn er gefragt würde -, sehr von sich weisen, dass er ein Antisemit wäre. Er applaudiere nur einem hervorragenden, wichtigen Dokumentarfilm. Doch das Klatschen war antisemitisch, es genügt den „drei D“. die den Antisemitismus definieren. Und fordert zu der ewigen Frage heraus: „Warum“?

Freitag, 11. September 2026

Nichts ist so überzeugend wie das eigene Erleben,

und deshalb wiederhole ich heute einen Beitrag, der von der Beschäftigung mit dem "11. September" handelt. Die Behauptung, die Juden hätten diesen Terror organisiert, kommt auch darin vor. Man liest so etwas und denkt: ´Das kann doch nicht wahr sein`, aber wenn man es dann mit eigenen Ohren hört, hat man wieder einen Puzzlestein zum Thema: Wie funktioniert Antisemitismus?


Verschwörungstheoretiker: „Der Prophet gilt nichts im eigenen Land“

In einem Kurort in unserer Gegend wurde eine Buchmesse veranstaltet, bei der regionale Verlage ihre Neuerscheinungen und in der Region ansässige Schriftsteller ihre Werke vorstellten. Ich sah mir das Programm an. Ein junger Schriftsteller, Sohn eines in der DDR populären Verfassers von Politthrillern, hatte die Ereignisse rund um den 11.9.2001 recherchiert und gab sie der Öffentlichkeit bekannt. Ein junger Mann von hier, Sohn unserer Landschaft, in diesem Metier! Die Lesung wollte ich mir nicht entgehen lassen. Ich fuhr früh los, damit ich rechtzeitig einen Sitzplatz bei der Lesung bekomme. Ich hatte dann aber Schwierigkeiten mit dem Parkplatz und traf erst minutengenau in der Messehalle ein. Es war das verlängerte erste Oktoberwochenende. Im Ort wimmelte es von Menschen. Ein Künstlerort. Dementsprechend wirkte das Publikum. Künstler, Kunstinteressierte oder Menschen, die sich gern im künstlerischen Flair bewegen.

Die Messehalle hatte einen kleinen abgetrennten Raum für Lesungen. Ich fragte am Einlass, ob die Veranstaltung hier stattfindet und ob man Eintritt zahlen müsste. Die Dame dort sagte etwas verlegen: „Eigentlich ja….., aber setzen sie sich doch einfach da hin“. In einer Stuhlreihe saßen drei Personen, unschwer als Angehörige des jungen Schriftstellers zu identifizieren. Und nun noch ich. Der Schriftsteller Paul S. kam. Er überlegte, ob er überhaupt anfangen solle. Dann trafen aber noch zwei Ehepaare ein, und so fand die Lesung statt.

Paul S. betonte, dass er keinesfalls eine Verschwörungstheorie zum 11.9. hätte. Er hätte nur Fakten zusammengetragen, und die Schlüsse daraus solle jeder für sich selbst ziehen. Man muss es Paul S. zugestehen, dass er recht gute rhetorische Fähigkeiten hatte. Die Lesung, die hauptsächlich die Lebensläufe von Donald Rumsfeld und Dick Cheney umfasste und ihr Zusammenwachsen zu einer Art Connection in engster Verbindung mit der amerikanischen Öl- und Rüstungsindustrie war außerordentlich langweilig, und trotzdem las er so gut, dass man nicht einschlief und sogar ein wenig mitdenken konnte. Es gab deutliche Hinweise, dass seit Jahren darauf hingearbeitet wurde, in den USA eine Situation zu schaffen, die es ermöglichte, die Verfassung außer Kraft zu setzen. Ebenso war eine deutliche Linie zu erkennen, Vorwand für einen Krieg zu schaffen, damit die entsprechenden Industrien zum Zuge kommen können. Dass in solch einer Situation billigend der Tod vieler eigener Leute in Kauf genommen würde, hätte Tradition, denn so wäre es damals 1941 in Pearl Harbour auch gewesen, als der amerikanische Präsident schon im Vorherein vom Angriff der Japaner gewusst hätte, aber den Überfall als guten Anlass ansah, seinem „kriegsmüden“ Volk ein wenig auf die Sprünge zu helfen, was wiederum der Rüstungsindustrie auf die Sprünge half. Ob sowohl Pearl Harbour als auch 9/11 von den Amerikanern selbst erdacht und ausgeführt worden war, blieb unklar, denn das Motto der Schriftstellerlesung war: „Man kann es so sehen, man kann es aber auch so sehen, und seine Meinung muss sich jeder selbst bilden.“

