Dienstag, 28. April 2026

Im Sudetenland (Teil 2)

Wie aussagekräftig der geschilderte kurze Dialog war, bestätigte sich bei einer Reise ins Sudetenland. Nicht 1946, sondern 1938 fing dort Terror an, und von diesem Terror musste jeder etwas mitbekommen haben. Beim Besuch der neu restaurierten Synagoge in dem malerischen Städtchen Uštěk entdeckten wir eine Ausstellung mit 9 großen Schautafeln über die Geschichte von Synagogen dieser Gegend. Der „Anschluss“ (des Sudetenlandes an Deutschland) war 1938 gerade „rechtzeitig“ erfolgt, so dass das Wüten der so genannten Reichsprogromnacht noch voll zum Zuge kommen konnte unter eifriger Mitwirkung der heimischen, deutschen Bevölkerung. Die Synagogen der Sudetengebiete konnten noch demoliert, zerstört und verbrannt, werden.

Liberec

Das war auf den Schautafeln gut dargestellt: die Synagogen, wie sie vor der Besatzung aussahen, Fotos von den brennenden Sanagogen, Darstellungen von den Ruinen und vom späteren Anbringen von Gedenktafeln. Auch über die Geschichten der jüdischen Gemeinden, die dort bis zu 600 Jahre lang ansässig waren, wurde berichtet. Die meisten Synagogen verfielen und wurden später abgerissen. Im Kommunismus kümmerte man sich nicht so sehr um die Schatten der Vergangenheit. Nach 1989 setzte auch in Tschechien ein eifriges Forschen in der ca. 50 Jahre zurück liegenden Vergangenheit ein. Man versuchte wenigstens, durch Forschung und Veröffentlichungen, neue Gedenktafeln oder Einladung von Nachkommen der Ermordeten der Geschichte gerecht zu werden.

Von den 9 zerstörten Synagogen auf den Tafeln ist eine Synagoge, in Liberec, nach 2000 ganz neu gebaut worden, und hier, in Uštěk wurde die zerstörte Synagoge restauriert, und sie wird als eine Art Museum und für Lehrveranstaltungen genutzt.

Syn-Ust-
rekonstruierte Synagoge in Uštěk von hinten

Um noch einmal auf meine eingangs beschriebene Unterhaltung zurückzukommen: Die Tafeln belegen, wie immens und wie unbeschreiblich die Gräuel waren, mit denen die deutschen „Herrenmenschen“ ihre Macht ausübten, so dass auch im Sudetenland jeder davon etwas mitbekam. Dass das junge deutsche Mädchen über ihre Vertreibung empört und verbittert war, kann man gut verstehen, aber dass sie 50 Jahre später, wo sie genau wusste, was geschehen war, immer noch die gleiche Empörung empfand, dafür habe ich kein Verständnis. (Ende)

Mittwoch, 22. April 2026

Im Sudetenland (Teil 1)

Die Sudeten sind die Gebirgszüge im Norden von Tschechien, die die Grenze zu Deutschland und Polen bilden. Die Geschichte des Sudetenlandes ist wechselvoll, Deutsche hatten sich im Laufe von Jahrhunderten dort angesiedelt, sie bildeten inzwischen teilweise die Mehrheit der Bevölkerung und hatten ihre eigene Kultur entwickelt. Das bis dahin einigermaßen friedliche Zusammenleben von Deutschen und Tschechen wurde jäh zerstört, als Hitler 1938 das Sudetengebiet für Deutschland annektierte und ein halbes Jahr später die übrigen Teile von Böhmen und Mähren als Protektorat an Deutschland anschloss. Wie die Deutschen wüteten, in den 7 Jahren in denen sie dort als Herrscher agierten, weiß man aus der Geschichte. Hinrichtungen, Morde, Verschleppungen, Enteignung, Demütigung, Vertreibungen und Vernichtung des größten Teils der Juden, die dort seit Jahrhunderten lebten. Die Tschechen hielten nach Ende des Krieges ein Zusammenleben mit den Deutschen nicht mehr für möglich, und so wurden die ansässigen Deutschen gnadenlos aus dem Land gejagt, getreu dem Motto: „Heim ins Reich“, mit dem sie selbst einst den Anschluss an Deutschland gefordert hatten.

