Mittwoch, 2. Oktober 2024

Annalena Baerbock und das Münchener Abkommen

„Es droht die Destabilisierung des gesamten Libanons, und das ist in keinster Weise im Interesse der Sicherheit Israels“, verkündete vor einigen Tagen die Außenministerin Deutschlands, Annalena Baerbock, als sie die israelische Regierung zu ihrem Vorgehen im Krieg gegen die Hisbollah belehrte. Dass die Hisbollah, den Libanon bereits destabilisiert hat, dass diese in den letzten Jahren tausende Raketen auf Israel geschossen hat, scheint sie nicht zur Kenntnis zu nehmen, das mag für sie schon „die Sicherheit Israels“ bedeuten.

Was hat sie zu dieser Aussage bewogen? Möglicherweise die tiefe Verinnerlichung, dass sie als Deutsche die Juden zurechtzuweisen hat. Wahrscheinlich hat sie es in ihren Genen, dass Juden einer deutschen Ministerin parieren müssen. Dass es die natürliche Haltung der Juden ist, sich umbringen zu lassen. Vielleicht ist auch die verschwommene Kenntnis über die Vorgänge des Münchener Abkommens. Da war es doch auch so, dass die Sicherheit Europas auf dem Spiel stand. Wie wurde damals allgemein gejubelt, dass „der Frieden gerettet“ ist, nachdem das Sudetenland an Deutschland abgetreten worden war. „Bloß keine Eskalation!“ Und sie hat ja auch gut geklappt, die Nichteskalation, jedenfalls für eine ganze Weile.
Möglicherweise spricht auch aus dem Verhalten von Annalena Baerbock einfach abgrundtiefe Dummheit.

Dienstag, 24. September 2024

Deutsche Staatsraison

Im Gegensatz zu vor ca. 50 Jahren wird sehr viel über den Holocaust gesprochen und geschrieben. Leute, die diese Zeit erlebt und überlebt haben, gehen in Schulen und erzählen über ihr Leiden und Leben. Man hört danach oft, dass die Zuhörer erschüttert und auch beeindruckt sind. Es gibt unzählige Bücher, Gedenkstätten und Erinnerungen an diese Zeit. Wenn man möchte, kann man sich über alles informieren, was zu erfahren möglich ist. Es wird von Erinnerungskultur gesprochen, Politiker und andere äußern sich darüber, was für eine hohe Erinnerungskultur wir in unserem Land haben. Man hat den Eindruck, dass damit gemeint ist: ´Wir haben die tollste Erinnerungskultur der Welt`. Ja, man könnte meinen, das, was man Holocaust nennt, wäre nur die Ursache, um diese tolle Erinnerungskultur hervorzubringen.

Wie aber sieht die Wirklichkeit aus? Man könnte sagen: dissonant und peinlich. (Damit meine ich nicht einzelne Menschen, sondern die gesellschaftliche Wirklichkeit).

Am Verhältnis der deutschen Politik zum Staat Israel kann man vieles erkennen. Es ist bekannt, dass Israel unter anderem aus den Trümmern, aus den Überbleibseln des Holocaust hervorgegangen ist. Irgendwie gibt man es zu, und nennt seine Politik: „die Sicherheit Israels ist deutsche Staatsraison“. So genau wird nicht erklärt, was „deutsche Staatsraison“ bedeutet und was für Konsequenzen sie eventuell hätte.

Einige Beispiele möchte ich nennen, wie es aussah, als Deutschland in eine direkte Konfrontation mit Israel kam:

Olympia-Massaker bei den Olympischen Spielen in München 1972. Sicher war es nicht bewusster Wille, dass der Ausgang des Attentats so tragisch war. Vielleicht war es Unfähigkeit, das Nichtvorstellungsvermögen, dass so etwas möglich ist. Fakt ist aber, dass Israel darum bat, seine in der Terrorabwehr viel erfahreneren Spezialisten einsetzen zu dürfen, was ihnen von Bundeskanzler Willy Brandt strikt verboten wurde. Fakt ist: 11 israelische Sportler wurden auf deutschem Boden ermordet. Und, wenn man schon nichts hatte abwehren können: die Spiele gingen weiter. 11 ermordete Juden waren den Veranstaltern der Abbruch der Spiele nicht wert. Warum sollte man?: Die Ermordung von Juden war Jahre zuvor zur Routine geworden. Viele von den Mördern lebten damals noch.