Diese zweideutige Aufforderung wurde in der anschließenden Diskussion gern aufgenommen. Diskussion ist übertrieben, denn lediglich ein Mann aus der kleinen Besucherschar stellte sich als redseliger Experte heraus. Es war ein älterer korpulenter Herr, der sich schwer auf seinen Stock stützte, gekleidet in eine Art Rangeruniform mit einem Käppi auf dem Kopf, das unerklärlicherweise einen Anstecker mit einer britischen Flagge hatte. Es war ein Fachgespräch unter Gleichrangigen. Die Fakten flogen einem nur so um die Ohren: Flughöhen, Flugwinkel, Uhrzeiten……. Ein Stichwort gab das andere: „Kennen sie auch Andreas von Bülow?“ „Selbstverständlich. Staatssekretär im Verteidigungsministerium. Unter Helmut Schmidt“. Das Gespräch war fast emotionslos, dafür aber sehr intensiv. Der korpulente Herr äußerte lediglich Bekümmerung über sich selbst. Denn er hätte so viel überlegt um seine eigenen Vermutungen zu entkräften, aber es wäre einfach nicht anders möglich. „Niemals hätte ein Fluganfänger diesen Winkel fliegen können…..“ und: „ 9.24 Uhr!! Das wäre doch absurd, dass Al-Quaida Interesse am Tod der vielen kleinen Leute gehabt hätte. Die hätten doch das Finanzkapital treffen wollen, und die ganzen Juden kamen doch erst nach 12 Uhr in ihre Büros!“ Paul S. hielt sich bedeckt, und wiederholte seinen Spruch: „Man kann es so sehen, …..“

Wohl wissend, dass es nach einer solchen Veranstaltung – egal wie sie verlaufen würde – nichts Schöneres geben kann als ein entspanntes, und nur privates Gespräch unter angenehmen Menschen, hatte ich mich anschließend bei Freunden zum Kaffeetrinken eingeladen. Der Kaffeetisch war schon gedeckt. Die einzigen Sätze, die dabei über die nachmittägliche Veranstaltung fielen waren so: Ich hatte meine Verwunderung darüber geäußert, dass keine Einwohner des Ortes gekommen waren. Ich erhielt die Antwort: „Ach, die S., die sind hier im Ort sehr unbeliebt. Zu denen geht von uns keiner“.

Freitag, 4. September 2026

Aachener Friedenspreis

„Aachener Friedenspreis“e.V. 15.7.2003

Sehr geehrte Damen und Herren,

Aus dem Internet erfuhr ich, dass der diesjährige Aachener Friedenspreis an Reuven Moskovitz verliehen werden soll. Ich weiß nicht viel über den Aachener Friedenspreis, dafür aber Einiges über Herrn Moskovitz. Allen Angaben in den Medien zu dieser Preisverleihung kann man Ähnliches entnehmen - Holocaustüberlebender, Friedensaktivist usw. - was darauf hindeutet, dass die Journalisten in Ermangelung näherer Kenntnisse wohl voneinander abgeschrieben, sich aber kaum mit Reuven Moskovitz direkt befasst haben. Aufschlussreicheres könnten sie aber über die Internet-Seite des Schillergymnasiums Münster erfahren, auf der ein Schüler über einen Vortrag von R. Moskovitz in dieser Schule berichtet, und aus der hervorgeht, dass zum Befremden der Schüler Herr Moskovitz "die Vertreibung der Palästinenser mit dem Holocaust vergleicht". Da ich einen Vortrag dieser Art mit genau den gleichen Intentionen auch erlebt habe, und zwar in Aachen, kann ich das, was Reuven Moskovitz in Deutschland umtreibt, nicht als "Schritt zur Versöhnung", sondern, so hart es auch klingen mag, als "Hetze gegen Israel" bezeichnen - wobei man bei Vorträgen dieser Art in Deutschland leider oft mit offenen Armen empfangen wird.

