Freitag, 9. Januar 2026

Meine Erinnerungen an Yaakov (Teil 2)

Warum interessierte mich der fremde jüdische Mensch so, dass ich beschwerliche Umstände in Kauf nahm, um seine Vorträge zu hören? Als Jugendliche hatte mich das, was ich über den Holocaust erfahren hatte, so schockiert, dass ich mich gedanklich viel damit beschäftigte. Doch ich empfand es als ein abstraktes Geschehen aus einer fernen dunklen Vergangenheit. Ich wollte sozusagen eine Verbindung dazu gewinnen, einen lebendigen Eindruck.

Yaakov war 1987 das erste mal in die DDR gereist. Wie das organisiert wurde, weiß ich nicht. Er war bei einer fürsorglichen Familie untergebracht, die sich auch sehr um Speisevorschriften, Shabatgebote usw. kümmerte. Nach der Wende stellte sich allerdings heraus, dass der Mann eng mit der Stasi zusammengearbeitet hatte, was aber Yaakov recht gelassen hingenommen hat und auch weiterhin bei der Familie wohnte, wenn er in Rostock war. Als ich ihn von da einmal zu einem Ausflug abholte, sah ich, dass die Familie in einer komfortablen Villa in einem Armee-Sperrgebiet lebte, was auch einem unvoreingenommenen Menschen allerhand aussagte.

Noch sind wir aber in Stralsund. In einem kirchlichen Gemeinderaum waren viele Zuhörer versammelt. Yaakov wurde von seiner Betreuerin vorgestellt, und dann ergriff er selbst das Wort und erzählte über sein Leben. Wie er in einer religiösen Kaufmannsfamilie aufgewachsen war und ab 1933 in der Schule von Lehrern drangsaliert und beschimpft wurde. Aber er erzählte auch von einem Mitschüler, der das als ungerecht empfand und sich neben ihn setzte. Wie er, da er von Jugendlichen sehr isoliert leben musste, seine Freizeit damit verbrachte, ausgiebige Radtouren in die Umgebung zu machen. Wie er fest entschlossen war, aus Deutschland auszuwandern, um nach Palästina zu gehen. Er betonte immer wieder, dass er nicht emigriert sei, sondern „nach Hause“ gekommen sei. Ja, und nach der „Pogromnacht“, als das Leben in Deutschland unerträglich geworden war, handelte er und erreichte, dass der Vater ein Visum für England bekam und er und seine 2 Brüder nach Palästina auswandern konnten.

In Israel lebte er in einem religiösen Kibbuz, den er selbst aufgebaut hatte. Er schilderte das Leben im Kibbuz, die Ruhe am Shabat, die Landschaft gegenüber von Jordanien. Alles illustrierte er mit Dias, auf denen deutlich zu sehen war, dass dieser blühende Kibbuz in seinen Anfängen ein wüstes, unkultiviertes Land gewesen war. Doch schon damals, 1988, geschah es, dass eine Zuhörerin aufstand und in strengem Ton fragte, wie sie dort eigentlich mit den Palästinensern umgehen. Yaakov antwortete ganz ruhig, dass die Araber in Israel die vollen Bürgerrechte besitzen, alle Berufe ausüben, und dass eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen den Bevölkerungsgruppen herrsche. Er hätte z.B. einen arabischen Arzt, der ihm einmal nahe gelegt hätte, am Yom Kippur nicht zu fasten, und er wusste, dass er dem Rat des Arztes vertrauen kann.
(Fortsetzung folgt)

Freitag, 2. Januar 2026

Meine Erinnerungen an Yaakov

Am 26.12. 2025 wurden bei der israelischen Stadt Beit Shean zwei Israeli durch einen palästinensischen Terroristen umgebracht. Solch eine Tat ruft wahrscheinlich kein großes Interesse hervor, auch wenn man hier in Deutschland inzwischen Erfahrungen darin hat, dass aus heiterem Himmel ein Messerstecher oder Autofahrer einige Menschen zu Tode bringet

