Montag, 27. Juli 2026

Nicht: Was ist das für ein Volk? sondern: Warum der Hass?

Es ist schon lange her, als ich zu einer Freundin kam, die gerade beim Lesen war. Sie sagte: „Ich lese jetzt das Buch „Die Quelle“. Denn ich möchte wissen, was das für ein Volk ist, das überall auf der Welt den Hass der Umgebung auf sich zieht?“ Leider war ich nicht imstande, darauf zu antworten, und wir haben auch nicht wieder über das Buch gesprochen. Soviel ich weiß, ist es eine Mischung aus Roman und archäologischem Sachbuch, das die Ursprünge Israels erforscht. Ich nehme an, dass es mehr Zufall war, dass meine Freundin gerade an dieses Buch geraten ist, eine Antwort auf ihre Frage wird sie daraus nicht erhalten haben.

Mir wurde bewusst, dass genau in dieser Frage, die sie sich oder anderen stellen, ein ganzes Weltbild steckt: Hass ist eine zwingende Folge von etwas zu Ergründendem. Der Hass ist entschuldbar, weil er provoziert wurde. Hätte ich damals schon mehr nachgedacht, hätte ich mit einer Gegenfrage geantwortet: „Warum hassen Menschen andere Menschen, ohne dass diese ihnen etwas angetan haben, so sehr dass sie sie verfolgen, diskriminieren, umbringen?

Wenn man diese Gedanken weiter denkt, gelangt man zu den Grundpositionen:

Der Mensch ist gut. Böse können die Verhältnisse sein, und wenn sich der Mensch nicht gut verhält, dann liegt es an dem Bösen, das ihn provoziert hat.

Oder: Der Mensch ist zu allem Bösen fähig, er sollte sich und das, was in ihm „schlummert“, kennen, sich bewusst damit auseinandersetzen und die Regeln des menschlichen Zusammenlebens annehmen, weil das im Endeffekt auch ihm nützlich ist.

Bei der ersten These muss man davon ausgehen, dass derjenige, der zu dem Urteil „der Mensch ist gut“ kommt, sich selbst in der Position des Subjekts sieht, d. h. er und Seinesgleichen sind jene, die er als Menschen bezeichnet. Und diejenigen, die „das Böse“ darstellen, werden als Menschen nicht in Betracht gezogen. Wenn jemand den Satz ausspricht: „Was ist das für ein Volk, das den Unmut etc. auf sich zieht…?“, sieht er die Juden nicht als Menschen an. Sie sind Objekte, die den guten Menschen zu schlimmen Taten veranlassen. Er sieht sie nicht nur als jene die „das Böse herausfordern“, sondern er hält sie auch verantwortlich dafür, dass „der gute Mensch“ etwas Böses überhaupt tut. Diese Denkweise birgt einen unentrinnbaren Teufelskreis in sich, der von Dialektikern aller Art gern angenommen wird.

Es ist eigentlich nur ein winziger Gedankensprung von der Frage: „Was sind das für Menschen, die den Hass auf sich ziehen….“ zu „Warum sind Menschen so zum Hass fähig?“ Diese Frage wird in der Regel ignoriert, es ist geradezu eine Tabufrage. Wenn man dieser Frage nicht nachgeht, hat man sich schon auf die falsche Spur begeben mit allen tragischen und schlimmen Folgen.

Montag, 20. Juli 2026

Das Lager Svatobořice

Im 2. Weltkrieg errichteten die deutschen Besatzer- so wie an unzähligen anderen Orten in Europa – das kleine Arbeitslager Svatobořice. Dort waren Angehörige der Soldaten, die in Auslandsarmeen gegen die Besatzung kämpften inhaftiert, auch die Familien, deren Angehörige als Widerstandskämpfer hingerichtet worden waren. Man benutzte das Lager auch als Sammel- und Durchgangslager für Juden, bevor sie in die Vernichtungslager transportiert wurden.