Sollte das Friedenspreiskomitee je das schwer lesbare Buch "Der lange Weg zum Frieden" von R. Moskovitz durchgelesen haben, so würde es feststellen, dass auch dort erklärt wird, Israel hätte die alleinige Schuld an allen Kriegen, die es mit seinen arabischen Nachbarn führte. Es stellt sich die Frage, warum, wenn ein israelischer Jude seine "Schritte zur Versöhnung" geht, es ausgerechnet in "schonungsloser Kritik an der israelischen Regierung" getan werden muss, wobei gleichzeitig so gut wie nie von der palästinensische Seite Kritik an eigenen kritikwürdigen Punkten, beispielsweise an Selbstmordattentaten oder an Korruption und Judenhass in Palästinensergebieten geübt wird? Es stellt sich die Frage, ob man in Deutschland auf jeden Fall preiswürdig ist, wenn man öffentlich "schonungslose Kritik" an Israel übt, die übrigens, wenn man sie in voller Konsequenz zu Ende denkt, zur Vernichtung des Staates Israel führen würde?

Wenn Sie sich wirklich als ein Friedenskomitee verstehen, wäre da vielleicht nicht etwas mehr Nachdenklichkeit darüber angebracht, ob wir als Deutsche tatsächlich auserkoren sind, fragwürdige Gestalten zu dekorieren, nur weil sie das in unserem Land weit verbreitete latente Unbehagen an den Juden bedienen? Wenn Sie mir die Beweggründe für Ihre Preisvergabe nennen könnten, wäre ich Ihnen dankbar.
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Es ist ja auch schon einige Jahre her, aber das Thema ist zeitlos und wiederholt sich in Variationen.
Eine Antwort auf mein Schreiben habe ich nie bekommen.

Samstag, 29. August 2026

Schreiben an den Deutschlandfunk

Ihr Kommentar in der Mittagsberichterstattung am 10.3. „Empörungsrituale“

Mit dem Ausdruck „Empörungsrituale“, soll wohl gemeint sein, dass Juden oder Israeli sich immer unverschämt verhalten, wenn Deutsche ihnen vorhalten, dass Israeli ähnlich handeln, wie die Deutschen zur Zeit des Holocausts. Ich kann mir vorstellen, wie stolz derjenige war, der sich die Metapher „Empörungsritual“ erdacht hat, er war allerdings zu dumm, um sich bewusst zu sein, dass seine Empörung über die Empörung der Israeli genau jenem Ritual entspricht. Vielleicht war er nicht dumm, sondern einfach antisemitisch, aber beides geht ja Hand in Hand.

Denn die antisemitische Grundhaltung trat deutlich zutage, z.B. auch in der Relativierung, dass an den Bemerkungen der deutschen Bischöfe allerhand dran wäre. Da frage ich mich, ob konsequenterweise die Tatsache, dass ein anderer Bischof bereit war, die Bemerkungen seiner Amtskollegen ein wenig zurechtzurücken, dafür sprechen müsste, dass die Juden es mal wieder geschafft haben, einen deutschen Bischof „zu Kreuze kriechen zu lassen“. Das wäre die Schlussfolgerung, die durch die Meinung des Kommentators hindurchschimmert.

Wenn ich einen Kommentator des DLF des Antisemitismus bezichtige, dann ist das aus folgender Bewandtnis: Er legt verschiedene Maßstäbe an menschliches Verhalten an und stellt Juden auf eine tief unter ihm stehende Ebene: Israeli haben sich nicht zu beschweren, wenn sie sich über in der Tat empörende Bemerkungen der Nachkommen jener, die ihre Vorfahren vor Jahren umbrachten, erregen. Man versucht sie lächerlich zu machen, in den man ihr Verhalten zum „Empörungsritual“ herabstuft. Wenn sich ein deutscher Journalist aber über die Empörung der Empörten empört, dann nennt man das „Kommentar im Deutschlandfunk“.

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