Yom Kippur-Krieg 1973: Gab es damals den Begriff „deutsche Staatsraison“ noch nicht, oder warum ver hielt sich die deutsche Bundesregierung so, wie sie sich verhielt? Am 6.10.1973 überfielen Syrien und Ägypten Israel an seinem höchsten Feiertag. Die Lage war so ernst, dass wirklich der Untergang Israels drohte. Dank amerikanischer Waffenlieferungen an Israel konnte das Unglück abgewendet werden. Doch die deutsche Bundesregierung fürchtete um ihre guten Beziehungen zu den arabischen Ölstaaten, und beschloss einen Lieferstopp für amerikanische Schiffe und Flugzeuge, wobei besonders der Außenminister Scheel (früheres NSDAP-Mitglied) die treibende Kraft war. Der Krieg war schnell vorbei, und der befürchtete Eingriff der Sowjetunion zugunsten der arabischen Staaten fand nicht statt, der Lieferstopp war nicht mehr relevant.

Hamasüberfall auf Israel 2023 Die Reaktion deutscher Politiker nach dem 7. Oktober war so, dass mir der aus meiner Kindheit geläufige Ausspruch „Da schämt man sich, ein Deutscher zu sein!“ (bei Unterhaltungen über den Krieg) aktuell erscheint. Im November 23, nachdem in Israel der größte Massenmord an Juden (und anderen) nach dem Holocaust, zudem auf barbarischste Weise, stattgefunden hatte, wusste die UNO nichts Besseres zu tun, als Israel für alles Mögliche an den Haaren herbei Gezogene zu verurteilen. Deutschland machte fleißig dabei mit. Es verurteilte Israel 8 mal. Danach flog die Außenministerin 9 mal nach Israel und hat sehr streng mit den Menschen, die Schlimmstes durchgemacht haben und durchmachen, gesprochen. Sie belehrte sie, dass der Konflikt nicht eskalieren dürfe, dass nur eine Beruhigung Verhandlungen zum Frieden möglich machen könne, ungeachtet der existierenden Tatsachen und ungeachtet, dass Israel sich in einem Kampf befindet, in dem es im wahrsten Sinne des Wortes um seine Existenz geht, und in dem es gegen unversöhnliche Feinde kämpft. Vor Kurzem lud Frau Baerbock ausgesprochene Israelfeinde (Roig, Jabarine, Barenboim), die sich in sozialen Medien antisemitisch geäußert haben, zu einem festlichen Abendessen ein, um mit ihnen ein Gespräch „auf Augenhöhe“ zu führen. Sie wolle auch „andere Positionen“ kennenlernen.

Gar nicht erwähne ich jetzt die täglichen Nachrichten öffentlicher, also staatlicher Sender, von denen täglich durch geschicktes Framing verschleierte bösartige Berichte über Israel zu hören sind. All das mündet für mich in der Aussage von Zwi Rex: „Die Deutschen werden den Juden Auschwitz nie verzeihen.“

Und was versteht man nun unter „deutscher Staatsraison“?

Donnerstag, 19. September 2024

Interpretation von zwei Zitaten (Teil 2)

Falls ich versuchen könnte zu verstehen – aber das wird mir nie gelingen -, weshalb mein Volk zum Opfer wurde, so werden andere Leute verstehen müssen, oder den Versuch machen müssen zu verstehen, warum die Mörder Christen, sicher schlechte Christen, aber doch Christen waren. Irgendjemand wird erklären müssen, warum so viele Intellektuelle waren, Akademiker, Hochschulprofessoren, Rechtsanwälte, Ingenieure, Ärzte, Theologen. Die Einsatzkommandos, die das Töten befahlen, wurden von Intellektuellen angeführt.
(Eli Wiesel)