Auf dem Gelände des Lagers ist eine kleine Gedenkstätte errichtet worden. Man kann vorher anrufen und um eine Führung bitten, und zwei mal in der Woche ist eine Führerin bereit, Besucher zu empfangen. Eine von 4 Baracken, die immer noch für industrielle Zwecke dienen, ist als Museum hergerichtet. Im Eingangsbereich war eine Wand mit einer Collage aus dem Lageralltag gestaltet, unter anderem sah man die Aufschrift „Judenbaracke“. Ich hielt diese Aufschrift für Phantasie, bis ich auf einer Tafel mit Fotos tatsächlich ein großes Schild „Judenbaracke“ entdeckte. Die Juden bekamen weniger Nahrung und mussten die schwersten und schmutzigsten Arbeiten verrichten. Sie wurden so gequält, dass einige schon vor ihrem Abtransport starben. Warum? Was hatten diese Menschen getan, dass sie von anderen Menschen, die sie nicht kannten, die nichts von ihnen wussten, zu Tode gemartert wurden? Das ist durch nichts zu erklären.

Svatoborice

Man sagt: „Wir haben aus der Geschichte gelernt“ Warum stellt man sich heute an die Seite von Menschen, die eben solches wieder tun oder tuen möchten. Nach dem 7.10.2023 war von Hamasführern zu hören, dass sie diesen Angriff immer und immer wiederholen werden. Auch auf deutschen Straßen war so etwas zu hören. Warum lässt die deutsche Regierung, die angeblich „aus der Geschichte gelernt“ hat, Sprechchöre jener Art zu? Warum wird in deutschen Medien, ob in der Presse oder im Fernsehen und Rundfunk, ein bösartiges Bild über Israel, also über die Juden, gezeichnet? Es ist eindeutig, dass es Araber (Syrer, Palästinenser) gibt, die ihren Vernichtungswillen gegen Israel kundtun. Und ihn auch bewiesen haben. Wer da ein Bild zeichnet, dass „einer so schlimm wie der andere“ ist, der stellt sich auf die Seite des Terrors.

Die Führerin durch das Lagermuseum Svatobořice hielt uns einen profunden Vortrag. Sie wusste über jedes Detail Bescheid. Natürlich war sie ein Nachkriegskind, aber sie kam aus dem Dorf und erzählte, dass sie in den leeren Baracken als Kinder herumgetobt waren. In dem Dorf Svatobořice spielt das Lager nicht so eine große Rolle. Sportvereine und Musikkapellen prägen das kulturelle Leben des Ortes. Aber es ist gut, dass es ein Gedenken an Vergangenes gibt, dass die Vorstellung da ist, zu welchen Ungeheuerlichkeiten Menschen fähig sind.

Sonntag, 12. Juli 2026

Israel als Helfer bei Erdbeben

Gut kann ich mich noch erinnern, dass im Februar 2023, also noch vor dem Terrorangriff der Hamas auf Israel in der Türkei und in Nordsyrien ein schreckliches Erdbeben war. Es soll das schwerste Erdbeben in der Türkei überhaupt gewesen sein, mehr als 50 000 Menschenleben waren zu beklagen.

Eine der ersten Rettungsmannschaften, die zur Hilfe eilten, kam aus Israel. Sie brachten Sanitäter, Spürhunde, Hilfsmaterial, Räumgeräte und haben viele Tage uneigennützig geholfen. Dass die Türkei sich schon seit langem sehr unfreundlich gegen Israel verhielt, hinderte nichts an der Hilfe.

Was ist nun von Seiten der Türkei über Israel zu hören? „Die israelische Regierung sind die Nazis der heutigen Zeit, die humanitäre Verbrechen in Gaza begehen“ „Israel ist der Feind der Menschheit“. Die Hamasleute, die friedliche Israeli, kleine Kinder und Babys geradezu abgeschlachtet haben, sind für Erdogan „Freiheitskämpfer“. Er drohte an, sich in die Kämpfe um Gaza einzumischen.

Was soll man dazu sagen? Das berühmte „Krieg ist Frieden“ „Freiheit ist Sklaverei“ von George Orwell fällt als erstes ein. Auf so dreiste Weise die Wahrheit verdrehen, wie ist das möglich? Wie sich Erdogan verhält, das ist frech, impertinent und auch undankbar. Leider gibt er auch anderen, die seines Geistes sind, ein Vorbild. Die Orwellsche Formel hat sich mal wieder durchgesetzt.