Für mich weckte die Nennung des Ortes Beit Shean Assoziationen an einen Mann, der dort lebte. Genauer gesagt, lebte er in einem Kibbuz ganz in der Nähe dieser Stadt. Geboren ist er 1924 aber ganz woanders, nämlich in Rostock an der deutschen Ostseeküste. Den habe ich 1987 kennengelernt. Dieses Kennenlernen war keine Selbstverständlichkeit. Denn Menschen aus Israel hatten so gut wie keine Gelegenheit, in die DDR zu reisen. Ebenso hatten Israeli, die im Ostblock die Stätten ihrer Kindheit aufsuchen wollten oder gar das Schicksal ihrer zurück gebliebenen Verwandten erforschen wollten, keine Gelegenheit, dorthin zu kommen. Die politische Lage änderte sich ab Mitte der 80-ger Jahre. Erich Honecker bastelte an der Verwirklichung seines Wunschtraums, nämlich in den USA von der amerikanischen Regierung als Staatsratsvorsitzender der DDR empfangen zu werden. Auch Erich Honecker muss von dem Gedanken besessen gewesen sein, dass einem alle Wünsche erfüllt werden, wenn man nur die allmächtigen Juden als Freunde hätte und wollte über Fürsprache der Juden seinen Wunsch erfüllt sehen. Und so wurde das Verhältnis zu Israel deutlich entspannter. Israelische Juden, die ihre Jugend in Deutschland verbracht hatten, besuchten nun die DDR.

Zu ihnen gehörte auch Yaakov, der in Rostock geboren wurde und dort bis 1939 lebte. Nach der Pogromnacht wurde sein Vater in die Haftanstalt Neustrelitz verschleppt. Der 14-jährige Yaakov lief von einer Behörde zur anderen, um seinen Vater frei zu bekommen und Ausreisepapiere zu beschaffen. In einem Amt traf er auf einen gutwilligen Amtsleiter, der seinem Vater, ihm und seinen 2 Brüdern zur Ausreise verhalf. Gern hätte Yaakov auch die Ausreisepapiere für seine Mutter und seine Schwester bekommen. „Ach, das ist nicht möglich, aber Frauen und Kindern wird auch nichts passieren“. Diesen Irrtum haben Mutter und Schwester mit dem Tod in Auschwitz gebüßt.

Yaakov erzählte uns einmal, wie er in den 60-ger Jahren nach Deutschland wegen der sogenannten Wiedergutmachung kam. Er erzählte dort seine Geschichte, und die deutschen Beamten glaubten ihm nicht, dass ein 14-jähriger Junge fähig wäre, sich um solche Ausreiseangelegenheiten zu kümmern. „Ein 14-jähriger jüdischer Junge im Deutschland von 1939 hatte mehr Lebenserfahrung als heute ein Erwachsener“, hatte er geantwortet, worauf die Wiedergutmachungskommission einsah, dass die Aussagen der Wahrheit entsprechen.

Yaakov bekam nicht nur eine Einreise in die DDR, sondern es wurde ihm als Historiker auch gestattet, in Archiven zu forschen. So entdeckte er in einem Archiv in Schwerin auch die Liste auf der Mutter und Schwester zur Deportation eingetragen waren. In Rostock wurden sie noch in ganz normale Eisenbahnwagen gesetzt, in Ludwigslust dagegen in Viehwagen geladen. Wenn Yaakov davon erzählte, konnte er seine Erschütterung nicht verbergen.

Aber wie bin ich an Yaakov geraten? Ich las in der Kirchenzeitung, dass ein jüdischer Historiker in verschiedenen kirchlichen Einrichtungen Vorträge hielt. Nicht nur über seinen Lebensweg, sondern auch über das Leben in einem Kibbuz, was alle Leute sehr interessierte, denn der Begriff Kibbuz hatte etwas Magisches an sich. So machte ich mich mit meinem Mann auf den Weg nach Stralsund, was damals noch ohne Auto mit mehrmaligem Umsteigen verbunden war.
(Fortsetzung folgt)

Dienstag, 9. Dezember 2025

Vier Staaten gegen Israel

Israel darf am Eurovision Song Contest teilnehmen, aber vier Länder haben aus Protest ihre Teilnahme abgesagt. Ich möchte nicht wissen, was für Diskussionen dem voraus gegangen sind. Welche Erwägungen, welch Für und Wider, welch gegenseitige Zurechtweisungen, welche politischen Hintergründigkeiten!

