Freitag, 26. Januar 2024

Medienberichterstattung (Teil1 )

Jeden Abend höre ich den deutschsprachigen Podcast von Arye Shalicar: „Israel im Krieg“. Darin berichtete er über die Ereignisse und Kämpfe des Tages, aber er reflektiert auch, wie sich die Menschen fühlen und erzählt, was in den Jahren zuvor zwischen Israel und den palästinensischen Gebieten vor sich gegangen ist. Seine Gedanken kann jedermann nachvollziehen. Eigentlich kann man sagen: So, wie A.Shalicar spricht, das ist die verständlichste und nachvollziehbarste Sache der Welt.

Umso erstaunter und umso mehr vor den Kopf geschlagen ist man, wenn in öffentlichen Medien über diesen Krieg berichtet wird. In den Sendungen wird nicht mit Tatsachen gearbeitet, sondern mit Unterstellungen und Weglassungen. So kommt ein Bild heraus, das nicht erst seit diesem Krieg etwa so aussieht: Es gab einst einen palästinensischen, friedlichen, blühenden Landstrich, in den Juden einfielen, ihn kolonialisierten (diesen Ausdruck hörte ich mehrmals). Sie raubten das Land, sie vertrieben die Araber daraus, gründeten für sich einen Staat, und taten alles, um die Gründung eines Araberstaates daneben zu verhindern. Die Aussagen kann man so bezeichnen: Sie sind unscharf und vage und lassen das aus, was für Israel sprechen könnte. In meinen Augen ist die Art und Weise, wie über Israel berichtet wird antisemitisch gemäß der berühmten 3 D: delegitimierend, dämonisierend und mit einem doppelten Standard anderen Staaten der Welt gegenüber.

Deshalb sah ich mir am 25.1. im Sender Phoenix eine Diskussionsrunde an, die den Titel hatte: „Wie realistisch ist eine Zweistaatenlösung“? Ich wollte erfahren, wie man im ÖR jetzt „tickt“, was für Gesprächspartner dabei sind und wie sie sich verhalten. Ich kann im Nachhinein sagen, dass die Sendung nicht so schlimm war, wie ich es mir vorgestellt hatte. Sie hatten diesmal nicht – wie es oft der Fall ist – ausschließlich „Israelkritiker“ in der Runde, die oft unwidersprochen jeden Unsinn in den Raum stellen können. Es gab jedoch eine „Nahostexpertin“ (was immer das sein mag) namens Kirsten Helberg, die die Rolle der Hamasversteherin übernahm. So, wie man es gewohnt ist: indem alles ausgelassen wird, was zum Verständnis Israels beitragen könnte. Das beliebte Wort von der „Unverhältnismäßigkeit“ wurde hervorgeholt, von dem zerstörten Gaza, wo niemand leben kann, und sie verkündete Zahlen von gazanischen Getöteten, die sich ausschließlich auf Hamasberichte stützen.

Sie erzählte, wie unheimlich beliebt Hamas in Gaza und Westjordanland wäre. (Was ja den logischen Schluss zulässt, dass die Bewohner von Gaza durchaus ihr Unglück mitverschulden). Sie ließ durchblicken, dass die Einwohner von Gaza gerade wegen des „Unrechts des Krieges“ nun zu immer mehr Hass herausgefordert werden, was mich im Stillen immer die Frage stellen lässt, was die Juden damals vor 80 Jahren Schlimmes getan hatten, um die Deutschen zum Hass und Holocaust herauszufordern. Ab und zu ließ Frau Helberg sich von Mitdiskutanten korrigieren, denn als ausgewiesene „Nahostexpertin“ wollte sie sich nicht die Blöße geben und nicht direkt aus dem Munde der Hamas sprechen. Trotzdem war es das Übliche: ´Ja, die Hamas ist schlimm, aber Israel …..` Von dem „Eingeschlossensein“ der Gazaner sprach sie – natürlich ohne zu erwähnen, wieviel Zehntausende Gazaner vor dem Krieg in Israel ihre Arbeit und ihren Lebensunterhalt hatten. Mehrmals versuchte sie den Beweis zu erbringen, dass die Palästinenser ja keinen Staat haben (also nicht anders können!), natürlich ohne das dreifache Nein von Khartoum 1967 zu erwähnen, in dem die arabischen Staaten Israel für alle Zeiten ablehnen.
(Fortsetzung folgt)

Im Luftreich des Traums

gegen Ideologien

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Beiträge

Als unredigierte Kommentare...
Als unredigierte Kommentare im Internet können solche...
nömix - 19. Feb, 12:10
Leserbrief in Zeitungen
Der 7. Oktober 2013 war ein Schock. Nicht weniger schockierend...
anne.c - 17. Feb, 17:59
"Weltgbetstag der Frauen...
Liebe Frau T.-M. Ich wende mich an Sie als Leiterin...
anne.c - 8. Feb, 16:27
"Weltgebetstag der Frauen"...
Im Vorbereitungsheft auf den Weltgebetstag der Frauen...
anne.c - 5. Feb, 21:32
Holocaustgedenktag 2024
Seit vielen Jahren ist es ein jährliches Ritual für...
anne.c - 31. Jan, 19:37
Medienberichterstattung...
Der Leiter des ZdF Fernsehstudio in Tel Aviv, Michael...
anne.c - 27. Jan, 15:45
Medienberichterstattung...
Jeden Abend höre ich den deutschsprachigen Podcast...
anne.c - 26. Jan, 21:44
Lüge ist Wahrheit, Krieg...
Frei nach George Orwell Wenn man erlebt, wie Israel...
anne.c - 17. Jan, 13:38
Ist es Antisemitismus,...
Aber wie eingangs erwähnt, (die Komplexität in einem...
anne.c - 12. Jan, 13:54
Ist es Antisemitismus,...
Ich denke, eine Erklärung für ein Phänomen kann man...
anne.c - 10. Jan, 13:17

Links

Suche

 

Status

Online seit 4574 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 19. Feb, 12:10

Disclaimer

Entsprechend dem Urteil des Landgerichts Hamburg vom 12.05.1998 gilt für alle Links und Kommentare auf diesem Blog: Ich distanziere mich hiermit ausdrücklich von allen Inhalten aller verlinkten Seitenadressen und aller Kommentare, mache mir diese Inhalte nicht zu eigen und übernehme für sie keinerlei Haftung.

Impressum

Anne Cejp
Birkenstr. 13
18374 Zingst