Zwei "Kriegstafeln"
In einer westdeutschen Kleinstadt sind in einer Trauerhalle zwei Tafeln angebracht. Tafeln, die niemanden auffallen, da es sie wohl in jeder Kleinstadt gibt. Da ich in der DDR aufgewachsen bin, irritierten mich nach der „Wende“ die allgegenwärtigen Kriegergedenktafeln an öffentlichen Plätzen und in Kirchen mit den Namen der gefallenen Soldaten der jeweiligen Stadt. Es war in der DDR nicht üblich, solche Tafeln aufzustellen, insbesondere nicht für gefallene Soldaten des zweiten Weltkriegs. Nichts war in ostdeutschen Kirchen nach der Vereinigung so schnell vorhanden, wie die Kriegertafeln der gefallenen 2. Weltkriegssoldaten.
Diese Tafeln lehne ich strikt ab, was haben Tafeln, die den Krieg verherrlichen, mit der christlichen Botschaft zu tun, was haben sie in Kirchen zu suchen? Denn immerhin: wenn Tafeln öffentlich angebracht sind, werden die gefallenen Soldaten damit identifiziert, wofür dieser Krieg stand (selbst wenn sie sich im Einzelfall überhaupt nicht identifizieren wollten): für grundlosen Überfall auf Länder, für Schreckensherrschaft über die Einwohner jener Länder, für bestialische Ausrottung der Juden und vieles Schlimme mehr. Wenn jemand einen nahen Verwandten im Krieg verloren hat, so sollte er privat um ihn trauern, möglicherweise mit einer Gedenktafel auf dem Friedhof und nicht seinen armen Verwandten auf einer Tafel mit Mördern gleichstellen.
Das eigentlich Interessante sind jedoch die Aufschriften auf den Tafeln. Da ist nichts davon vorhanden, was man in öffentlichen Reden, in Bundespräsidentenreden, in „Versöhnungsreden“ hört. Da stehen Texte, wie sie einfach dem Geist des Schöpfers entsprungen sind oder dem Geist der Öffentlichkeit.

So war hier eine prachtvolle Tafel mit vielen Namen, alles in Gold mit der Aufschrift:
SIE STARBEN, IHR GEIST ABER LEBT – EIN EWIGER MAHNER ZUM FRIEDEN
Da frage ich mich: welcher Geist? Was war der Geist, unter dem sie umgekommen sind? Was bedeutet „ewiger Mahner zum Frieden?“ Damals, als sie umkamen, herrschte der Geist, dass der „ewige Frieden“ eintreten wird, wenn Deutschland die „ganze Welt“ beherrscht.
Wenn man als Betrachter der pompösen Tafel sich umdrehte, entdeckte man unauffällig, grau in grau, mit verwitterten Buchstaben, die man kaum entziffern konnte, eine Tafel, auf der des „Leidens und Sterbens unserer jüdischen Mitbürger“ gedacht wurde. Kein Name, von „Geist“ war keine Rede.
Merkt es denn niemand, welche Diskrepanz da besteht? Und wie diese beiden Tafeln Sinnbild dessen sind, was man so großartig als „Vergangenheitsbewältigung“ bezeichnet.

Diese Tafeln lehne ich strikt ab, was haben Tafeln, die den Krieg verherrlichen, mit der christlichen Botschaft zu tun, was haben sie in Kirchen zu suchen? Denn immerhin: wenn Tafeln öffentlich angebracht sind, werden die gefallenen Soldaten damit identifiziert, wofür dieser Krieg stand (selbst wenn sie sich im Einzelfall überhaupt nicht identifizieren wollten): für grundlosen Überfall auf Länder, für Schreckensherrschaft über die Einwohner jener Länder, für bestialische Ausrottung der Juden und vieles Schlimme mehr. Wenn jemand einen nahen Verwandten im Krieg verloren hat, so sollte er privat um ihn trauern, möglicherweise mit einer Gedenktafel auf dem Friedhof und nicht seinen armen Verwandten auf einer Tafel mit Mördern gleichstellen.
Das eigentlich Interessante sind jedoch die Aufschriften auf den Tafeln. Da ist nichts davon vorhanden, was man in öffentlichen Reden, in Bundespräsidentenreden, in „Versöhnungsreden“ hört. Da stehen Texte, wie sie einfach dem Geist des Schöpfers entsprungen sind oder dem Geist der Öffentlichkeit.

So war hier eine prachtvolle Tafel mit vielen Namen, alles in Gold mit der Aufschrift:
SIE STARBEN, IHR GEIST ABER LEBT – EIN EWIGER MAHNER ZUM FRIEDEN
Da frage ich mich: welcher Geist? Was war der Geist, unter dem sie umgekommen sind? Was bedeutet „ewiger Mahner zum Frieden?“ Damals, als sie umkamen, herrschte der Geist, dass der „ewige Frieden“ eintreten wird, wenn Deutschland die „ganze Welt“ beherrscht.
Wenn man als Betrachter der pompösen Tafel sich umdrehte, entdeckte man unauffällig, grau in grau, mit verwitterten Buchstaben, die man kaum entziffern konnte, eine Tafel, auf der des „Leidens und Sterbens unserer jüdischen Mitbürger“ gedacht wurde. Kein Name, von „Geist“ war keine Rede.
Merkt es denn niemand, welche Diskrepanz da besteht? Und wie diese beiden Tafeln Sinnbild dessen sind, was man so großartig als „Vergangenheitsbewältigung“ bezeichnet.

anne.c - 23. Feb, 11:43