An der Diffamierung, Ausgrenzung, Erniedrigung, Tötung von Juden in der Nazizeit nahmen Millionen Christen teil. Vielleicht war ein Teil davon nicht unbedingt von der christlichen Religion überzeugt, aber immerhin: es herrschte die Volkskirche und bei genauem Nachforschen hätte man sicher feststellen können, dass fast alle Mörder getauft, konfirmiert waren oder die Kommunion hatten. Wenn man diese Tatsache noch mit der berüchtigten Aussage: „Sie haben ja unseren Heiland getötet!“ (das wurde mir selbst einmal gesagt), zusammenbringt, dann muss man feststellen, dass die Kirchen in hohem Maß für den Holocaust mitverantwortlich sind. Fühlten sie sich, nachdem das ganze Ausmaß des Grauens offenbar war, irgendwie verantwortlich? Hier habe ich ein Buch, über einen Berliner Pastor (Karl Themel), der in den 30-ger Jahren aus eigener Initiative eine Kirchenbuchstelle in Berlin aufgebaut hat, in der man recherchieren konnte, welcher Jude ab dem Jahr 1800 konvertiert war, und der also nach den „Rassegesetzen“ nun als Jude galt. Die Kirchenbuchstelle war dem „Reichssippenamt“ unterstellt. Damit hat er viele Menschen dem Tod ausgeliefert, auch evangelische Pfarrer. Wie stellte sich die Kirche nach Ende des „3. Reichs“ zu ihm? Er bekam eine Pfarrstelle und arbeitete ehrenamtlich als Archivar weiter, wenngleich auch nicht in der Kirchenbuchstelle. Wie die Kirche ihr Handeln mit den Begriffen Schuld, Sünde, Sühne usw. in Einklang bringen konnte, ist unbekannt, den Begriff Vergebung wandte sie auf sich selbst an – sie vergab sich selbst.

Und die „Intellektuellen“? Nie würde man es für möglich halten, dass Menschen, die denken können, die eine akademische Ausbildung haben, das Töten, das Ermorden von Menschen als Ziel vor Augen haben. Das, was heute von Universitäten ausgeht, wofür sich Studenten und Professoren einsetzen, hat zum Ziel, den Staat Israel zu vernichten. Genau das ist es, wofür sich in den Demonstrationen eingesetzt wird. Selbst, wenn jemand behauptete, der Staat Israel solle neben einem Palästinenserstaat existieren (von dem jetzt immer gesprochen wird, auch von der UNO, und dabei vergessen gemacht werden soll, dass es die Palästinenser waren, die immer wieder einen Staat ausgeschlagen haben), so marschieren sie doch in gewalttätigen Demonstrationen und unter dem Spruch: „from the river ……..“ mit und stellen sich nicht gegen Sprechchöre und Plakate dieses Inhaltes. Die „Intellektuellen“ geben den Ton an, verfassen die Reden und Slogans. Damit stehen sie in Tradition der von Eli Wiesel angeklagten „Intellektuellen“ des dritten Reichs. Erklären kann ich das ebenso wenig wie Eli Wiesel. Es muss eine psychologische Komponente haben, den Juden das zu unterstellen, was man selbst an sich für ungenügend und unerreichbar empfindet. Je nachdem, wie sich die Umstände gestalten, kann es zu Ausbrüchen von tödlichem Hass führen.

Donnerstag, 12. September 2024

Interpretation von zwei Zitaten (Teil 1)

Ich glaube in den Schrecken des Dritten Reiches ein einzigartiges, exemplarisches symbolisches Geschehen zu erkennen, dessen Bedeutung allerdings noch nicht erhellt wurde: Die Vorankündigung einer noch größeren Katastrophe, die über der ganzen Menschheit schwebt und nur dann abgewendet werden kann, wenn wir alle es wirklich fertigbringen, Vergangenes zu begreifen, Drohendes zu bannen.
(Primo Levi)


Das Zitat des italienisch-jüdischen Schriftstellers Primo Levi, der Auschwitz überlebte, ist unheilverkündend. Wie es manchmal der Fall ist, wenn jemand eine düstere Voraussage macht, zeigt der Schriftsteller einen Ausweg auf. Hier wäre der Ausweg eindeutig: die Menschheit muss begreifen, was der Holocaust bedeutete, wozu Menschen fähig sind (und das sind sie jederzeit) und was droht, wenn man sich von diesen Erkenntnissen abwendet. Im Augenblick sieht es so aus, als würde die Prophezeiung von Primo Levi ihre ganze Wirkung entfalten, ja, als würde sich die Welt mit Eifer und auch mit Vergnügen darauf stürzen, diese zu erfüllen.