Über die 4 Länder könnte man nachdenken, sie sind sehr verschieden. Auch könnte man Mutmaßungen anstellen: Spanien – lange islamisiert, überwiegend katholisch, Irland – sehr katholisch, Slowenien - dazu kann ich mir wenig vorstellen, außer dass es ein beliebtes Urlaubsland ist, Niederlande, ein protestantisch geprägtes Land, das als sehr liberal gilt. Ich sehe keinen gemeinsamen Nenner, außer dass sie alle der EU angehören.

Vielleicht ist der gemeinsame Nenner die Moral, über die sie meinen, in starkem Maße zu verfügen? Was kann daran moralisch sein, ein kleines Land zu stigmatisieren, das – gegründet durch einen UNO-Beschluss – vom ersten Tag seiner Existenz vom Vernichtungswillen der umliegenden Länder bedroht war? Dessen Bürger für gewisse Menschen zum Freiwild geworden sind, und die jederzeit eines terroristischen Anschlags gegenwärtig sein können. Sicher wird für die 4 Staaten der Israel-Gaza Krieg, nach dem 7. Oktober und auch schon zuvor, eine Begründung für das Nichterscheinen beim ESC sein. Da sollten diese Länder wissen, – wenn Israel sich nicht zu Wehr gesetzt hätte -, dass weitere Anschläge bevorgestanden hätten (der 7. 10. wird sich immer und immer wieder wiederholen, wie verkündet wurde). Gerade verkündete der Hamasführer Mashal, dass die Hamas weiterhin das Ziel habe, Israel zu vernichten. Stellen sich diese 4 Länder wirklich auf dessen Seite?

Vielleicht sind diese 4 Staaten der Meinung, dass Israel diesen Anschlag „verdient“ hätte, einfach weil es existiert. Dann läge die Vermutung Antisemitismus nicht weit.

Donnerstag, 27. November 2025

Ein Film: „Im Schatten des Orangenbaums“

Als ich den Tite dieses Films las (,https://www.israelnetz.com/der-propagandafilm-zur-palaestinensischen-nakba/) da fiel mir spontan eine Begebenheit des Sommers ein. Damals waren wir zu einem Geburtstagsfrühstück eingeladen, wo wir auf Leute trafen, die wir nicht kannten. Irgendwie fiel das Stichwort „Israel“, und schon kamen von einem Ehepaar die schlimmsten Vorurteile und Urteile über das Land. Wir hielten sehr dagegen, es kam zu keiner Verständigung. Die Gastgeberin war verlegen, und um uns „aufzuklären“ schenkte sie uns ein Büchlein einer Palästinenserin „Thymian und Steine“, in dem hauptsächlich auf Brutalität und Bosheit von Israeli und die Großherzigkeit von Palästinensern hingewiesen wird. Es scheint also so zu sein, dass mit poetisch klingenden Titeln ein idyllisches und naturverbundenes Bild der Palästinenser gezeichnet werden soll.

So auch mit dem „Schatten des Orangenbaums“. Ein Film, gedreht von einer amerikanisch-arabischen Regisseurin. Der Film handelt von mehreren Generationen einer arabischen Familie aus dem Westjordanland, die vor 1948 ein wunderbares Leben in Jaffa in einer wunderbaren Villa mit einem Orangenhain führte und dann über Jahrzehnte „Vertreibung, Gewalt und Erniedrigung“ durch Israeli erfahren hat. Fast alle Rezensenten kennzeichneten den Film mit Bezeichnungen wie: „sehr berührend“, „die palästinensische Sicht“, „bewegend“.

Interessant ist, dass der Film ausgerechnet 2023 gedreht wurde. Wegen des Massakers vom 7.10. konnte der Film nicht, wie vorgesehen, im Palästinensergebiet, in der Gegend von Jericho gedreht werden, sondern die Schauplätze wurden hauptsächlich nach Jordanien verlegt. Das heißt, die Regisseurin hat hautnah erfahren, zu welch Bestialitäten ihre palästinensischen Landsleute fähig sind. Das scheint sie nicht im Geringsten beeindruckt haben, es wurde munter weiter gedreht an dem Film, der zum Inhalt hat: brutale, machtbesessene Israeli gegen naturverbundene, menschliche Palästinenser. Schikanen von Israeli um des Schikanierens Willen. Wenn es überhaupt Gewalt von Palästinensern geben sollte, dann als Antwort auf schlimmere Gewalt.

