Meine Erinnerungen an Yaakov (Teil 4)
Eine berührende Episode kann ich noch erzählen. Nach Yaakov ersten Besuch in Rostock erschien ein kleiner Artikel darüber in der Lokalzeitung. Zwar hatte Yaakov einen anderen Namen als damals, aber eine Frau wurde doch darauf aufmerksam und meinte, dass das kein anderer als der A.Z. aus Rostock sein muss. Die noch lebende Mutter dieser Frau war einst Kindermädchen bei der Familie Z. gewesen und hat die Familie treu und zärtlich geliebt, bis die Nürnberger Gesetze sie zwangen, ihre Stellung aufzugeben. Die Tochter veranlasste dann ein Treffen zwischen dem ehemaligen Kindermädchen und ihrem Schützling, und das war eine sehr emotionale Begegnung.
Nach der Wende begann eine lebhafte Reisetätigkeit; diesmal in die andere Richtung. Viele Rostocker, die Yaakovs Vorträge gehört hatten, pilgerten in Gruppen oder einzeln nach Israel. Auch ich fuhr mit einer Reisegruppe nach Israel und ließ mich da für einen Tag beurlauben, um Yaakov in seinem Kibbuz zu besuchen. Ich sehe ihn noch vor mir, wie er in der prallen Sonne an der Bushaltestelle stand, um mich abzuholen. Im Kibbuz war es dann gar nicht mehr so heiß, denn der war wie ein großer Park voller Bäume. Und in dem kleinen Gästezimmer, wo ich übernachtete, weckte mich morgens ein durchdringendes Vogelgezwitscher.
Yaakov hat noch viel späte Genugtuung erlebt. Seine Geburtsstadt, in der er einst so schmählich behandelt wurde, machte ihn zum Ehrenbürger. Von der Universität Rostock erhielt er die Ehrendoktorwürde. Eine restituierte Villa wurde zu einer Begegnungsstätte für jüdische Kultur, und Yaakov war dort im Vorstand sehr aktiv. Viele Vorträge, Gesprächsabende, Konzerte und Feste wurden dort gehalten und haben dazu beigetragen, dass sich Menschen mit der jüdischen Vergangenheit und mit dem Schicksal der einstigen Mitbürger im Besonderen beschäftigt haben. Wie es jeder Einzelne für sich aufnimmt und verarbeitet, ist dann seine Sache, aber die Gelegenheit dazu hat er durch solche Menschen wie Yaakov.
Yaakov hat bis 2013 gelebt. So schön sich auch das Schicksal von Yaakov gestaltet hat, der Gedanke an diejenigen, denen es nicht möglich war: zu überleben und Zeugnis zu geben, schwingt bei den Erinnerungen mit.
Nach der Wende begann eine lebhafte Reisetätigkeit; diesmal in die andere Richtung. Viele Rostocker, die Yaakovs Vorträge gehört hatten, pilgerten in Gruppen oder einzeln nach Israel. Auch ich fuhr mit einer Reisegruppe nach Israel und ließ mich da für einen Tag beurlauben, um Yaakov in seinem Kibbuz zu besuchen. Ich sehe ihn noch vor mir, wie er in der prallen Sonne an der Bushaltestelle stand, um mich abzuholen. Im Kibbuz war es dann gar nicht mehr so heiß, denn der war wie ein großer Park voller Bäume. Und in dem kleinen Gästezimmer, wo ich übernachtete, weckte mich morgens ein durchdringendes Vogelgezwitscher.
Yaakov hat noch viel späte Genugtuung erlebt. Seine Geburtsstadt, in der er einst so schmählich behandelt wurde, machte ihn zum Ehrenbürger. Von der Universität Rostock erhielt er die Ehrendoktorwürde. Eine restituierte Villa wurde zu einer Begegnungsstätte für jüdische Kultur, und Yaakov war dort im Vorstand sehr aktiv. Viele Vorträge, Gesprächsabende, Konzerte und Feste wurden dort gehalten und haben dazu beigetragen, dass sich Menschen mit der jüdischen Vergangenheit und mit dem Schicksal der einstigen Mitbürger im Besonderen beschäftigt haben. Wie es jeder Einzelne für sich aufnimmt und verarbeitet, ist dann seine Sache, aber die Gelegenheit dazu hat er durch solche Menschen wie Yaakov.
Yaakov hat bis 2013 gelebt. So schön sich auch das Schicksal von Yaakov gestaltet hat, der Gedanke an diejenigen, denen es nicht möglich war: zu überleben und Zeugnis zu geben, schwingt bei den Erinnerungen mit.
anne.c - 23. Jan, 12:11
