Donnerstag, 7. März 2024

Nachbetrachtungen zum Frauenweltgebetstag

In dem Buch „Jahrhundert der Wölfe“ von Nadeshda Mandelstam bemerkte die Schriftstellerin zum Thema „Antisemitismus“, dass dieser nicht von den „kleinen Leuten“ komme, sondern von den oberen Schichten gestreut würde. Ähnliches ging mir durch den Kopf, als ich mich in diesem Jahr mit den Unterlagen zum „Frauenweltgebetstag“ beschäftigte. Der „Frauenweltgebetstag“ wurde in diesem Jahr von christlichen Frauen Palästinas gestaltet. Zufällig, aber doch nicht ganz zufällig, denn der Gebetstag wird in jedem Jahr von Frauen einer verschiedenen Nation gestaltet. Entgegen dieser Regel wurde dieser Tag den palästinensischen Frauen schon ein zweites Mal zugestanden – das, was sie zu sagen haben, muss dem Komitee allzu wichtig gewesen sein. Was sie zu sagen haben war nichts anderes, als wie heftig sie unter der „Besatzung“ Israels leiden.

Nun, ich studierte das große Begleitheft, das vor dem 7. Oktober entstanden war und das kleine Heft, nach dem 7. Oktober noch schnell gedruckt, von dem man vorsichtshalber das Titelbild der Frauen mit Schlüsseln an Hals und Ohren (gezeichnet von einer Künstlerin, die einer Gruppe angehört, die für ihre antisemitischen Karikaturen bekannt ist), entfernt hatte. Der Inhalt der Texte, sowohl der Begleittexte als auch der von Frauen verfassten Texte war eine Dämonisierung Israels. Schikanen, getötete Menschen, die Mauer wurden beschrieben. Wenn es nur das wäre, aber es wurde systematisch alles verschwiegen, was zum Verstehen des Verhaltens Israels hätte beitragen können. Bombenbeschuss, Terrorattentate, Lynchmorde wurden gar nicht oder marginal erwähnt. Sehr viel war von „Nakba“ die Rede, wobei verschwiegen wurde, dass die Flucht und Vertreibung von Arabern 1948 eine Folge des Überfalls von 5 arabischen Staaten auf Israel waren. Der Text war garniert mit schönen Worten vom Frieden und von Liebe.

Wenn man sich mit den Heften beschäftigte, kam man zu dem Schluss: 1948 wurde der jüdische Staat gegründet und gleichzeitig 750 000 nichts ahnende Araber vertrieben und ihre von Olivenbäumen blühenden Dörfer zerstört. Ein Bild von Israel als Unrechts- und Willkürstaat wurde vermittelt. Dazu stelle ich mir die Frauen vor, die am Weltgebetstag teilnehmen. Ich kenne Frauen jener Art. Sie meinen es gut, sind aktiv und hören gern wohlklingende Worte. Geschichtlich sind sie nicht allzu sehr bewandert. Dazu sind sie sehr geneigt, das zu glauben, was „die da oben“, in diesem Fall also das Gebetstagskomitee ihnen vorgibt.

Selbstverständlich werde ich den teilnehmenden Frauen keinen Antisemitismus unterstellen, denjenigen, die solche Veranstaltungen organisieren aber durchaus. Sie dämonisieren den Staat Israel. Wenn man bedenkt, in welcher Situation das Land im Augenblick ist, wenn man bedenkt, was dem Land von Seiten Palästinenser angetan wurde, ist dieser Weltgebetstag eine Farce und eine böswillige Veranstaltung. Und das von einer Kirche, die von sich sagt, ihre Wurzeln lägen im Glauben des Volkes Israel.

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