Man sagt: „Das ist nun mal die palästinensische Sicht“. Es geht nicht um die „Sicht“, sonders es geht um die Wahrheit. In Wahrheit wurde Israel ganz nach dem Völkerrecht gegründet und hat keine Kolonisation betrieben. In Wahrheit wurde Israel sofort nach der Staatsgründung von 5 arabischen Staaten überfallen. Warum wird im Film die Wahrheit konsequent verschwiegen? Warum wird die Wahrheit umgeschrieben? Sie wird umgeschrieben, um ein unwahrhaftiges falsches Bild von der Geschichte zu schreiben. Was sich dann wieder auf die Gegenwart auswirken soll. Im Internet war zu sehen, wie höchst illustre Herrschaften (wohl aus der Filmbranche) außer sich vor Rührung über das „tiefgründige Meisterwerk“ bzw. das „emotionale Kraftpaket“ bei der Vorstellung des Films waren. Wenn genügend Menschen diese ergriffen Dastehenden und diesen Film gesehen haben, dann wissen sie genau, wie das mit der „bombenden“ Gründung Israels, d.h. der Kolonisierung des fiktiven Palästinas war. Denn ein Film ist überzeugender als die Wahrheit.

So etwas erlebte ich schon mehrmals: „Ich weiß genau, wie das war, es stand in der Zeitung!“ „Nein, das war anders, ich kann es dir beweisen“. „Das stimmt nicht, ich habe es selbst in der Zeitung gelesen“. Und so wird es mit dem Film ebenso sein. „Ich habe es selbst gesehen, wie Israel mittels Bombardierungen entstanden ist und alle Palästinenser verjagte!“

Ich halte Filme jener Art für gefährlich. Andererseits gibt so ein Film ein wenig die Vorstellung davon, warum gerade Menschen aus der Filmbranche und auch aus der universitären und journalistischen Branche sich von solchen Filmen d.h. von der Verdrehung des Wahrheit beeindrucken lassen. Sie wollen in schönen Sphären schweben, eben ´im Luftreich des Traums`, in denen sie selbst die Deutungsmacht haben und die Welt nach ihren Vorstellungen gestalten können.

Sonntag, 16. November 2025

„Überlebenskampf“ Buch von Arye Shalicar

Buch-shalicar

Den Podcast von AS, in dem Arye Shalicar minutiös über den Krieg in Israel-Gaza (und anderen Gebieten) berichtet, höre ich regelmäßig. Nun kam sein Buch über diese bewegende und hoch dramatische Zeit heraus, über das ich berichten will.

AS ist ursprünglich ein iranischer Jude, der in Deutschland, d.h. in Berlin, aufgewachsen ist, und der sich im Jahr 2002 entschlossen hat, nach Israel überzusiedeln. Dort war er lange Sprecher der israelischen Armee. Über seinen spannenden Lebenslauf, insbesondere über seine Jugend in Berlin, die von erschreckenden Erlebnissen durch Antisemitismus unter der muslimischen Jugend in Berlin geprägt war, hat er mehrere Bücher geschrieben. Da er sich in mehreren „Welten“ und Sprachen gut auskennt, da er in den verschiedensten Milieus gelebt hat, kann er sich in vieles hineinversetzen, hat eine große Menschenkenntnis und durchschaut, was Menschen zu ihm sagen. Dazu besitzt er das, was man als einen gesunden Menschenverstand bezeichnet und ist voller Empathie für sein Land Israel und seine Menschen. Die Ereignisse rund um den 7. Oktober und die Zeit danach waren für ihn eine emotionale Achterbahnfahrt und eine ständige Anspannung. Wenn man sich vorstellt, wieviel er im Land herumgefahren ist, gefährliche und anstrengende Wege zurückgelegt hat, ins Ausland reiste, um dort Vorträge über die Situation in Israel zu halten, unzählige Journalisten- und Politikergruppen führte und aufklärte, das ist unvorstellbar. Dazu wurde er oft mit den schrecklichsten Anblicken konfrontiert oder im Ausland mit anmaßenden, ignoranten und anklagenden Fragen überschüttet. Nicht zu vergessen ist das täglich Produzieren der Podcasts.

