Meine Erinnerungen an Yaakov (Teil 3)
Von der Begegnung mit Yaakov war ich so beeindruckt, dass ich mich hinterher mit ihm unterhielt und ihn um seine Adresse bat. Ich schrieb ihm einen Brief und bekam auch eine Antwort. Wie es der Zufall wollte, waren wir etwa ein halbes Jahr später in Wismar, wo gerade ein Vortrag von Yaakov angekündigt war, der in der Zeit recht oft in die DDR, d.h. in seine frühere Heimat reiste. Der Pfarrer in Wismar kannte uns und bat, ob wir nicht eine Stadtführung mit Yaakov machen könnten. Gern nahmen wir diese Gelegenheit wahr. Wir stellten uns Yaakov vor und erzählten ihm, dass wir in Stralsund schon einmal bei einer Veranstaltung von ihm waren. Er sagte: „Nach meinem Vortrag in Stralsund habe ich so einen interessanten Brief von einer Frau bekommen“. Ich sagte: Das war ich“.
So ergab sich eine Korrespondenz, man kann sagen, eine Freundschaft mit Yaakov. Er kam nun immer wieder in die DDR und knüpfte viele Kontakte. Das vielleicht erhebendste Erlebnis war, dass er die „Wende“ in seiner Heimatstadt Rostock miterlebte. Kurz vor der Wiedervereinigung der deutschen Staaten wurde er nach seiner Meinung dazu gefragt. Er sagte: „Ich wünsche, dass alles glücklich gelingt, dass der Staat prosperieren wird, denn wenn etwas misslingt, dann wird man anfangen, nach Sündenböcken zu suchen“.
Zwei mal habe ich Yaakov in seinem Kibbuz besucht. In diesem religiösen Kibbuz war nicht wie in anderen Kibbuzim der Speisesaal der Mittelpunkt des Ortes, sondern die Synagoge. Als man die Synagoge vor Jahren baute, konnte man Fragmente einer antiken Synagoge frei legen, die seit Jahrhunderten verborgen war. Diese Fragmente schmücken jetzt den Vorplatz der Synagoge.

Einen Speisesaal gab es natürlich auch, und dort hatte ich ein eindrückliches Erlebnis. Zu uns an den Tisch kam eine ältere Frau, begrüßte mich und setzte sich. Es war Yaakovs Schwägerin. Bei der Begrüßung hatte ich bemerkt, dass auf ihrem Unterarm eine eintätowierte Nummer war. Es war das erste mal, dass ich so eine Nummer sah, und es erschütterte mich so, dass ich kaum zu mir kam.
(Fortsetzung folgt)
So ergab sich eine Korrespondenz, man kann sagen, eine Freundschaft mit Yaakov. Er kam nun immer wieder in die DDR und knüpfte viele Kontakte. Das vielleicht erhebendste Erlebnis war, dass er die „Wende“ in seiner Heimatstadt Rostock miterlebte. Kurz vor der Wiedervereinigung der deutschen Staaten wurde er nach seiner Meinung dazu gefragt. Er sagte: „Ich wünsche, dass alles glücklich gelingt, dass der Staat prosperieren wird, denn wenn etwas misslingt, dann wird man anfangen, nach Sündenböcken zu suchen“.
Zwei mal habe ich Yaakov in seinem Kibbuz besucht. In diesem religiösen Kibbuz war nicht wie in anderen Kibbuzim der Speisesaal der Mittelpunkt des Ortes, sondern die Synagoge. Als man die Synagoge vor Jahren baute, konnte man Fragmente einer antiken Synagoge frei legen, die seit Jahrhunderten verborgen war. Diese Fragmente schmücken jetzt den Vorplatz der Synagoge.

Einen Speisesaal gab es natürlich auch, und dort hatte ich ein eindrückliches Erlebnis. Zu uns an den Tisch kam eine ältere Frau, begrüßte mich und setzte sich. Es war Yaakovs Schwägerin. Bei der Begrüßung hatte ich bemerkt, dass auf ihrem Unterarm eine eintätowierte Nummer war. Es war das erste mal, dass ich so eine Nummer sah, und es erschütterte mich so, dass ich kaum zu mir kam.
(Fortsetzung folgt)
anne.c - 17. Jan, 21:19