Dabei wird sich hier in Deutschland neuerdings sehr intensiv mit dem Holocaust beschäftigt. Ist das darum, um Vergangenes zu begreifen? Sie begreifen es ja gerade nicht oder wollen es nicht begreifen. (Man denke nur an das „Wirken“ von Außenministerin Baerbock). Weil sie dann Schlüsse daraus ziehen müssten, die sie in Wirklichkeit nicht wollen. (Damit meine ich die Gesellschaft, Medien, Kirchen im Allgemeinen, es gibt sehr viele Einzelne, die anders denken und sich anders verhalten)

Kann Drohendes gebannt werden? Um das zu glauben, muss man über sehr viel Gottvertrauen verfügen. Und man muss wissen, dass es, um Unheil abzuwenden, viele unschuldige Opfer geben wird.

Mittwoch, 4. September 2024

Paradox

Zufällig hörte ich zwei Tage hintereinander im Autoradio die Morgenberichterstattung des DLF.
Über das jüdische Mädchen Anne Frank wurde berichtet: wie sie fast zu Ende des Kriegs in Holland in ihrem Versteck entdeckt und mit dem letzten Zug aus dem Durchgangslager nach Auschwitz und später in das Lager Bergen Belsen verschleppt wurde, wo sie gestorben ist. Wie sie ihr Tagebuch schrieb und von ihrem Wunsch, dass von ihr etwas bleibt, das für andere Menschen von Bedeutung ist. Der DLF war voll von Mitgefühl.

Am nächsten Tag, etwa um die gleiche Zeit wurde im DLF das Buch „Ein Tag im Leben des Abed Salama“ des jüdisch-amerikanischen Schriftstellers Nathan Thrall vorgestellt, das in diesem Jahr den Pulitzer-Preis erhält. Es handelt davon, wie bei einem Busunfall in Jerusalem palästinensische Kinder ums Leben kamen, und wie der Vater eines gestorbenen Jungen eine Odyssee in verschiedene Krankenhäuser macht um ihn aufzufinden und dabei an viele grenztechnische Hindernisse stößt. In dem darauffolgenden Interview erklärt Nathan Thrall die Lage in Israel. Er schildert Israel als einen despotischen Staat, der keine Demokratie ist (er meint z.B. : Israel als Demokratie wäre ein Narrativ Europas, um einen Grund zu haben, Israel zu unterstützen) . Er gibt bekannt, dass die Palästinenser um einen Staat zu bekommen, ein Zugeständnis nach dem anderen gemacht haben. Israel hätte so viel Macht, um den Palästinensern einen Staat „schenken“ zu können, der sowieso viel zu klein wäre.

Und so weiter – man hat Reden von jener Art schon oft gehört. Der Terror gegen Israelis (auch Herrn Thrall könnte er treffen) wird ausgespart, jegliche Friedensangebote von Seiten Israels werden ins Gegenteil verkehrt, das dreifache Nein von Khartum 1967 wird nicht erwähnt, die Tatsache, wie viele Palästinenser in israelischen Krankenhäusern behandelt werden, wird verfälscht. Das wirkliche Friedensangebot Israels, aus dem Gazastreifen abzuziehen, auf dass eine friedliche Entwicklung stattfinden kann, hat zum bestialischen Abschlachten von Israelis geführt und einen furchtbaren Krieg angezettelt. Alles spielt bei Herrn Thrall keine Rolle.

Nun weiß ich, dass der DLF kein durchgehend homogener Sender ist, dass es verschiedene Redakteure mit verschiedenen Spezialgebieten gibt. Doch die Linie, alles was Israel betrifft, in einem teuflischen Licht erscheinen zu lassen, möglichst israelfeindliche Aussagen unwidersprochen im Raum stehen zu lassen, ist durchgängig und an vielen Beiträgen des DLF zu belegen. Beiträge, die über Juden zur Zeit des Holocaust handeln, erscheinen mir sehr einfühlsam, manchmal sentimental und wie aus einer anderen Welt, die mit der heutigen Welt nichts zu tun haben, schon gar nicht mit der des DLF.