Das sehr kalkulierte „Nichtverstehen“, von Seiten der UNO, von Seiten vieler europäischen Staaten, von Politikern, Journalisten, von verschiedenen Bevölkerungsgruppen in Europa, was die furchtbare Lage Israels in diesem Krieg betrifft, bringt ihn immer wieder fast zur Verzweiflung. Dass das „Nichtverstehen“ wohl kalkuliert ist, kann man gut erkennen an dem, was in der Berichterstattung weggelassen wird. In der Regel ist es der mörderische Überfall auf Israel am 7.10., der einfach ignoriert wird. Ja, Shalicar konnte sogar Menschen direkt mit den grausamen Videos vom 7.10. konfrontieren, er konnte Journalisten in die Terrortunnel führen, er konnte dem Bundeskanzler (Scholz) eine ganze Stunde lang die Lage Israels erläutern. Sehr aufmerksam hörten sie zu, betrachteten alles mitfühlend, das Ergebnis war, dass ihre Berichte sich einfühlsam darum drehten, wie es den Menschen in Gaza ginge. Man hatte beim Lesen den Eindruck, dass viele Leute in einer totalen Amnesie sind, wenn es um Israel geht. Sie sehen mit eigenen Augen und nehmen nicht wahr. Shalicar schildert auch schöne Begegnungen, Menschen, die Verständnis und Verstehen bewiesen. Mit einigen dieser Menschen spricht er in seinem Podcast.

Warum ist das Buch so lesenswert? Es fasst noch einmal das zusammen, was in diesen dramatischen Jahren geschehen ist. Zwar hat man, nicht unbedingt durch die Nachrichten, aber durch alternative Medien die Dinge verfolgen können, aber vieles ist im Zeitablauf nicht mehr so präsent. Da er sich in Deutschland gut auskennt, ist ihm die deutsche Mentalität vertraut, und er kann durchschauen, was zu ihm gesagt wird. Der Inhalt des Buches ist eine Kombination von Wissensvermittlung über den Krieg und seine Vorgeschichte und Sichtbarmachen von Shalicar´s eigenen Gedanken und Gefühlen. Das alles kann der Leser bestens nachvollziehen, wenngleich mit Erschrecken. Erschrecken über Kaltherzigkeit, Ignoranz und Antisemitismus und ideologische und religiöse Totalität, die sich auf der Erde ausbreiten.

Freitag, 7. November 2025

Nicht aktuell - aber zeitlos (Teil 2)

Außer, dass man in dem Film die Meinungen verschiedenster Leute hört, erfährt man Näheres über die „documenta“, was man sonst nicht erfahren hätte. Die „documenta“ wäre ganz auf das Gemeinschaftliche, das Miteinander ausgerichtet. Israelische Künstler wären nicht eingeladen, dafür geht es umso mehr um palästinensische Themen. Das spricht nicht für Ausgewogenheit. Es ist davon die Rede, dass mehrere Kuratoren der „documenta“ der BDS-Bewegung nahestehen, d.h. der Bewegung, die einen wirtschaftlichen und kulturellen Boykott Israels fordert. Es läuft ein palästinensischer Film auf der „documenta“, in dem Israel als faschistischer Staat bezeichnet wird, der einen Genozid an Palästinensern verübe. Im Film wird Hass auf Israel verbreitet und Terror verherrlicht.