Ein Erdbeben gibt es nun wieder. Auch in einem Land, das Israel nicht wohlgesonnen ist. Im Jahr 2009 hat Venezuela unter seinem damaligen Präsidenten Hugo Chavez die Beziehungen zu Israel abgebrochen. Ich war gespannt, ob Israel wieder helfen wird, nach den Erfahrungen, wie die meisten Länder, einschließlich Venezuela, Israel als „Völkermörder“ angeklagt haben und welchen „Dank“ es geerntet hat von denjenigen, denen es geholfen hat. Doch die Hilfe erfolgte wieder. Israel schickte wieder eine Rettungsmannschaft und sehr viel Material und Hilfsmittel. Ungeachtet der Tatsache, dass es sich selbst in einer äußerst schwierigen Situation befindet.

Die Interimspräsidentin von Venezuela hat ihnen gedankt und sogar um weitere Hilfe gebeten. Ich hoffe sehr, dass diesmal die Hilfe besser geschätzt wird und dass ein bisschen Umdenken erfolgt bei den Ländern, die behaupten, Israel wäre ein „Feind der Menschheit“.

Montag, 6. Juli 2026

Anlässlich der Fußballweltmeisterschaft: Das berühmte „Toooooor!“

Die gegenwärtige Fußballweltmeisterschaft ist nicht dazu geeignet, dass hier ein Reporter so frenetisch und enthusiastisch „Tooooor!“ schreit, wie einst, 1954, der Onkel des früheren grünen Politikers Ströbele, Herbert Zimmermann. Anlässlich anderer Fußballweltmeisterschaften konnte man es immer und immer wieder in Radio und Fernsehen hören, ständig wurde dieser „Toooor“-Ruf wiederholt. Jahrzehnte nach diesem Geschehen hatte die Begeisterung über dieses Tor, über den Gewinn der Weltmeisterschaft und besonders an dem Jubelschrei nicht nachgelassen.

Wenn man sich das vorstellt: 1954! Gerade 9 Jahre waren es her, dass Deutschland ganz Europa mit Mord überzogen hatte. Wie viele Millionen Waisen, Witwen, Versehrte gab es überall. Die Erinnerungen waren präsent. Die Mörder liefen umher und feierten fröhlich die Weltmeisterschaft. Man zeichnete und zeichnet es immer noch, ein Bild von einem Deutschland, das irgendwie von der Welt verachtet wurde – warum ist nicht so ganz klar -, und nun seine „Ehre“ zurückgewinnen musste.

Was war geschehen? In letzter Minute schoss ein deutscher Spieler einen Ball ins ungarische Tor. Und die Begeisterung darüber war so groß, dass die Deutschen darüber so jubelten, als hätten sie den Krieg doch gewonnen, und in Wirklichkeit glaubten sie es auch.

Sonntag, 28. Juni 2026

Dialog zwischen einem Pessimisten (P) und einem Optimisten (O)

P: Nun hat sich Trump doch über den Tisch ziehen lassen. Viele Zeitungen schreiben sogar: Trump hat verloren, der Iran hat gewonnen. Die Israeli sind maßlos enttäuscht. Und Israel durfte an dem Abkommen nicht beteiligt sein. Da habe ich an 1938 gedacht, als die Westmächte die Tschechoslowakei ohne deren Mitwirken an Deutschland verkauft haben, um eines scheinbaren Friedens willen, der zu einem gewaltigen Krieg wurde. Mir fiel der Ausdruck "Verschlimmbesserung" ein.

0: Da lagen die Dinge anders, und die Zeit war eine ganz andere. Geschichte läuft nicht so, als würde man sie am Reißbrett entwerfen oder wie man sie sich idealerweise vorstellt. Es sind erst einmal bedeutende Gefahren gebannt, die politische Landschaft im Nahen Osten hat sich grundlegend geändert. Das Atomprogramm der Mullahs ist nachhaltig gestoppt worden, und die Staaten am Golf werden sich näher an Israel anschließen, jetzt, wo sie erlebt haben, welche Gefahr der Iran ist und was Israel für Fähigkeiten hat. Dass arabische Länder Israel im Krieg gegen den Iran sogar den Luftraum geöffnet haben, und dass sie schon längst – mehr oder weniger geheim – mit Israel zusammenarbeiten, spricht für sich.

