Noch einmal „Stolpersteine“

Ich schrieb schon einmal meine Gedanken über die Stolpersteine, die hier und da vor Häusern im Inland, aber auch im Ausland verlegt sind. Vor Kurzem bekam ich eine Einladung zu einer „Stolpersteinverlegung“ in der Schönhauser Allee in Berlin. An einem Sonntag Vormittag waren vor dem Haus, aus dem 1942/43 fünf Juden deportiert worden sind, etwa 20 Personen versammelt. Der Meister, Gunter Demnig, höchstpersönlich war angereist, samt seinem Hut. Er hatte einen Gehilfen, der ihm Handreichungen machte. Fünf goldene Messingsteine lagen bereit. Pflastersteine wurden herausgenommen, darunter wurden 2 Vertiefungen gemacht, eine für 3 Steine, eine für 2 Steine. Dann wurden die Messingsteine eingesetzt, mit Erde und kleinen Steinen festgesteckt. Das Ganze dann festgeklopft und mit Reinigungsmittel übergeputzt. Während der Arbeit und am Schluss der Versammlung war ein Saxophonspieler zu hören. Nun dankte die Initiatorin den Verlegern, hielt eine kleine Rede an die Anwesenden und verlas die Lebensläufe derjenigen, für die die Stolpersteine gelegt waren. Ein Zahnarzt war dabei, der ab 1933 nur noch Juden behandeln und sich nicht mehr Zahnarzt nennen durfte. Zwei Schwägerinnen, die nach dem Tod des einen Ehemannes zusammengezogen waren. Und noch ein Ehepaar.

Meister-mit-Hut

Der Initiatorin sah man ihre Ernsthaftigkeit und auch ihre Aufregung an. Die Stimmung war verhalten und nachdenklich. Wie immer bei solchen Gelegenheiten bemerke ich, wie rundherum der Verkehr fließt, die normale Straßengeschäftigkeit, und wie es eigentlich nur sehr wenige Leute sind, die am Gedenken teilnehmen. Was auch immer ihre Beweggründe sein mögen. Beurteilen kann man die Teilnehmer sowohl am Stolpersteinlegen oder an Gedenkveranstaltungen erst, wenn sie sich zum aktuellen Geschehen zu Israel und zu der Situation der Juden heutzutage äußern.

Rosen-Stst

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