Ebenso gibt es eine Einzelausstellung eines Palästinensers: „Guernica-Gaza“, die aus Collagen von berühmten Kunstwerken und Kriegsbildern besteht, die kombiniert sind mit blutrünstigen Anklagen gegen Israel. Selbstverständlich ist Israel der blutrünstige Aggressor, während von den unzähligen Raketenangriffen aus Gaza auf die Bevölkerung von Israel keine Spur zu sehen ist, ebenfalls nicht von terroristischen Morden von Arabern an der israelischen Zivilbevölkerung. Wenn die „documenta“ nur einigermaßen so ausgewogen gewesen wäre, wie sie sich darstellt, müssten israelische Künstler Gelegenheit haben, ihre Bevölkerung, ausharrend in Bunkern und Schutzräumen oder die Morde an vielen Zivilisten dazustellen. Zu der Ausstellung „Guernica-Gaza“ fiel die Bemerkung: „Man muss die Herkunft des Malers verstehen“. Ebenso muss man dann aber auch verstehen, warum gerade dieser Maler und diese Ausstellung auf die „documenta“ gelangt ist.

Die Menschen, die in diesem „Aufklärungsfilm“ zu Wort kommen, kann man in drei Gruppen einteilen. Die einen distanzieren sich, erkennen das „Antisemitische“ deutlich, andere mögen keine klaren Bezüge erkennen, reden sozusagen um den heißen Brei, und die dritten leugnen alles „Antisemitische“, meinen, die Bilder stellen etwas ganz anderes dar, und wenn es trotzdem als „antisemitisch“ gesehen wird, so hätte man es nicht so gemeint. Eine kuriose Außenseiterrolle nimmt der ehemalige Finanzminister Hans Eichel ein, der nicht vom Antisemitismus redet, sondern der zweimal sagt, man müsse sich bei den Künstlern der „Ruangrupa“ entschuldigen wegen des früheren Kolonialismus. Denn die „Ruangrupa“ hätte sich wegen ihrer Darstellungen ja auch entschuldigt. Sollen sich die deutschen Ausstellungsmacher etwa für den holländischen Kolonialismus entschuldigen, oder sieht er den Kolonialismus als gesamteuropäisches Problem an, bei dem sich jeder für alles entschuldigt?

Eine Politikwissenschaftlerin namens Asseburg erklärt in wissenschaftlichem Duktus, dass Israel alle „vertriebenen“ Palästinenser incl. ihrer Nachkommen ins Land kommen lassen und sie entschädigen muss, sie stellt sich also eindeutig auf die Seite der BDS-Bewegung. Claudia Roth, Kulturstaatsministerin, gehört zu jenen, die sich winden, die Antisemitismus erkennt und ablehnt, sie gehört aber zu den wenigen Bundestagsabgeordneten, die die BDS-Bewegung nicht ablehnt.
Kurzum: wie es oft der Fall ist, sagt der Film weniger über das Thema aus, als über diejenigen, die darin mitwirken.

PS: so unaktuell ist dieser Beitrag doch nicht. Noch nicht genesen von den Aufregungen der verflossenen „dokumenta“, entlarvte sich der Geist der in einigen Jahren bevor stehenden „documenta“. Endlich hatte man eine „Findungskommission“ (also diejenigen, die über die Aussteller der „documenta“ u.a. entscheiden), zusammengestellt, die nach Ansicht der Verantwortlichen unbedenklich ist. Sogar eine israelische Künstlerin durfte diesmal mitmachen. Aber da man doch immer auf diejenigen stößt, die einem geistig nahe stehen, entpuppte sich ein Mitglied der „Findungskommission“ als ein notorischer Judenhasser. Der ist inzwischen zurück getreten.

Hiermit ist wieder einmal der Beweis erbracht, dass all die emotionalen und intellektuellen Aufwallungen, die angeblich der Gaza-Krieg hervor gebracht hat, schon immer da waren.

Sonntag, 2. November 2025

Nicht aktuell - aber zeitlos (Teil 1)

Einige Zeit nach der ominösen Kunstausstellung „documenta 2022“ sah ich einen Film im Fernsehen, der die Ereignisse rund um den damaligen „Antisemitismusskandal“ aufarbeitete. Mir war während der "documenta" aufgefallen, dass ich, obwohl schon einige Jahrzehnte Radiohörerin, noch nie so viel an Berichterstattung über die „documenta“ erlebt habe. Normalerweise wird so nebenbei in Kultursendungen über die bekannte Kunstausstellung, berichtet. Ansonsten interessiert sie die ganz breite Öffentlichkeit nicht besonders. Aber im Jahr 2022 gab es den so genannten Antisemitismusskandal während der Ausstellung, und schon konnte man sich vor Medienberichten nicht retten. Das muss doch daran liegen, dass das Thema Antisemitismus die Herzen und Köpfe der Menschen sehr in Aufregung bringt.