P: Ja, aber die Unsicherheit, der Fanatismus, gekoppelt mit Unberechenbarkeit, die Angriffe auf Nordisrael ……

O: Da ist immerhin ein Rahmenabkommen zwischen Libanon und Israel geschlossen worden. Die Israeli haben aus ihren Fehlern gelernt, wie sie es immer tun und werden sich sicher nicht mehr von der Hisbollah an der Nase herumführen lassen, wie es die UNO tat (oder vielleicht aktiv daran mitwirkte?) Auch denke ich, dass das iranische Regime gar nicht so homogen ist, wie es sich darstellt. Wer weiß, ob es nicht eines Tages in sich zusammenfällt. Solch starren Systeme halten nicht ewig.

P: Das habe ich auch gedacht, als ich einmal einen Film über Nordkorea sah, wie da die Leute zu entmenschlichten Aufziehpuppen getrimmt wurden. Und das war 1988! Damals dachte ich auch: so etwas kann nicht auf die Dauer funktionieren. Es funktioniert bis heute. Von Nordkorea lernt der Iran, wie fanatische Diktatoren ein Volk in Schach halten! Und wer weiß, wie sehr er ihm in der Weiterführung der atomaren Bewaffnung hilft?

O: Es hat sich so viel geändert, das kann nicht rückgängig gemacht werden. Ich sehe die Lage durchaus positiv. Es gibt (leider und manchmal auch erfreulicherweise) immer wieder Entwicklungen, die man nie für möglich gehalten hätte. Man muss nicht immer von einer augenblicklichen Situation auf das große Ganze schließen.

Die Diskussion ist unentschieden, die Zukunft wird Aufschluss geben.

Samstag, 6. Juni 2026

Psychologische Betrachtung

In irgendeinem Zusammenhang las ich über eine alte Mutter, die bei einem Gerichtsverfahren anwesend war, in dem über ihren Sohn, ein Schwerverbrecher und Mörder, geurteilt wurde. Sie musste eine Aussage machen. Sie verurteilte die Taten ihres Sohnes mit harten Worten. Dabei konnte sie es aber nicht vermeiden, ihren Sohn verliebt, zärtlich und hingebungsvoll anzuschauen.

An diese Szene denke ich, wenn in der deutschen Gesellschaft die „Taten“ der Vorfahren verurteilt werden. Gedenkstätten werden errichtet, Dokumentarfilme gezeigt, Nachkommen der Opfer geehrt, Gedenktage eingeführt, sich selbst an die Brust geschlagen, Sünden bekannt. Da höre ich im Geiste Aussprüche jener Art wie: „was sollen wir denn noch alles machen?“ oder wie Martin Walser einst den Begriff „Moralkeule“ kreierte. Das erweckt den Eindruck, dieses Gedenken, besonders wenn es in der Politik zelebriert wird, leiste man hauptsächlich, um sich irgendwie reinzuwaschen.

„Verliebt, zärtlich und hingebungsvoll“, schlecht verhohlen, werden dagegen die „Taten“ der Vorfahren glorifiziert, z.B. in Form von Kriegerdenkmälern, die man besonders gern in Kirchen aufstellt. Mit Sprüchen versehen, die einen anderen Geist als den der Versöhnung, von der so oft die Rede ist, ausstrahlen. (Ausgesäht, ja ausgesäht, wurden alle die, die starben. Wind und Regen vergeht, und es kommt der Tag der Garben – Kirche in Basedow, Mecklenburg) (Ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen – Kloster Neuendorf ,Altmark) Beide Denkmäler sind erst nach der Wende in den Kirchen platziert worden.