Es gibt aber durchaus Zusammenhänge, das hat Nathan Thrall ja auch erwähnt. Und das weiß jeder, auf jeden Fall die Redakteure des DLF. Das ist das Land, in dem die vom Holocaust übrig gebliebenen Juden (u.a.) gelandet sind, und die dieses Land aufgebaut haben. Und das von der UNO legitimiert 1948 gegründet wurde. Und wenn der Deutschlandfunk es als seine Pflicht betrachtet, Israel auf alle möglichen Weisen zu delegitimieren, so kann man das durchaus als antisemitisch bezeichnen.

Nachtrag: Am 16.11.2023 wurde in Wien der Arik-Brauer-Publizistikpreis an Mirna Funk und Ahmed Mansour vergeben. In seiner Laudatio sagte der Gründer des Portals mena-watch, Erwin Javor, unter anderem: „In den Hirnen von vielen werden verzerrte Maßstäbe für die Wahrnehmung Israels antrainiert und automatisiert“. Genau das ist es, was ich mit der Beschreibung der Strategien des DLF kenntlich machen will.

Donnerstag, 29. August 2024

Messermorde in Solingen

Drei Menschen sind bei einem Stadtfest (das makabererweise unter dem Motto „Festival der Vielfalt“ stand), erstochen worden. Das löste – man wundert sich -, ein ungeheures Medienecho aus. Im Fernsehen gab es Sondersendungen, im Radio liefen ausführliche Berichte. Talk-Runden wurden dieser Untat, ihren Hintergründen, den Motiven des Täters gewidmet. Und selbstverständlich den Auswirkungen des Attentats auf zukünftige Wahlen demnächst.

Man hat sogar den Eindruck, dass das Medienecho und die Politikeranteilnahme ganz eng mit den Landtagswahlen in Sachsen und Thüringen zusammenhängen. Denn Attentate durch Asylbewerber, auch mit mehreren Toten, gab es in den letzten Jahren mehrmals. Da waren die öffentlichen Reaktionen eher verhalten. Noch im vorigen Jahr erstach ein Palästinenser (aus dem Gazastreifen) zwei junge Menschen in einem Regionalzug in Norddeutschland. (Eine weitere schwer verletzte Frau nahm sich später das Leben). Man hörte darüber in den Nachrichten, es gab Berichte, aber der ganze Fall war schnell vergessen. Das Attentat des Tunesier Anis Amri, der 12 Menschen auf einem Berliner Weihnachtsmarkt mit einem LKW überfuhr, wurde im Bewusstsein sehr klein gehalten und auch dem Vergessen überlassen. Kanzlerin Angela Merkel ließ sich erst ein Jahr nach dem Attentat zu einem Solidaritätstreffen mit den Angehörigen der Opfer herab, und das erst nach einem vorwurfsvollen Brief der Angehörigen.

Zu diesen drei Beispielen ist noch anzumerken, dass sie von Asylbewerbern begangen wurden, die schon durch Straftaten auffällig gewesen waren und eigentlich das Land hätten verlassen müssen. Aber die Behörden hatten geschlampt, sie maßen dem keine Bedeutung zu, dass gewalttätige und potentielle Straftäter in der Gegend herumlaufen. Es entsteht der Eindruck, dass dem Staat die Sicherheit der Bürger viel weniger wichtig ist, als Konzilianz gegenüber Asylbewerbern.

Das Erstaunliche ist die große mediale Aufmerksamkeit gegenüber dem Solinger Messerattentat. Ich habe den Eindruck, dass die Medien und auch die Politiker paralysiert sind. Haben sie so eine Angst vor der AfD und den anstehenden Wahlen? Schon mehreren sich die unvermeidlichen Stimmen, die davor warnen, das Attentat könne instrumentalisiert werden. Aber wieso sollte es instrumentalisiert werden: es ist geschehen! Drei Menschen sind tot. (Sie werden sich ja nicht zu Sterben zur Verfügung gestellt haben, damit die AfD mehr Stimmen bekommt). Die Politiker sollten sich nicht lächerlich machen indem sie von „instrumentalisieren“ oder „Wasser auf die Mühlen“ sprechen, sie sollten sich bei ihrer Politik nach den Befindlichkeiten der Bürger richten. Dann müsste die Angst vor der AfD nicht so groß sein.

