Martin Schulz III

In diesem Beitrag geht es fast nicht um Martin Schulz, sondern darum, wie Antisemitismus üblicherweise transportiert wird. Martin Schulz wurde vor ein paar Tagen erwartungsgemäß zum Spitzenkandidaten der Sozialdemokraten für das europäische Parlament gewählt. In diesem Zusammenhang hörte ich nicht nur einmal, sondern mehrere male in Nachrichtensendungen: " .....er kann auch unbequem sein, z. B. hat er eine Rede vor der Knesset gehalten und sich nicht gescheut, die Siedlungspolitik der Israeli zu kritisieren. Er sagte in seiner Rede ( Originalton): "Wie kann es sein, dass Israelis 70 Liter Wasser am Tag benutzen dürfen und Palästinenser nur 17 ?" (dann folgte Tumult in der Knesset).

Hier kann man tatsächlich sagen: Eine Lüge wird so lange wiederholt, bis sie zur Wahrheit wird. Wenn M.S. etwas Kritisches zu den Siedlungen gesagt hätte, dann wäre es angebracht und auch legitim, diesen Text in die Berichterstattung einfließen zu lassen. Aber nein, die falschen Zahlen zum Wasser werden immer und immer wiederholt, obwohl es genug Möglichkeiten gibt, sie vor einer solchen Meldung zu hinterfragen. Die Literzahlen des Wassers sind auch längst geklärt. Palästinenser haben ausreichend Wasser, und wenn die Literzahlen der Israeli weit höher sind, so liegt das daran, dass die Berechnung dazu kompliziert und komplex ist und Landwirtschaft, Bewässerung und ein sehr marodes Wassersystem im Westjordanland die Berechnung beeinflussen.

Es kann also kein Zufall und kein Versehen sein. Nachrichtensendungen werden sehr bewusst zusammen gestellt. Um es noch einmal zu wiederholen und klar herauszustreichen: Martin Schulz hat bewusst oder unbewusst vor dem israelischen Parlament gesagt, dass Israeli den Palästinensern die elementaren Lebensgrundlagen vorenthalten. Nachdem von mehreren Seiten her geklärt ist, dass diese Behauptung falsch ist, wird in deutschen Nachrichtensendern der Name Martin Schulz zum Anlass genommen, seine falschen Zahlen immer weiter zu kolportieren, indem man einfach seine Rede zitiert und ihn genau in dem Punkt, wo er nicht glaubwürdig ist, als glaubwürdigen Zeugen darstellt.
Uli D. - 2. Mär, 22:04

Perpetuum antisemite

Es ist kein Zufall und kein Versehen – so funktioniert Antisemitismus. Ich bin weit davon entfernt, die Demokratie in Deutschland gering zu schätzen. Und doch, ich mache mir nicht viele Hoffnungen, dass allzu viele Menschen gegen einen neuen aktiven Antisemitismus eintreten würden. Für tote Juden würde man sich mittlerweile zweifelsohne engagieren und meint das sicher auch aufrichtig, aber „was Israel da macht geht ja gar nicht.“ und das Ganze endet dann folgerichtig mit: „Die sind ja (fast) so schlimm wie …“ bzw. abgeschwächt "... man wird doch wohl noch ..."

Diese ebenso schlichte wie geschichtslose und unpolitische Haltung kommt nicht vom Kopf sondern aus dem Bauch raus. Sie ist einfach da, hat sich lange genug verstecken müssen. Grundlage für obige Einschätzung ist die weitverbreitete Haltung gegen Israel. „Israelkritik“ ist quasi der Normalzustand, die Grundlage, der kleinste gemeinsame Nenner. Es gibt kein Gebiet, mit vergleichbar hoher Spezialistendichte. Ich bin schon erstaunt, wenn ich mal eine neutrale Haltung vorfinde.

Diese „Denke“ findet sich aber nicht nur beim Nachbarn nebenan sondern auch bei Politikern wie Martin Schulz. Wen wundert’s? Das sind schließlich auch nur Menschen. ;-)

anne.c - 4. Mär, 09:16

Ja, das sehe ich ähnlich. Unter anderem schreibe ich diesen Blog, um dem Phänomen Antisemitismus (u.a.) auf die Spur zu kommen. Am 26.1.12 schrieb ich über verwandte Anti-ismen, die alle dieselbe Wurzel haben. Ich denke, der Antisemitismus (samt seinen "Brüdern") ist nicht trotz des Holocausts, sondern wegen des Holocausts wieder verbreitet. Eine sich selbst erfüllende Prophezeiung! Nur wenn man sich das klar macht, kann man etwas dagegen tun!

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