krieger

Eine andere Form von „verliebt, zärtlich und hingebungsvoll“ ist das liebevolle Kümmern um denjenigen, die laut und tatkräftig verkünden, dass sie Israel vernichten wollen und, so weit sie es können, auch ausführen. Das Land, das auch von Menschen aufgebaut wurde, die dem Holocaust entkommen sind oder von Nachkommen Ermordeter. Man gratuliert denjenigen zu ihrer Regierungstätigkeit, die in ihrer Hauptstadt eine überdimensionierte Uhr stehen haben, die auf die Vernichtung Israels hinzeigen soll. Man steckt Unsummen von „Hilfsgeldern“, von denen man weißt, dass sie zu Vernichtungsanlagen und Waffen gegen Israel verwendet werden. Man finanziert Schulbücher, die Kinder indoktrinieren, und in denen zum Judenmord aufgerufen wird.
Man programmiert den staatlichen Rundfunk (auch wenn der Rundfunk von sich weisen würde, staatlich zu sein, aber der Staat sorgt für seine Finanzierung) so, dass in seinen Sendungen analog zur Eingangsanekdote zwar die „Taten“ der Vergangenheit verurteilt werden, passend dazu aber eine verdrehte, z.T. verlogene, tendenziöse Berichterstattung über Israel und eine liebevolle Zuwendung zu dessen Feinden erfolgt. Wohl wissend, dass dieser Staat mit den im Holocaust umgebrachten Menschen zusammenhängt.

Wenn sie doch wenigstens schweigen würden!

Mittwoch, 27. Mai 2026

Florian Markl in Berlin

Florian Markl ist wissenschaftlicher Leiter des österreichischen Informationsportal „mena-watch“. Er hat einige sehr informative Bücher herausgebracht, die besonders interessant für diejenigen sind, die sich mit den Kriegen in Nahost befassen, mit Israel und seiner Stellung in der Welt und wie „die Welt“ mit Israel umgeht. Sein neuestes Buch hat den Titel „Der andere Krieg“. Sorgfältig recherchiert er darin, wie das Völkerrecht gegen Israel im Zusammenhang mit den letzten Kriegen missbraucht wird.

markl

Am 26.5. war nun der Schriftsteller und Wissenschaftler zu Gast im jüdischen Gemeindehaus in Berlin bei einer Veranstaltung der Deutsch-Israelischen Gesellschaft. Diese ist in Berlin recht gut vertreten, so füllten den Raum ca. 120 Zuhörer. Er begann seinen Vortrag damit, dass er sich schon jahrelang mit der antiisraelischen Haltung der UNO und internationalen Institutionen befasst hat, aber die antisemitische Welle, die seit dem 7. Oktober rollt, ließe alles zuvor als harmlos erscheinen. Sehr profunde zählte er viele Begebenheiten aus dem Gazakrieg auf und schilderte, wie Fakten verdreht wurden, um Israel zu delegitimieren und zu dämonisieren.

So, zum Beispiel, dass man oft von der israelischen Besatzung sprach, obwohl Gaza seit 2005 nicht mehr besetzt ist. Das wurde so erklärt, dass Israel „effektive Kontrolle“ über Gaza ausübte, also doch eine Art Besatzungsmacht gewesen sei. (Leider war die „effektive Kontrolle“ nicht sorgfältig genug gewesen). In den offiziellen Berichten und Untersuchungen wird zwar viel auf das hingewiesen, was man an Israel für kritikwürdig, für verurteilenswert hielt, die Angriffe der Hamas, auch die jahrelangen Beschießungen zuvor, wurden verschwiegen oder als marginal dargestellt. Wenn plausible Fakten gegen Israel fehlten, dann überlegt man, ob man die Kriterien ändern könnte. So forderte der Staat Irland den internationalen Strafgerichtshof auf, neue Kriterien zu bilden. Als der I G H einmal verkündete, dass Israel eventuell ein Fall für die Völkermordkommission sein k ö n n t e, wurde daraus sofort geschlussfolgert, dass Israel ein Fall für die Kommission i s t, also aus dem Konjunktiv wurde ein Indikativ gemacht, der dann von Medien wiederholt wurde. Die Haftbefehle gegen Netanjahu und Gallant thematisierte Markl, und er betonte, dass auch nach den Regeln des I St G H Menschen aus einem Staat, der nicht Mitglied ist, nicht belangt werden können. Israel wird nach völkerrechtlichen Regeln behandelt, die es sonst nirgendwo auf der Welt gibt.

