Es ist schon gut ein Jahr her ..... (Teil 1)

Einige Monate nach der ominösen Kunstausstellung „documenta 2022“ sah ich einen Film im Fernsehen, der die Ereignisse rund um den damaligen „Antisemitismusskandal“ aufarbeitete. Mir war damals aufgefallen, dass ich, obwohl schon einige Jahrzehnte Radiohörerin, noch nie so viel an Berichterstattung über die „documenta“ erlebt habe. Normalerweise wird so nebenbei in Kultursendungen über die bekannte Kunstausstellung, zu der viele Kunstinteressierte pilgern, berichtet. Ansonsten interessiert sie die ganz breite Öffentlichkeit nicht besonders. Aber im Jahr 2022 gab es den so genannten Antisemitismusskandal, und schon konnte man sich vor Medienberichten nicht retten. Das muss doch daran liegen, dass das Thema Antisemitismus die Herzen und Köpfe der Menschen sehr in Aufregung bringt.

Schwierig ist die Angelegenheit: So richtig klar definiert ist Antisemitismus nicht. Dafür aber hat sich rund um den Begriff Antisemitismus eine regelrechte Sprach- und Gedankenwelt gebildet. Fast kann man sagen: Antisemitismus ist in aller Munde. Aber nein – das ist er nicht, er ist im Munde der Medienschaffenden und der Politiker, die sich des Antisemitismus so annehmen, dass der normale Bürger schon vor diesem Begriff die Nase voll hat. Das ist kein Zufall, sondern es ist gesellschaftlich gewollt: Der Medienkonsument soll zu der Annahme gelangen, dass die Juden überall stören, sich einmischen und überall Antisemitismus wittern. Das Allgegenwärtigsein von „Antisemitismus“ soll Überdruss produzieren. Diese Annahme kommt in dem Film deutlich zum Ausdruck, als der israelisch-deutsche Journalist Joseph Croituru, der die Position der indonesischen Künstlergruppe vertritt, sagt: „Antisemitismus wird überall gesucht´“ So funktioniert der Mechanismus: Antisemitisches geschieht in Worten oder Bildern. Irgendjemand erkennt Antisemitismus, macht darauf aufmerksam oder protestiert, und schon ist der Beweis erbracht, dass Antisemitismus ´benutzt` oder sogar ´ausgenutzt` wird. Den Ausdruck „Antisemitismuskeule“ habe ich schon gelesen.

Der „Aufklärungsfilm“ folgt dem bekannten Muster, das oft Medien zu erleben ist: Man stellt bei der Bewertung einer Sache gleichwertig alles in eine Reihe: `Gut und Böse`, ` Wahrheit und Lüge`, `Aufklärung und Demagogie`. Man gibt sich scheinbar neutral; der Zuschauer soll sich „seine eigene Meinung bilden“, ungeachtet dessen, dass schon die Dramaturgie und die Auswahl der Befragten des Filmes für sich spricht.

In diesem Film, in dem die Geschehnisse auf der „documenta“ rekapituliert und kommentiert werden, kommen verschiedene mehr oder weniger bekannte Menschen zu Wort. Sie haben verschiedene, oft konträre Meinungen und Ansichten, so dass der Film scheinbar neutral Zeugnis gibt. Sieht man genauer hin, so entdeckt man aber, dass manche der Aussagen nicht hinterfragt werden, dass einiges, was Tatsache ist, nur als Möglichkeit hingestellt wird. Das Monumentalbild der Gruppe Taring Padi wird als „judenfeindlich ablesbar“ bezeichnet. In Wirklichkeit ist es in der Darstellung einiger Figuren durchaus judenfeindlich, was die schließliche Entfernung des Kunstwerks vom Ausstellungsgelände bezeugt.

Man sagt, dass in Wirklichkeit mit dem Monumentalgemälde auf die Militärdiktatur in Indonesien hingedeutet werden soll. Der arglose Zuschauer fragt sich, ob in der Militärdiktatur Indonesiens Soldaten der israelischen Armee mit Davidstern und Schweinegesicht oder ein israelischer „Kapitalist“ mit Raffzähnen und SS-Runen auf dem Hut eine Rolle gespielt haben. Es kam einmal von der ausstellenden Gruppe zur Sprache, man habe eingesehen, dass man in Deutschland viel sensibler mit solchen Darstellungen umgehen muss. Da fragt man sich, ob man in anderen Ländern unbefangener mit Darstellungen jener Art umgehen kann, da diese Länder keinen Holocaust begangen haben?

Man fragt sich, was Israel denn Schlimmes in Indonesien verbrochen hat- der Davidstern ist ja nicht aus Versehen auf das Bild gekommen. Auch die SS-Runen auf den Hut des „Kapitalisten“, dem noch so was wie Schläfenlocken am Gesicht hängen, hat jemand bewusst gemalt. Soll man daraus ablesen, dass Juden mit SS-Leuten gleich zu setzen sind? Auch wenn es nur zwei Gesichter in dem großen Wimmelbild sind, sie sind vorhanden, und derjenige, der sie malte, hat sich etwas dabei gedacht.

Im Luftreich des Traums

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