Holocaustgedenktag 2015

Schon wieder ist ein Jahr vorüber und der Holocaustgedenktag 2015 naht unüberhörbar. Aus meiner Sicht ein unseliger Gedenktag. Viel zu viele fühlen sich bemüßigt, etwas dazu zu sagen, was sie weder interessiert noch wozu sie eine innere Beziehung empfinden.

Ähnliche Gedanken gingen mir durch den Kopf, als ich zwei verschiedene kirchliche Wochenblätter studierte. Es entstand der Eindruck, als hätte zwischen beiden eine Absprache stattgefunden. Eher wird es aber so sein, dass in beiden der identische deutsche evangelische Geist seine Stimme erhob. Zum 70. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz waren nämlich beide zu dem Ergebnis gelangt, dass es ungesund seit, zu viel an Auschwitz zu denken. Der eine Artikel trug die große Überschrift: "Zu viel Holocaustgedenken ist nicht gesund" und der zweite hieß: "Ich müsste irgendwie trauriger sein". Unfreiwilligerweise gaben mir in meinen Überlegungen genau diese Artikel Recht.

Man kann über den Holocaust unter den verschiedensten Aspekten nachdenken, und auch die Frage nach dem "zu viel" bzw. "zu ritualisiert" oder was auch immer stellen. Wenn ich mir aber vorstelle, dass die Befreiung des KZ Auschwitz genau 70 Jahre zurück liegt, dann ist es so, dass eine runde Zahl immer eine besondere Aufmerksamkeit bedingt. Die Zahl 70 bedeutet im Judentum sehr viel. Im Allgemeinen bezeichnet man sie als ein Menschenleben. Und kirchliche Zeitungen haben nichts Besseres zu tun, als den Kummer von Jugendlichen auszubreiten, die nicht genügende Traurigkeit in einem KZ oder am Holocaustmahnmal empfinden können. Oder sie vollbringen das Paradoxon, den Lesern zu verkünden, dass das Gedenken, das eben gerade vollzogen wird, ungesund sei.

Im Luftreich des Traums

gegen Ideologien

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