Schwierig ist die Angelegenheit: So richtig klar definiert ist Antisemitismus nicht. Dafür aber hat sich rund um den Begriff Antisemitismus eine regelrechte Sprach- und Gedankenwelt gebildet. Fast kann man sagen: Antisemitismus ist in aller Munde. Aber nein – das ist er nicht, er ist im Munde der Medienschaffenden und der Politiker, die sich des Antisemitismus so annehmen, dass der normale Bürger schon vor diesem Begriff die Nase voll hat. Das ist kein Zufall, sondern es ist gesellschaftlich gewollt: Der Medienkonsument soll zu der Annahme gelangen, dass die Juden überall stören, sich einmischen und überall Antisemitismus wittern. Das Allgegenwärtigsein von „Antisemitismus“ soll Überdruss produzieren. Diese Annahme kommt in dem Film deutlich zum Ausdruck, als der Journalist Joseph Croituru, der die Position der indonesischen Künstlergruppe vertritt, sagt: „Antisemitismus wird überall gesucht´“

So funktioniert der Mechanismus: Antisemitisches geschieht in Taten, Worten oder Bildern. Man erkennt Antisemitismus, macht darauf aufmerksam oder protestiert, und schon ist der Beweis erbracht, dass Antisemitismus ´benutzt` oder sogar ´ausgenutzt` wird. Den Ausdruck „Antisemitismuskeule“ habe ich schon gelesen.

Der „Aufklärungsfilm“ folgt dem bekannten Muster, das oft zu erleben ist: Man stellt bei der Bewertung einer Sache gleichwertig alles in eine Reihe: `Gut und Böse`, ` Wahrheit und Lüge`, `Aufklärung und Demagogie`. Man gibt sich scheinbar neutral; der Zuschauer soll sich „seine eigene Meinung bilden“, ungeachtet dessen, dass schon die Dramaturgie und die Auswahl der Befragten des Filmes für sich spricht.

In diesem Film, in dem die Geschehnisse auf der „documenta“ rekapituliert und kommentiert werden, kommen verschiedene mehr oder weniger bekannte Menschen zu Wort. Sie haben verschiedene, oft konträre Meinungen und Ansichten, so dass der Film scheinbar neutral Zeugnis gibt. Sieht man genauer hin, so entdeckt man aber, dass manche der Aussagen nicht hinterfragt werden, dass einiges, was Tatsache ist, nur als Möglichkeit hingestellt wird. Das Monumentalbild der Gruppe Taring Padi wird als „judenfeindlich ablesbar“ bezeichnet. In Wirklichkeit ist es in der Darstellung einiger Figuren durchaus judenfeindlich, was die schließliche Entfernung des Kunstwerks vom Ausstellungsgelände bezeugt.

Man sagt, dass in Wirklichkeit mit dem Monumentalgemälde auf die Militärdiktatur in Indonesien hingedeutet werden soll. Der arglose Zuschauer fragt sich, ob in der Militärdiktatur Indonesiens Soldaten der israelischen Armee mit Davidstern und Schweinegesicht oder ein israelischer „Kapitalist“ mit Raffzähnen und SS-Runen auf dem Hut eine Rolle gespielt haben. Es kam einmal von der ausstellenden Gruppe zur Sprache, man habe eingesehen, dass man in Deutschland viel sensibler mit solchen Darstellungen umgehen muss. Da fragt man sich, ob man in anderen Ländern unbefangener mit Darstellungen jener Art umgehen kann, da diese Länder keinen Holocaust begangen haben? Man fragt sich, was Israel denn Schlimmes in Indonesien verbrochen hat- der Davidstern ist ja nicht aus Versehen auf das Bild gekommen. Auch die SS-Runen auf den Hut des „Kapitalisten“, dem noch so was wie Schläfenlocken am Gesicht hängen, hat jemand bewusst gemalt. Soll man daraus ablesen, dass Juden mit SS-Leuten gleich zu setzen sind? Auch wenn es nur zwei Gesichter in dem großen Wimmelbild sind, sie sind vorhanden, und derjenige, der sie malte, hat sich etwas dabei gedacht. (Fortsetzung folgt)