Sonntag, 18. August 2024

Warum "Israelkritik"?

Gerade sagte mir eine Frau, dass sie es gut findet, dass ich eine kleine Israelfahne an meiner Jacke trage. Sie wäre drei mal in Israel gewesen, und in keinem Land hätte sie sich so frei, sicher und unbeschwert gefühlt wie in Israel. Ich konnte das von meinen zwei Besuchen dort bestätigen. Dann dachte ich darüber nach, warum so viele verschiedene Menschengruppen gerade dieses Land dämonisieren. An Unwissenheit kann es nicht liegen. Seltsamerweise sind es oft Angehörige der Menschengruppen, die bestimmte Ideale vor sich her tragen. Ich denke daran, wie viele Feministinnen, also Frauen, die sich die Befreiung und Gleichberechtigung der Frauen zum Ideal gesetzt haben, mit Gehässigkeit über Israel sprechen. Wenn ich Bilder von palästinensischen oder arabischen Politikern sehe, ist darauf keine Frau zu erkennen, ein reiner Männerklüngel. In Israel sieht man in allen Berufsgruppen Frauen, meistens ohne, manchmal aber auch mit Hidschab. Trotzdem verdammen Feministinnen Israel. Die UNO, für die ja Frauenrechte auch ganz wichtig sind, verabschiedete eine Resolution, in der Israel als einziges Land für die Verletzung von Frauenrechten verurteilt wird. Das ist absurd.

Seit dem Überfall der Hamas und dem Gazakrieg nehmen die Verurteilungen kein Ende. Besonders tuen sich hervor: Intellektuelle, Studenten, Professoren, Medienschaffende. Es gibt genug Bilder zu sehen von palästinensischen Kindern, die in Uniformen, hochbewaffnet mit Patronengürteln und Masken posieren. Auch ihre Aussprüche, wie sie Israel vernichten wollen, kursieren. Sie werden zum Kampf gegen Juden und zum Märtyrertum angeleitet. Genau das, was den moralisierenden und auf „Werte“ und Menschenrechten basierenden Intellektuellen widerspricht. Und doch setzen sie sich leidenschaftlich für die Menschen mit eben dieser Lebensanschauung ein. Das ist ebenfalls absurd. Zu ergänzen wäre diese Aufzählung noch von Politikern sehr vieler Länder, die ja ebenfalls die Menschenrechte hoch halten. Und die Journalisten, die aus Israel oder aus Gaza berichten, können den Unterschied sehen, wie sich die Leute hier und da verhalten. Es ist keine Logik, keine Vernunft in dem von mir beschriebenen Verhalten.

Ich kann mir vorstellen, dass solche Journalisten, Feministinnen, Professoren in der Lage sind zu sagen: „seht wie abstoßend die kleinen Märtyrerkinder sind mit ihren Kalaschnikows und Patronengürteln! Dazu haben die Israeli sie heraus gefordert, sie provozieren dazu, dass die Kinder Kriegerposen annehmen, die sie eigentlich gar nicht wollen. Israel ist also doppelt so schlimm, einerseits weil es existiert und zweitens, weil es aus unschuldigen kleinen Kindern martialische Soldaten macht“

Was anderes hat denn UNO-Generalsekretär Guterres mit seiner denkwürdigen Bemerkung bald nach dem Terrorangriff auf Israel gesagt?: Der Angriff fand nicht im luftleeren Raum statt. Der Angriff hatte also eine gewisse Berechtigung. Von Besatzung sprach er, die bewiesenermaßen in Gaza nicht vorhanden war. Dass die Besatzungslosigkeit Gazas dazu verhalf, dass dort unzählige Terrortunnel gebaut wurden und ebenso unzählige Raketenabschussrampen, alles Bauten, die zur Vernichtung Israels benutzt wurden, das kam dem höchsten Repräsentanten der Völkergemeinschaft nicht in den Sinn. Es läuft alles darauf hinaus, dass die Dämonisierung Israels, der Antisemitismus eine irrationale Angelegenheit ist, und jeden sollte man hinterfragen, wenn er die geliebte „Israelkritik“ aus der Tasche zieht, welche Beweggründe er für diese Kritik hat.