Milles

Nun war eine meiner guten Bekannten eine dieser aus dem Sudetenland Vertriebenen. Eine wirklich liebe Frau. Die Vertreibung war ihr Trauma, auf das sie bei Unterhaltungen nach einer gewissen Zeit immer wieder zurückkam. Wir ließen sie gern erzählen, denn ihre Erinnerungen interessierten uns. So saßen wir eines Tages zusammen, und sie kam dann wieder auf das Thema. Sie wollte sich besonders gewählt ausdrücken, und so sagte sie: „Im Jahr 1946, da war der Augenblick, wo ich erkennen musste, dass es nicht nur gute Menschen auf der Welt gibt“. Das versetzte mich so in Empörung, dass ich nicht an mich halten konnte und zu ihr sagte: „Wissen sie nicht, dass unzählige Menschen nur wenige Jahre zuvor erkennen mussten, was es für schlimme Menschen gibt?“ Mir tat es leid, so reden zu müssen, und ich bemerkte die Verlegenheit, die darauf eintrat. Wir beendeten schnell den Abend, da es schon spät war.
Trotzdem kann und konnte ich nie verstehen, dass Menschen es verstehen, alles auszublenden, was nicht in ihr Weltbild passt.
(Fortsetzung folgt)

Freitag, 10. April 2026

„Großer Hass auf den jüdischen Staat“,

so war der Titel eines Vortrags von Gunnar Schupelius im jüdischen Gemeindehaus Berlin. Gunnar Schupelius ist Journalist und Kolumnist und schreibt für die „Welt“ und diverse andere Zeitungen. Seine Aufmerksamkeit war auf das Phänomen gerichtet, warum sich linke Gruppen und moslemische Gruppen in ihrer Ablehnung von Juden und von Israel zusammenschließen. Denn von ihren Grundvorstellungen sind diese beiden Strömungen doch grundverschieden.

schupp

Schupelius war sogar ein „Insider“, denn er war in seiner Jugend Mitglied der „Grünen Partei“ gewesen (wobei natürlich ein großer Unterschied zwischen „Grünen“ und „Linken“ besteht, aber in der judenfeindlichen Haltung bestehen Parallelen). Er war in den 90-ger Jahren aus der Partei ausgetreten, weil ihm deren Haltung zu Israel und auch zur deutschen Wiedervereinigung nicht behagte. Die Entwicklung der linken Kräfte in der Bundesrepublik hat er hautnah miterleben können. Er meinte, dass es vor 1968 noch viel Verantwortungsgefühl für Israel in Deutschland gab, das aber nach dem 6-Tagekrieg und besonders nach 1968 rapide abnahm. Für die linken „Revolutionäre“ war Israel ein beliebiges imperialistisches Land und ein postkolonialer Vorposten der USA. Ein Gipfelpunkt der linken Judenfeindschaft in frühen Jahren war der (zum Glück misslungene) Anschlag 1969 auf das jüdische Gemeindehaus Berlin (in dem sich Zuhörende und Redner gerade befanden). Die Bombe hätte bei einer Explosion immensen Schaden angerichtet. Auf die Frage, warum „die Linken“ doch immer behaupten, sie hätten nichts gegen Juden, sondern nur etwas gegen den „imperialistischen Staat Israel“, kam die Antwort, dass sie durchaus etwas gegen Juden haben, denn die jüdischen Gemeinden wären Vorposten des Staates Israel.

Aus der kleinen Minderheit der linken Judenfeinde wurde mit der Zeit eine große Zahl, vor allem, da sie in Berufe drängten, in denen sie Multiplikatoren waren und andere Menschen beeinflussen konnten. Nachdem hier die Zahl der Arbeitskräfte, Einwanderer, Asylanten aus muslimischen Ländern, die traditionell die Juden ablehnen, sehr in die Höhe gestiegen war, erkannten linke Kräfte, dass die Gemeinsamkeit im Hass gegen den jüdischen Staat ein großes Potential ergab. Das betrifft auch einfach die Anzahl der Wähler. So haben sich die Linken sehr für die Herabsetzung des Alters für die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus auf 16 Jahre eingesetzt und auch erreicht, einfach wegen der großen Zahl von muslimischen Jugendlichen in Berlin. Ebenso wird die Einbürgerung sehr forciert. Da treffen die Interessen der verschiedenen Gruppen aufeinander. Praktisches Ergebnis ist z.B., dass in Berlin ein „Tag gegen Islamfeindlichkeit“ eingeführt wurde. Auch haben die „Linken“ begonnen, Wahlplakate in arabischer Sprache zu drucken. Schupelius meinte, dass der Schulterschluss von der „Linken“ und Muslimen aus Kalkül stattfindet.

