Ein Abend mit Sarah Maria Sander,

schon vor einiger Zeit hatte ich mich zu einem Vortragsabend von Sarah Maria Sander angemeldet, der das Thema „Der Nahostkrieg in den öffentlichen Medien“ zum Inhalt hatte. Der Vortrag fand im jüdischen Gemeindehaus in Berlin statt, veranstaltet von der deutsch-israelischen Gesellschaft. Wie erstaunt war ich, als ich genau am Tag der Veranstaltung in der Zeitung las, dass die Schauspielerin (und Journalistin) S.M. Sander von einem großen Filmprojekt ausgeschlossen worden war. Sie hätte sich in einem eigenen Filmprojekt zu „israelfreundlich“ geäußert, es hätte Beschwerden über sie gegeben. Man hätte Sorge, dass der Film von Festivals ausgeschlossen würde, wenn die Hauptdarstellerin und gleichzeitig Co-Autorin des Drehbuchs israelfreundlich wäre. Sie hätte auch unkollegiale Kritik an den Kulturschaffenden geübt, die von Bundeskanzler Merz einen Stopp von Waffenlieferungen an Israel gefordert hatten.

Sander

Das muss man sich „auf der Zunge zergehen lassen“. Gerade noch klangen die Reden anlässlich des Holocaustgedenktages in den Ohren. Wie ergriffen waren sie alle von der Rede Tova Friedmanns und von den kämpferischen Worten Julia Klöckners. Der Holocaustgedenktag wird geradezu zelebriert in einer Weise, von der ich den Eindruck habe, die Mitwirkenden sind gerührt über sich selbst. Zu welch ergriffenem Gedenken sie in der Lage sind! Der Bundespräsident gehört auf jeden Fall auch zu den von sich selbst Ergriffenen. Dabei denke ich, dass sogar viele Teilnehmer der Gedächtnisfeier es ernst nehmen mit dem, was sie sagen. Doch scheint es mir immer, eine Lücke zur Realität zu geben.

Die Lücke wird gefüllt mit Umdeuten, Relativieren, Umbenennen. (Man muss z.B. immer den Begriff „Nazis“ anwenden, wenn von Untaten damals die Rede ist, denn „Nazis“ waren immer ganz andere: verschwommene schlimme Gestalten, die nichts mit uns zu tun hatten).

Wie ist das denn mit Sarah Maria Sanders? Eine kleine Schar von Menschen regt sich darüber auf, wie sie behandelt wurde, aber wo bleibt der große Aufschrei derjenigen, die ständig „Erinnern und Aufklären“ fordern? „Dem Antisemitismus entschlossen entgegentreten“? Das löst man wahrscheinlich, indem man sagt, dass die Ausgrenzung von SMS eben kein Antisemitismus wäre. Sie hat sich nur zu sehr für Israel eingesetzt, und was hat Israel wohl mit Antisemitismus zu tun?

Und was hat der öffentlich rechtliche Rundfunk mit Antisemitismus zu tun? Sehr viel, und davon gab SMS auf dieser Veranstaltung sehr überzeugend Kenntnis. Viele Nachrichtenüberschriften zeigte sie, Falschinformationen, die nur halbherzig oder gar nicht berichtigt wurden. Das Gleichsetzen von Israel und der Hamas, das sich Beziehen auf die palästinensische Gesundheitsbehörde, das Verschweigen von Hintergrundinformationen, obwohl diese zum Verständnis gehört hätten. Gleichsetzung von terroristischen Mördern mit Geiseln.

Da ich in den Monaten die Berichterstattung in den ö. r. Medien verfolgt hatte, konnte ich dem Vortrag nur zustimmen. Interessant war die Tatsache, dass es im Verlauf des Gazakrieges eine Meinungsumfrage gab, aus der hervorging, dass das deutsche Fernsehpublikum der Ansicht wäre, dass die Medien viel zu positiv über Israel berichten würden. Das bestätigen ja auch Aussprüche, Plakate bei propalästinensischen Demonstrationen, die besagten, dass der deutsche Staat Komplize Israels wäre, dass er sich „mitschuldig“ mache usw. Ob das wohl bedeuten soll, dass der deutsche Staat viel strenger und rigoroser mit Israel umgehen soll? Also, wenn nicht 100 % die palästinensische Sicht, dann ist man schon zu “positiv“.

Der Vortrag war jedenfalls höchst informativ. Frau Sander berichtete noch kurz über die Kündigung, die sie beim Film erhalten hat. Das Publikum im Gemeindehaus war ihr wohlgesonnen, stellte noch einige Fragen bzw. gab Statements ab und dankte ihr.

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