Samstag, 10. August 2024

Einteilung in "böse" und (selten) in "gute Israeli

Leider wieder das gleiche Thema. Ich würde gern anderes schreiben, aber der leidige Antisemitismus schwirrt einem um die Ohren, es sind kleine Episoden, Nachrichten, die an einem vorbei rauschen. Doch es scheint System zu sein, immer wieder etwas so nebenbei zu hören, damit man sich nicht selbst damit auseinandersetzt und man verinnerlicht: wie „böse“ die Israeli sind. So wurde immer und immer wieder und sehr ausführlich berichtet, dass der „böse“ israelische Finanzminister davon gesprochen hätte, man solle die Bewohner von Gaza „aushungern“ lassen, bis die Geiseln frei gegeben würden.

Die Aufregung war gewaltig, die moralische Empörung, das Entsetzen, die Verurteilungen. Ganz davon abgesehen, dass dieser Minister immer wieder als „rechtsextrem“ bezeichnet wird. „Rechtsextrem“, das assoziiert: Nazis, Faschismus, Nationalsozialismus. Die staatlich alimentierten Medien sollen den Medienkonsumenten klar machen, dass Israeli die wahren Nazis sind. Nun setzt dieser Minister seine Vorstellungen weder in die Tat um, noch besteht eine Aussicht dazu. Doch „Hunger in Gaza“ ist auch ein Synonym für Antisemitismus. Seit Beginn des Gaza-Kriegs wird von Hunger in Gaza berichtet. Aber: Man bekam keine Hungernden zu Gesicht. In außeröffentlicher Berichterstattung erfuhr man, in welch großer Anzahl Hilfstransporte eintreffen. Allerdings werden aus den Hilfstransporten viele Waren entwendet und auf dem Schwarzmarkt verkauft.

Doch es geht hier nicht um „Hunger in Gaza“, sondern um die gewaltige Empörung von europäischen und deutschen Politikern. Botschafter Seibel, der UN-Kommissar für Menschenrechte Thürck, das Auswärtige Amt, die Medien sowieso sind außer sich. Wo bleibt ihre Empörung nach Äußerungen von iranischen Führern, Hamas und Hisbollah, wenn sie allen Israeli den Tod androhen? (Der 7.Oktober wird sich immer und immer wieder wiederholen…., in Teheran steht eine Uhr, die die Zeit rückwärtig zählt, bis Israel ausgelöscht sein wird usw.) Wenn man sich dann noch vor Augen hält, was Deutsche mit Juden angerichtet haben, damals. Da gab es eine Barbarei von Seiten der Deutschen, nicht nur gegen Juden, sondern gegen die Angehörigen aller unterjochter Völker. Das muss man nicht bei jeder Gelegenheit wiederholen, aber die Arroganz, Herablassung, die moralische Empörung, die könnte man zumindest unterdrücken. Damit fordert man die Erinnerung an die Zeiten, in dem die Welt am deutschen Wesen genesen sollte, geradezu heraus. Die Arroganz, Herablassung und moralische Empörung, die sind ein Spiegelbild der „damaligen“ Weltbeherrschungsphantasien.

Als Illustration ein kleines Erlebnis. Wir saßen in einer kleinen Geburtstagsrunde zusammen, ein israelisches Buch (von Chaim Noll) lag auf dem Geburtstagstisch. Die Sprache kam auf Israel (nicht auf die aktuelle Situation): das wäre ein sehr interessantes Land, sehr beeindruckend, da gäbe es auch eine sehr aktive Friedensbewegung, die Leute sind da längst nicht alle so wie Netanjahu. Das klang harmlos, aber ich dachte doch, wie seltsam es ist, dass es in Deutschland so gut bekannt ist, wer ein guter oder wer ein „böser“ Israeli ist.

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