Eine zentrale Rolle in der Zusammenarbeit beider Gruppen ist der „Al Quds-Tag“, an dem man antiisraelische und auch antisemitische Parolen offen und unverschleiert auf Plakaten lesen und in Sprechchören hören kann.

Dem Vortrag folgte eine lebhafte Fragestunde. Über unseren Bundespräsidenten schien die gleiche Meinung zu herrschen, wie in meinem Eintrag vom 26.3.26. Über das „Zentrum für Antisemitismusforschung“ fiel die Bemerkung, dass man es auch „Zentrum für Antisemitismusförderung“ nenne. Aber das nur nebenbei. Insgesamt war die Stimmung im Publikum und auch beim Vortragenden eher pessimistisch, was die Ausbreitung des Antisemitismus betrifft. Man war sich aber einig, sich in seinem Bemühen dagegen, nicht entmutigen zu lassen und sich in seinen Bemühungen zu unterstützen.

Donnerstag, 2. April 2026

Zwei Demonstrationen

Demo1

Eine Schreiben mit einer Bitte flatterte ins Haus. In Berlin auf dem Platz vor der Volksbühne wird im Kino Babylon die „UN-Sonderberichterstatterin“ Franceska Albanese auftreten. Die Bitte war, dass man dagegen Einspruch erheben soll. Franceska Albanese ist bekannt und berüchtigt für ihr leidenschaftliches, man kann auch sagen antisemitisches Auftreten gegen Israel, wobei sie gern Lügen mit Halbwahrheiten vermischt. Wer einmal einen Auftritt von ihr verfolgt hat, kann sich ein Bild über die UNO und deren Verhältnis zu Israel machen. Weil sie diese „Berichterstatterin“ im Amt lässt und nicht abberuft und ihre Auftritte wahrscheinlich fördert.

So kam ich am 30.3. auf den Rosa Luxemburg Platz zur Demo gegen den Auftritt von Franceska Albanese. Eine mittelgroße Menschenmenge (ca. 150 Personen) empfing mich: Israelfahnen und (Alt)-Iranische Fahnen wehten, Spruchbänder, Plakate. Da entdeckte ich vor dem Kino Babylon zwei weitere Demonstrationen. Die bestanden etwa aus je etwa 50 Menschen. Getrennt waren sie durch eine unbewegliche und standfeste Gruppe von Polizisten. Die Demonstrationen kann man als „pro-palästinensisch“ und „pro-israelisch“ bezeichnen. Beide standen wirklich unmittelbar beieinander, so dass es eine Weile dauerte, bis man die Situation begriff. Die „pro-Palästinensischen“ Teilnehmer waren ungleich lauter und aggressiver. Sie führten Plakate mit sich, auf denen viel von „Genozid“ zu lesen war und herbeiphantasierte Zahlen von Toten im Gaza-Krieg. So wie es ihr Idol Franceska Albanese auch zu tun pflegt. Besonders auffällig war eine Frau, europäisch wirkend, englisch sprechend, die sich mit schnellen Schritten (so dass man den Eindruck hatte, sie wäre allgegenwärtig) durch ihre Demo-Gruppe bewegte, ständig laut und schreiend jeden, der sie anschaute, mit einem Schwall von Worten bedachte. Ein junger Mann marschierte mit einem Ali Khamenei Portrait umher.