Markl berichtete, dass es renommierte Juristen gibt es, die es nicht verstehen können, wie die Gesetze gegen Israel ausgelegt werden. Auch erzählte er, dass er bei seiner Arbeit mit Militärexperten zusammengetroffen ist, und diese sagten ohne Ausnahme, dass sie sehr von der israelischen Kampfweise beeindruckt sind.

Wie oft bei solchen Vorträgen gab es anschließend eine Fragestunde. Die meisten Fragenden bedankten sich für den fundierten Vortrag. Es wurde gefragt, warum denn diese allgemeinen Vorwürfe gegen Israel über Genozid und Menschenrechtsverletzungen aufgestellt würden, sie gälten inzwischen als Konsens.. Es wurde gefragt, warum Hilfsgelder an die Palästinenser nicht kontrolliert werden, warum es in Weltorganisationen Doppelstandards gibt. Markl verwies darauf, dass oft Entscheidungen rein politisch getroffen werden, oft sind es auch humanitäre Organisationen, die auf Spendengelder schielen. Aber dass die Tatsache, dass Israel ein jüdischer Staat wäre, der Hauptgrund für Dämonisierung und Delegitimierung sei.

Damit ist allerdings nicht die Frage beantwortet, warum das „Jüdische“ an dem Staat andere Staaten und Menschen so in Erregung versetzt, dass sie ihre eigenen Maßstäbe, Wertevorstellungen, Moral vergessen und ins Gegenteil kehren. Eine mögliche Antwort wäre, dass sie ihre eigenen Maßstäbe, Wertvorstellungen, Moral nicht erfüllen wollen und einen Sündenbock benötigen, auf den sie alle Schuld abwälzen können.

Dienstag, 19. Mai 2026

Das Gerücht über die Juden

Unter dem Titel «Das Schweigen zur Vergewaltigung der Palästinenser» entwirft der amerikanische Palästinenser Nicholas Kristof, Kolumnist der «New York Times», ein Schreckensszenario. Er spricht von systematischer sexueller Gewalt gegen palästinensische Häftlinge, ausgeübt vom israelischen Geheimdienst Shin Bet und von Gefängnisaufsehern. Palästinensische Männer, Frauen und Kinder, so schreibt Kristof, würden mit Unterstützung amerikanischer Steuergelder geschlagen, vergewaltigt, mit Schlagstöcken geschändet und sogar von Hunden penetriert.

Der Artikel erschien „zufällig“ gleichzeitig mit der Veröffentlichung des Berichts über die sexuellen Gewalttaten, die am und nach dem 7. Oktober 23 von Palästinensern an Israeli begangen wurden, wobei zu dieser Veröffentlichung unzählige Beweise in Form von Videos, Zeugenaussagen und forensischen Analysen vorgelegt wurden. Über den Artikel von N.Kristof gab es zwar viel Empörung, denn es war schon sehr „harter Tobak“, was er schrieb, so dass vor dem Gebäude der NYT gegen den Artikel demonstriert wurde. Für seine Behauptungen hatte Kristof so gut wie keine Beweise, er beschrieb „was andere ihm erzählt“ haben, vergaß Namen, Orte, Zeitpunkte zu nennen, so dass seine Anklagen zwar sehr haarstäubend, dafür umso dürftiger waren.

Der Deutschlandfunk fühlte sich nun bemüßigt, den Anklagen von N. Kristof nachzugehen und für die Hörer verständlich zu machen. Das tat der Sender, indem er in der Sendung „Medienmagazin“ den Korrespondenten in Israel, Jan-Christoph Kitzler zu Wort kommen ließ. Hierbei war es interessant, wie Kitzler immer auf dem schmalen Grat wanderte: immer bedacht, nichts zu sagen, was ihm politisch vorzuwerfen wäre, aber die Botschaft, dass Israel ein Unrechtsstaat und gleichzusetzen mit der Hamas wäre, dem Zuhörer deutlich zu vermitteln. Er behauptete, dass es eindeutig systematische sexuelle Misshandlungen an Palästinensern gegeben hätte. Belege könne er nicht bringen, da aus Scham vieles nicht erzählt würde, aber ihm selbst wurden verschiedene schlimme Sachen erzählt. Er betonte auch, die Bezeichnung „systematisch“ bedeutete nicht, dass die Misshandlungen vom „System“, also politisch angeordnet wären, (denn da hatte er keine Beweise), sondern, dass sie „systematisch“ an vielen Stellen stattfänden.

