Ich habe es geahnt,

dass der fanatische Antisemitismus weniger von den „normalen“ Menschen ausgeht, sondern dass Intellektuelle, Politiker, Studenten, Künstler, Medienschaffende die treibenden Kräfte sind. Ähnliches hatte ich in den Erinnerungen von Nadeshda Mandelstam gelesen, die diese Beobachtungen in der damaligen Sowjetunion machte.

So konnte man interessante Beobachtungen beim diesjährigen Eurovision Song Contest in Malmö machen. Zuerst erlebte man antisemitischen Massen, die aus dem ganzen Land und aus den Nachbarländern angekarrt worden waren! Wie viele es waren, wie sie ihren Hass und ihre Verachtung gegenüber Israel äußerten! Wie ihre soziale Zusammensetzung war, weiß ich nicht, es werden sicher viele arabische Menschen und viele Studenten dabei gewesen sein. Die Menge der Leute, die behauptete, für eine gute Sache zu kämpfen, hatte keine Scham, sich auf ein einzelnes junges Mädchen zu stürzen, sie zu drangsalieren, ihr ihren Aufenthalt in Malmö zur Hölle zu machen. Die Haltung von Eden Golan, die trotz aller Boykottbemühungen scheinbar unbeirrt ihre Darbietung vortrug, war bewundernswert.

Aber dann kam die große Überraschung. Das „normale Publikum“, die Fernsehzuschauer, die ihre Wertung abgaben, boykottierte Eden Golan überhaupt nicht. Sie waren ganz auf ihrer Seite, sie gaben eine Punktwertung ab, die weit über dem Durchschnitt lag. Trotz einer benachteiligenden Jurywertung belegte Eden Golan den 5. Platz.

Wie ist die Diskrepanz zwischen Zuschauerwertung und der boykottierenden Menge zu erklären? Es wurden immerhin so viel oder mehr Zuschauerwertungen registriert, wie man normalerweise bei Meinungsumfragen vornimmt. Ich kann es nur so erklären, dass der Durchschnittsbürger mit den hetzenden und hasserfüllten Demonstranten nichts zu tun haben möchte und das durch sein Votum zur Kenntnis gibt. Es muss eine bestimmte Kaste, leider sind es die Meinungsmacher, überall auf der Welt geben, die sehr laut den Ton angeben. Die Mehrheit denkt nicht so und ist zumindest indifferent.

Das ist jetzt nur ein geringer Trost, wenn man die Lage in Israel sieht, und wenn man erlebt, mit welcher unfairen, lügenhaften, Tatsachen verdrehenden Haltung die „Meinungsmacher“ der Welt ihre Ansichten über den Gaza-Krieg verbreiten. Doch das Votum der Zuschauer vom ESC sehe ich als ein kleines Hoffnungszeichen.

Im Luftreich des Traums

gegen Ideologien

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