Chamenei

Der andere Teil der Demo war bedeutend ruhiger und zivilisierter. Sie hielten ihre Plakate und Israelfahnen hoch und parierten manchmal die Sprechchöre der „Palis“ (die schon von weitem an ihren Kufiyas zu identifizieren waren). Auf der anderen Seite der Straße befand sich der größere Teil der „pro-Israel“-Demonstranten. Da gab es ein Mikrofon, verschiedene Redner traten auf. Zuerst der Antisemitismusbeauftragte der jüdischen Gemeinde Berlins, Herr Koenigsberg, der über verschiedene Entgleisungen von F.A. sprach, z.B., dass sie Israel als Feind der Menschheit bezeichnet hat. Verschiedene Frauen sprachen ins Mikrofon, man konnte allem gut zuhören und mitdenken (im Gegensatz zum sinnlosen Geschrei der „Pali“-Gruppe.

Die bekannte Karoline Preisler trat nicht auf (oder erst sehr spät, als ich nicht mehr da war), sie befand sich nämlich in der „Höhle des Löwen“, direkt im Saal des Auftritts von F.A. Darüber gibt es einen lesenswerten Bericht in der „jüdischen Allgemeinen“, dem zu entnehmen ist, dass es drinnen im Kinosaal bei F.A. noch bedeutend turbulenter zuging, als auf dem Vorplatz.

Thank-IDF

Donnerstag, 26. März 2026

Er zeigt sein wahres Gesicht

Bundespräsident FWS Steinmeier hatte den von Israel und den USA begonnenen Iran-Krieg kritisiert. Es sei »ein politisch verhängnisvoller Fehler«, sagte der Bundespräsident. Weiter sagte er: „Der Iran-Krieg sei »nach meinem Dafürhalten völkerrechtswidrig«.“

Es geht nicht um das Völkerrecht. Es geht um Bundespräsident Steinmeier. Es geht um seine Haltung zum Iran, um seine Haltung zu einem Staat bzw. seinen obersten Repräsentanten, die geschworen haben, den Staat Israel zu vernichten. Steinmeier hat in den vergangenen Jahren immer wieder eine große Vorliebe zu denen gezeigt, die Israel vernichten wollen. Bekannt sind seine Taten: Die jährliche Gratulation an die verbrecherischen Mullahs zum Jahrestag der Revolution, einer Revolution, die unzählige Tote hervorgebracht hat, die Frauen zu Sklavinnen machen will, die das iranische Volk ins Elend gestürzt hat. Es geht um Kranz und Verbeugung am Grab von Arafat, einem Menschen, der für unzählige tote Juden verantwortlich ist. Es geht um das fragwürdige Atomabkommen mit dem Iran, das mit dem danach eingesetzten Geldfluss die Bewaffnung von Hamas und Hisbollah möglich gemacht, dem iranischen Volk aber keinen Wohlstand gebracht haben, und das er als damaliger deutscher Außenminister mit zu verantworten hatte. Und hat er im Iran je nachgefragt, warum in Teheran auf dem „Palästina Platz“ eine Uhr steht, die die Stunden anzeigt, bis Israel zerstört sein soll? Wo ist da das Völkerrecht?

Es geht aber auch um sein Schweigen zu all den Untaten des Iran, die auch durch Wegschauen und Zulassen möglich waren. Wenn man all das im Zusammenhang sieht, dann muss man zu dem Schluss kommen, dass Bundespräsident Steinmeier eine Zuneigung zu Menschen und Staaten hat, die die erklärten Feinde Israels, aber auch der Juden in aller Welt sind.

Dazu muss man bedenken, dass das Volk, welches der Bundespräsident repräsentiert, viele Millionen Juden auf bestialische Weise umgebracht hat, dass viele Nachkommen der umgebrachten Juden nun in dem Staat leben, den die von ihm geehrten Mullahs auslöschen wollen. Wenn es ihm um das Völkerrecht geht, dann sollte ihm bewusst sein, dass die Menschen in Israel eine andere Einstellung zu denjenigen haben, die ihre Vernichtung androhen. Sie haben es schon einmal erlebt. Wenn Herr Steinmeier der Repräsentant aller Deutschen sein will, dann muss ihm die Rolle der Deutschen in der Geschichte bewusst sein. Oder er sollte sich ins Private zurückziehen, wenn er seine Rolle als „Ewiggestriger“ ausleben möchte.

