Eine Kundgebung anderer Art

(2 Teile)

Vor einiger Zeit schickte meine Freundin J. auf´s Handy ein interessantes Foto von Teilnehmern einer Demonstration direkt unter ihrem Fenster. Sie schrieb dazu, es wäre ein Foto einer Montagsdemonstration, die schon seit langem wöchentlich in der Kleinstadt stattfindet. Mich interessierte das, zumal die Teilnehmer ulkig aussahen, Plakate trugen, von denen ich nur eins lesen konnte: `Nein, meine Söhne gebe ich nicht her´. Meine Freundin teilte mir mit, dass diese Demos mit großer Zuverlässigkeit immer montags zwischen 18 und 19 Uhr stattfinden. Ich beschloss, einmal daran teilzunehmen, zumal das eine gute Gelegenheit war, J. zu besuchen.

Am nächsten Montag um 18 Uhr saß ich bei ihr in der Wohnung. Sie war schon die Gepflogenheiten der Leute gewohnt und sagte mir, als man etwas rumpsige Töne hörte, dass die Demo in der Nähe sein müsse. Wir schauten aus dem Fenster – sie bogen gerade von der Seestraße in die Grüne Straße ein. So lief ich zur Demo, hatte keine Ahnung, was mich erwartet, und wie ich mich verhalten sollte, aber innerhalb einer Demo ist man ja einigermaßen anonym.

Demo2

Als erstes erblickte ich Herrn S., einen früheren Offizier, mit dem ich mal im Chor gesungen hatte. Er ging als Schlussmann und hatte eine gelbe Warnweste an. Wir begrüßten uns, er freute sich, dass ich Interesse an der Unternehmung hatte. Seine genauen Ziele konnte er nicht in Worte fassen, aber er meinte, dass wir von ´oben verarscht ´ würden, so dass man dagegen aufstehen muss. Ich lief denn brav die Hauptstraße mit hoch, am Kreisel bogen wir in den Schleichergang ein, später in die Hafenstraße, von der ich es nicht weit zu meinem Auto hatte. Ich entdeckte auch noch zwei Bekannte in der Gruppe, die etwa 25 Personen zählte. Die Gruppe wurde angeführt von sieben Personen, die jeder einen Din-A-4 großes Plakat hoch hielten mit Buchstaben, die zusammen das Wort Frieden bildeten. Ich konnte guten Gewissens mitlaufen, denn wer ist schon gegen Frieden, und gegen den Ukrainekrieg bin ich sowieso.

Interessant waren die Plakate, einige groß, aber die meisten recht klein. Sie schienen zum Fundus der Gruppe zu gehören, denn die Plakate wurden bei verschiedenen Umzügen von verschiedenen Leuten getragen. `Nein, meine Söhne gebe ich nicht her‘, das wurde jedes Mal von einer anderen Frau getragen. Ich war nahe dran, die Frauen zu fragen, wie viele Söhne sie hätten. Doch ich begnügte mich damit, die Leute und wie sie sich verhalten, zu studieren. Die Plakate trugen Aufschriften wie: ´Es ist Zeit aufzustehen` oder ´Wenn Recht zu Unrecht wird, ist Widerstand Pflicht`. ´Raus aus der WHO`. Das erhärtete meinen Verdacht, dass der Ursprung der Montagsdemonstrationen in Coronaprotesten liegen könnte. Als ich hörte, dass sie schon fast drei Jahre Montag für Montag auf die Straße gingen, - damals fingen die Coronademos ja an -, war ich von ihrer Standhaftigkeit und ihrer Ausdauer beeindruckt.
(Fortsetzug folgt)

Im Luftreich des Traums

gegen Ideologien

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