Zum Reformationsgedenken

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Eine Sonderausgabe der evangelischen Zeitschrift „Chrismon" zum 500. Reformationsgedenken wurde kostenlos an die Kirchengemeinden zum Weitergeben versandt. Beim Durchblättern stößt man auf eine Doppelseite, die eigentlich jedem, der sich nur halbwegs mit der nationalsozialistischen Willkürherrschaft und der Judenvernichtung beschäftigt hat, den Atem rauben müsste. Auf der linken Seite das Abbild Martin Luthers, und als dazu gehörender Text „die Zukunft gehört denen, die die Zeichen der Zeit erkennen“. Auf der rechten Seite eine Werbeannonce der Firma „Degussa-Goldhandel“, die für den Kauf von „Jubiläumsthalern 500 Jahre Reformation“ mit der Prägung eines Abbilds von Martin Luther in Gold oder Silber wirbt. Der Werbeslogan lautet: „Zeigen Sie ihrer Familie und guten Freunden, welche Werte Ihnen wichtig sind“.

Im Zuge des Reformationsgedenkens wurde auch über Martin Luthers Schrift „Von den Juden und ihren Lügen“ diskutiert. In diesem Traktat nimmt er die Zeichen der vor ihm liegenden Zeit vorweg und bereitet letztendlich den Weg dazu. Sowohl Nationalsozialisten als auch ihre Unterabteilung Deutsche Christen legitimierten damit Jahrhunderte später die staatliche Judenverfolgung.

Martins Luthers „zukunft-zeichen-zeit“ wird im „Chrismon“ optisch komplettiert mit einer Werbung für Degussa, eine Firma die „… wie kaum ein anderes Wirtschaftsunternehmen mit den Verbrechen des Nationalsozialismus in Verbindung gebracht wird. Als Lieferant des tödlichen Giftes „Zyklon B“, das zur Ermordung von Millionen Menschen in den Gaskammern der Nationalsozialisten verwendet wurde, ist Degussa zum Inbegriff der Verwicklung der deutschen Wirtschaft in die Gräueltaten des nationalsozialistischen Regimes geworden. Auch ein Großteil des von den Nazis geraubten Edelmetalls ging durch die Schmelzöfen der Degussa“. (Quelle:Peter Hayes C.H. Beck-Verlag, Rezension)

Die Werbung für Degussa ist im „Chrismon“ verbunden mit einem Bekenntnis zu „Werten“. Der Aussagekraft dieser Seiten ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Doch die Vorstellung, dass in den Jubiläumsthalern, die zum 500. Reformationsgedenken von der Firma Degussa geprägt wurden (in wessen Auftrag überhaupt?), Zahngold von ermordeten Juden enthalten sein kann - denn Gold ist ewig beständig uns seine Herkunft ist kaum zu ermitteln -, erscheint einem wie ein elender Traum und nicht als evangelische Wirklichkeit 2017, die es leider ist.

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