Es genügt nicht, mit versteinertem Gesicht zu sagen: „Antisemitismus hat in unserem Land keinen Platz“.

Donnerstag, 19. März 2026

Hörermeinungen

Im Deutschlandfunk war vor längerer Zeit – es war in den Tagen des Gaza-Krieges - eine Diskussionssendung zu hören. Zu Anfang kamen Hörer zu Wort, die ihre Meinung zu dem Krieg äußerten. Von 11 Hörern äußerten nur zwei die Ansicht, dass Hamas der Aggressor ist, wogegen 9 Hörer eine vernichtende Meinung zu Israel hatten. Es waren Meinungen, die einen schaudern lassen, wenn man sich vorstellt, dass diese Leute über Macht verfügen würden und ihre Meinung über die Existenz Israel wahr werden lassen könnten.

Israel wäre der Aggressor und könne nur durch Gnaden des Amis so handeln, und es müsse sich auf die Grenzen von 1948 zurückziehen. (Da fragt man sich, wer die Grenzen von 1948 nicht anerkannt hat). Waffenlieferungen an Israel wurden kategorisch abgelehnt. Netanjahu war natürlich der Bösewicht, der unter dem Druck von rechtsextremen Ministern stünde. (sind es die „rechtsextremen Minister“ oder ist es die Antwort auf den barbarischen Überfall und die Situation der Geiseln, die Netanjahu zum Handeln zwingen?) Empörung gab es, dass Deutschland im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern noch keinen Staat Palästina anerkannt hat. (Wo bleibt der Hinweis, dass die Araber einen solchen Staat immer wieder abgelehnt haben, von 1948 an und wo bleibt das „dreifache Nein“ von Khartum von 1967?)

Die Höreraussagen waren erschreckend, aber nicht verwunderlich. Sie strotzten vor Selbstgerechtigkeit. Sie stellten Israel und die Hamas auf eine Stufe. Sie verschwendeten nicht einen Gedanken daran, wie es ist, in einem Land zu leben, das ständig von Vernichtung bedroht ist. Dessen Einwohner täglich mit Mord und Terror konfrontiert sind.

Ja, ich hörte schon ab und zu die Meinung, dass ein Land, das rundherum (und nicht nur rundherum) so viele Feinde hat, irgendwie selbst daran schuld sein müsse und dass es eine Ursache für diese Feindschaft geben müsse, die in Israel läge. Darauf kann man nur mit einer Frage antworten: was war die Ursache, und woran hatten die Juden Schuld, dass die Deutschen 6 Millionen von ihnen umgebracht haben?

Der Deutschlandfunk hat seinem Namen wieder alle Ehre gemacht. Ständig auf politische Korrektheit bedacht, was aber nicht immer funktioniert, versteckte er sich hinter seinen Hörern und sendete seine Botschaft vom „Unrechtsstaat Israel“ in die Welt hinaus.

Mittwoch, 11. März 2026

Noch einmal „Stolpersteine“

Ich schrieb schon einmal meine Gedanken über die Stolpersteine, die hier und da vor Häusern im Inland, aber auch im Ausland verlegt sind. Vor Kurzem bekam ich eine Einladung zu einer „Stolpersteinverlegung“ in der Schönhauser Allee in Berlin. An einem Sonntag Vormittag waren vor dem Haus, aus dem 1942/43 fünf Juden deportiert worden sind, etwa 20 Personen versammelt. Der Meister, Gunter Demnig, höchstpersönlich war angereist, samt seinem Hut. Er hatte einen Gehilfen, der ihm Handreichungen machte. Fünf goldene Messingsteine lagen bereit. Pflastersteine wurden herausgenommen, darunter wurden 2 Vertiefungen gemacht, eine für 3 Steine, eine für 2 Steine. Dann wurden die Messingsteine eingesetzt, mit Erde und kleinen Steinen festgesteckt. Das Ganze dann festgeklopft und mit Reinigungsmittel übergeputzt. Während der Arbeit und am Schluss der Versammlung war ein Saxophonspieler zu hören. Nun dankte die Initiatorin den Verlegern, hielt eine kleine Rede an die Anwesenden und verlas die Lebensläufe derjenigen, für die die Stolpersteine gelegt waren. Ein Zahnarzt war dabei, der ab 1933 nur noch Juden behandeln und sich nicht mehr Zahnarzt nennen durfte. Zwei Schwägerinnen, die nach dem Tod des einen Ehemannes zusammengezogen waren. Und noch ein Ehepaar.