Montag, 27. Oktober 2025

Die „israelkritische“ Einstellung hat es schon immer gegeben, sie wurde durch den Gaza-Krieg nur verstärkt

In den Jahren seit dem 7. Oktober konnte man sinngemäß öfter hören: „….bis jetzt war ich wirklich ein Freund Israels, aber nun, durch den Gaza Krieg habe ich erkannt, wie schlimm, genozidal Israel ist …..“ Das ist natürlich Unsinn, denn all die Argumente, Verurteilungen, die man heute hört, sind schon seit Jahrzehnten im Umlauf. Immer wieder bin ich verblüfft, wenn mir ein altes Schriftstück in die Hände fällt, und ich sehe, wie schon vor Jahren mit fast identischer Wortwahl Israel bedacht wurde. So fiel mir ein Exemplar der Zeitschrift „junge Kirche“ aus dem Jahr 2014 in die Hand. Es beinhaltete ein 12 Seiten starkes Forum darüber, ob man jüdische Siedlungen im Westjordanland boykottieren solle oder nicht und über die so genannte BDS-Kampagne.

Das Forum fing mit zwei expressionistischen Bildern von Jörg Schuldhess an. Einem bereits verstorbenen Schweizer Maler, der (wahrscheinlich) zum Judentum konvertierte, um dann später ein großer Israelkritiker zu werden. (Diese Variante ist nicht ganz einzigartig). Gezeigt wurde sein Gemälde „die Brüder“, Opfer von Shoa und Nakba, die sich sehr ähnlich seien. Wenn man sich in aller Konsequenz durchdenkt, was das bedeuten sollte, muss man schockiert sein. Auch wenn viele Palästinenser in Lagern (bei ihren arabischen Brüdern) leben, so ist ein Lager etwas anderes als eine Gaskammer, und was den Juden im Holocaust angetan wurde, ist nicht im Geringsten mit dem Schicksal von Palästinensern gleichzustellen.

Dann folgt ein 4-seitiges Interview mit dem inzwischen auch verstorbenen jüdischen „Befreiungstheologen“ Marc Ellis. Die Interviewerin ist zwar nicht für die Ansichten des „Befreiungstheologen“ verantwortlich, aber Sie stellt im Interview keine kritischen Nachfragen und lässt vieles, was horrender Unsinn ist, unwidersprochen. Schon die Einteilung der Bewohner Israels bzw. der Juden in die gewissenstreuen und die konstantinischen Juden ist eine klare schwarz-weiß Zeichnung oder auch eine Einteilung in gute und böse Juden. Auch heute gängige Unterstellungen finden sich dabei: wer die amerikanische oder israelische Außenpolitik kritisiert, werde als antijüdisch bezeichnet, der Holocaust werde "benutzt". Die Vorstellung, dass der Bund Gottes die Juden verlassen und sich den Palästinensern zugewandt habe, ist schon starker Tobak. Ich kann mir nicht vorstellen, wie das theologisch zu rechtfertigen ist. Warum sollte der Bund gerade in den Palästinensern leben? Da gäbe es genug Unrecht anzumerken, und sei es das Unrecht, das sie sich untereinander antun. (Zivilisten als menschliche Schutzschilde, öffentliche Hinrichtungen, Kinder militarisieren). Ganz zu schweigen von ihrem Mitwirken beim 7.Oktober, ihren Selbstmordattentaten, ihrer Verherrlichung des Todes.

Kurzum: Weite Teile der evangelischen Kirche fühlen sich sehr hingezogen zur Ideologie der Vernichtung und des Mordens. Es kann geschehen, was will, sie halten daran fest. Sie sind bereit, das zu opfern, was man als ihre Wurzeln bezeichnet und sich denen hinzuwenden, die jene Wurzeln vernichten wollen. Warum? Es ist nicht zu ergründen, vielleicht wirken die Auswüchse der Inquisition noch nach, vielleicht Luthers Traktat ´Von den Juden und ihren Lügen`. Vielleicht sogar der berüchtigte Vers Johannes 8.44 .

Im Luftreich des Traums

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