Die Behauptung mit den vergewaltigenden Hunden löste er dialektisch. Erst einmal wurde sie in dem Gespräch in keiner Weise erwähnt. Kitzler sagte aber, dass, falls im Artikel auch nur eine falsche Stelle, die vielleicht ohne Quellenangabe wäre, dann nutze Israel das aus, um den gesamten Artikel zu diskreditieren. (damit wollte er wohl dialektisch verschleiern, dass mit den vergewaltigenden Hunden schon über das Ziel hinausgeschossen wurde)

Für mich ist gerade mit der Behauptung, Israel würde dressierte Hunde einsetzen, um seine Feinde zu vergewaltigen, nicht nur eine Grenze überschritten, sondern sie offenbart puren Antisemitismus. Seit zweitausend Jahren werden Juden blutrünstige, horrormäßige Taten vorgeworfen. Theodor Adorno kam zu der Definition: „Antisemitismus ist das Gerücht über die Juden“.

So soll Franceska Albanese bei ihrem Auftritt in Berlin im Kino „Babylon“ (ich stand davor und demonstrierte dagegen) auch erzählt haben, dass Hunde, die in Belgien abgerichtet wurden, in Israel zum Vergewaltigen von Palästinensern eingesetzt werden. Und diese Franceska Albanese ist eine UN-Angestellte! Man muss sich da vor Augen halten, in welche Ebenen der Antisemitismus reicht.

Der Deutschlandfunk hat seine „aufklärerische“ Sendung mit einer Triggerwarnung versehen, so kann man hoffen, dass einige sensible Hörer rechtzeitig ausgeschaltet haben und von dem „Gerücht über die Juden“ verschont worden sind.

Im Luftreich des Traums

gegen Ideologien

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Beiträge

Nicht: Was ist das für...
Es ist schon lange her, als ich zu einer Freundin kam,...
anne.c - 27. Jul, 20:34
Das Lager Svatobořice
Im 2. Weltkrieg errichteten die deutschen Besatzer-...
anne.c - 20. Jul, 12:50
Israel als Helfer bei...
Gut kann ich mich noch erinnern, dass im Februar 2023,...
anne.c - 12. Jul, 22:28
Anlässlich der Fußballweltmeisterschaft:. ..
Die gegenwärtige Fußballweltmeisterschaft ist nicht...
anne.c - 6. Jul, 12:22
Kann es sein ….
Dass der Optimist und der Pessimist einzelne Personen...
herthilde - 3. Jul, 01:55
Dialog zwischen einem...
P: Nun hat sich Trump doch über den Tisch ziehen...
anne.c - 29. Jun, 09:36
Psychologische Betrachtung
In irgendeinem Zusammenhang las ich über eine alte...
anne.c - 6. Jun, 18:51
Das Buch
von Florian Markl habe ich bestellt und interessiert...
herthilde - 30. Mai, 22:56
Florian Markl in Berlin
Florian Markl ist wissenschaftlicher Leiter des österreichischen...
anne.c - 27. Mai, 13:09
Das Gerücht über die...
Unter dem Titel «Das Schweigen zur Vergewaltigung der...
anne.c - 19. Mai, 16:08

Links

Suche

 

Status

Online seit 5466 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 27. Jul, 20:34

Disclaimer

Entsprechend dem Urteil des Landgerichts Hamburg vom 12.05.1998 gilt für alle Links und Kommentare auf diesem Blog: Ich distanziere mich hiermit ausdrücklich von allen Inhalten aller verlinkten Seitenadressen und aller Kommentare, mache mir diese Inhalte nicht zu eigen und übernehme für sie keinerlei Haftung.

Impressum

Anne Cejp
Birkenstr. 13
18374 Zingst