"Weltgebetstag der Frauen" , oder: Wo war Machsom Watch am 7. Oktober?

Im Vorbereitungsheft auf den Weltgebetstag der Frauen 2024 (Frauen aus Palästina) werden verschiedene Aspekte des Lebens christlicher palästinensischer Frauen aufgezeigt. Eine Seite des Heftes ist dem Projekt Machsom Watch gewidmet, das sind israelische Frauen, die die Grenzübergänge zwischen Israel und palästinensischen Gebieten überwachen, um „Menschenrechtsverletzungen“ israelischer Grenzposten gegenüber Einwohnern von palästinensischen Gebieten zu dokumentieren. Wenn man sich das Vorbereitungsheft zum Weltgebetstag anschaut, dann kann man feststellen, dass das, was an der Grenze u Gaza am 7. Oktober geschah, Machsom Watch nicht als Menschenrechtsverletzung dokumentiert hat. Ein unbeschriebener „unfassbarer, grausamer“ Terroranschlag wurde im Heft erwähnt, während die so genannten „Menschenrechtsverletzungen“ von Israelis, zum Beispiel Tippfehler im Computer der israelischen Grenzsoldaten, ausführlich beschrieben werden.

Der noch andauernde Militäreinsatz Israels wird in dem Heft mit dem „unfassbar grausamen Terroranschlag“ auf eine Stufe gestellt. Nicht erwähnt dagegen werden die vielen Geiseln, die weiterhin in Hamas-Tunneln leiden, darunter sind kleinste Kinder. Lieber nicht beschrieben wird, was die Hamas mit Israelis (und auch anderen Volksangehörigen) angestellt hat: Verbrennen von Menschen bei lebendigem Leib, Köpfen von Babys, Verbrennen von Babys in Backöfen, Vergewaltigungen, Abschneiden von Gliedern und Genitalien, teilweise vor den Augen ihrer Angehörigen. Die Tatsache, dass im Vorbereitungsheft zum Weltgebetstag etwaige Schikanen von israelischen Grenzbeamten ausgiebig Beachtung finden, was am 7. Oktober in Israel begangen wurde, wie nebenbei und marginal erwähnt wird, kann ich nur so interpretieren, dass Juden für „Weltgebetstag“ keine Menschen sind, nicht der Erwähnung wert. Machsom Watch hat am 7. Oktober versagt, wird aber sein Versagen in Zukunft durch „höhere persönliche Risiken“ wieder gut machen, in dem es auf die Juden weiter aufpasst. (S.24)

Das Heft wurde größtenteils vor dem 7. Oktober verfasst, danach wurde es korrigiert. Gar nicht wissen möchte ich, was zuvor im Heft stand. Das Titelbild, mit der Frau mit dem Schlüssel, gezeichnet von einer Frau, die in einer Gruppe arbeitet, die für ausgesprochen antisemitische Karikaturen bekannt ist - man kann sie im Internet betrachten -, spricht für sich. Aber erwähnt wird im Heft weder vor noch nach dem 7. Oktober: ständiger Raketenbeschuss aus Gaza auf Israel, ständig wiederholte Terroranschläge innerhalb Israels. Das kann ich ebenfalls nur so interpretieren, dass diese Dinge für den Weltgebetstag keine Rolle spielen, weil sie ja Juden angetan werden.

Im Heft ist viel von Liebe und Frieden die Rede. Dagegen nicht von Wahrheit und Wahrhaftigkeit, die vollkommen zu vermissen sind. Ein falsches, verschwommenes und unvollständiges Bild zu zeichnen ist auch eine Lüge! So ist mehrmals von „Nakba“ die Rede. Die Sprecherin im Heft erzählt von schwerem Beschuss und Bombardierung in ihrer Kindheit (im Unabhängigkeitskrieg), was die Vorstellung hervorruft, dass Juden aus reiner Bosheit Araber bombardierten. Jeder, der die Geschichte nur ein wenig kennt, weiß, dass der auf UNO-Beschluss neu gegründete Staat Israel am Tag nach seiner Gründung von fünf arabischen Armeen angegriffen wurde und sich seiner bloßen Existenz wehrte. Warum wird diese Tatsache nicht benannt? Auf Seite 19 ist zu lesen, dass die Staatsgründung Israels für Palästinenser Vertreibung und Verlust von Heimat brachte. Hat die UNO den Arabern nicht etwa ebenso einen Staat zugesprochen, sie lehnten ihn aber ab und zogen den Krieg vor? Das bleibt bis heute so. War es nicht so, dass Araber damals in großen Mengen flüchteten, weil sie meinten, nach einem gewonnenen Krieg wieder zurückkehren zu können? Warum werden in dem Heft vollkommen unscharfe und verschwommene Geschichtsbilder geliefert oder kreiert? Zur Dämonisierung von Israel!

Der Weltgebetstag ist dem Leiden der christlichen Palästinenser unter israelischer Herrschaft gewidmet. Von eventuellen Leiden unter der Hamas, unter muslimischen Mitbürgern ist keine Rede, so kann man aus dem Heft nur schließen, dass das Zusammenleben zwischen Muslimen und Christen völlig unproblematisch ist. Warum ist die christliche Bevölkerung von Bethlehem im Lauf der Zeit von 80% auf 20 % gesunken? Hat Israel sie aus dem Land verjagt? Warum widmen die tapfer klagenden Christinnen in dem Vorbereitungsheft solchen Tatsachen kein Wort? Tragen Christinnen aus Bethlehem, nun in der Welt verstreut, auch einen Schlüssel um ihren Hals? Oder haben sie gar nicht erst die Hoffnung, wieder in das Haus ihrer Vorfahren zurückzukommen? Warum trage ich selbst eigentlich keinen Schlüssel um den Hals, um in das Haus meines Großvaters in Stettin zurückzukommen? Die ursprüngliche Fassung des Heftes mit dem Schlüssel am Hals der Palästinenserin spricht eindeutig die gleichen Drohungen wie die der Hamas an Israel an: „Wir kommen zurück und jagen euch ins Meer!“

Mit diesem moralischen Desaster macht der „Weltgebetstag“ gemeinsame Sache! Und verbreitet genau das, was als Antiisraelismus definiert wird (auch wenn er das bestreitet): Dämonisierung, Delegitimierung und das Anlegen doppelter Standards an Israel. An jenes Land also, in dem der christliche Glaube seinen Ursprung hat und von dem Christentum nicht zu trennen ist, wie es Paulus in Römer 11/18 schreibt: „Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich“.

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