Meister-mit-Hut

Der Initiatorin sah man ihre Ernsthaftigkeit und auch ihre Aufregung an. Die Stimmung war verhalten und nachdenklich. Wie immer bei solchen Gelegenheiten bemerke ich, wie rundherum der Verkehr fließt, die normale Straßengeschäftigkeit, und wie es eigentlich nur sehr wenige Leute sind, die am Gedenken teilnehmen. Was auch immer ihre Beweggründe sein mögen. Beurteilen kann man die Teilnehmer sowohl am Stolpersteinlegen oder an Gedenkveranstaltungen erst, wenn sie sich zum aktuellen Geschehen zu Israel und zu der Situation der Juden heutzutage äußern.

Rosen-Stst

Samstag, 7. März 2026

Anonyme Briefe mit verschiedenen Ursachen

Mir wurde ein Buch in die Hand gedrückt: „ich glaube, das ist was für dich“. Es heißt „Die Postkarte“, ist lebendig geschrieben und handelt davon, wie eine junge Frau in Frankreich die Geschichte ihrer Urgroßeltern und Großtante und Großonkel nachspürt, die im Holocaust ermordet wurden. Sehr akribisch forscht sie in Gemeindeämtern, bei alten Leuten, die im Dorf ihrer Großeltern noch leben, in Briefen. Sie kann das Leben und Sterben ihrer Vorfahren so gut es geht, rekonstruieren. Der Ausgangspunkt der Nachforschungen ist eine Postkarte, die anonym bei ihrer Mutter auftauchte und auf der einzig und allein die Vornamen der vier ermordeten Vorfahren geschrieben standen. Das Buch nimmt manchmal kriminalistische Züge an, und die Auflösung des Rätsels ist erstaunlich, aber auch nachvollziehbar. Die einzige Überlebende der Familie, nachdem sie alt geworden war und an Demenz litt, hatte die Namen ihrer Eltern und Geschwister auf diese Postkarte geschrieben aus Angst, sie könne die Namen vergessen und hatte auch darum gebeten, diese Postkarte einzuwerfen und an die Angehörigen zu schicken.

Mir fiel eine Begebenheit ein, die vielleicht nicht dazu passt, aber sie spielt in derselben Zeit, hat wohl auch mit dem Krieg zu tun, handelt auch von einer anonymen Postkarte und ist gleich geheimnisvoll. Anfang der 60-ger Jahre verschwand der Opa meiner Schulfreundin spurlos. Er hatte vor, in den Garten zu gehen, kam da aber niemals an. Man fand keine Spuren von ihm, natürlich auch keinen Leichnam. Ich habe manchmal darüber nachgedacht, was da wohl geschehen sein könnte. Erst als ich erwachsen war, fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Ach, das war ja in gewissem Sinne noch Nachkriegszeit, das hatte sicher etwas mit dem Krieg zu tun. Als wir schon viel älter waren, fragte ich meine Freundin nach ihrem Opa, und sie bestätigte, dass sie nie das Geringste wieder von ihm gehört hatten. Aber eine Sache war komisch: Bald nachdem der Opa verschwunden war, bekam die Familie eine anonyme Karte in einem Umschlag. Kein Absender, nichts Schriftliches. Auf der Karte war ein Foto, wie Hitler einst diese Stadt besuchte (worauf manche Einwohner noch Jahrzehnte später stolz waren), und wie Opa in der vordersten Reihe stand und den Hitlergruß machte.

Das Rätsel des Verschwindens ist nie gelöst worden, es findet auch auch niemand, der recherchiert. Doch man kann sagen, dass in der Vergangenheit Geheimnisvolles und Rätselhaftes schlummert, das- sofern man es aufspürt -, viel zum Verständnis auch der heutigen Zeit beitragen kann.

Im Luftreich des Traums

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