so war der Titel eines Vortrags von Gunnar Schupelius im jüdischen Gemeindehaus Berlin. Gunnar Schupelius ist Journalist und Kolumnist und schreibt für die „Welt“ und diverse andere Zeitungen. Seine Aufmerksamkeit war auf das Phänomen gerichtet, warum sich linke Gruppen und moslemische Gruppen in ihrer Ablehnung von Juden und von Israel zusammenschließen. Denn von ihren Grundvorstellungen sind diese beiden Strömungen doch grundverschieden.
Schupelius war sogar ein „Insider“, denn er war in seiner Jugend Mitglied der „Grünen Partei“ gewesen (wobei natürlich ein großer Unterschied zwischen „Grünen“ und „Linken“ besteht, aber in der judenfeindlichen Haltung bestehen Parallelen). Er war in den 90-ger Jahren aus der Partei ausgetreten, weil ihm deren Haltung zu Israel und auch zur deutschen Wiedervereinigung nicht behagte. Die Entwicklung der linken Kräfte in der Bundesrepublik hat er hautnah miterleben können. Er meinte, dass es vor 1968 noch viel Verantwortungsgefühl für Israel in Deutschland gab, das aber nach dem 6-Tagekrieg und besonders nach 1968 rapide abnahm. Für die linken „Revolutionäre“ war Israel ein beliebiges imperialistisches Land und ein postkolonialer Vorposten der USA. Ein Gipfelpunkt der linken Judenfeindschaft in frühen Jahren war der (zum Glück misslungene) Anschlag 1969 auf das jüdische Gemeindehaus Berlin (in dem sich Zuhörende und Redner gerade befanden). Die Bombe hätte bei einer Explosion immensen Schaden angerichtet. Auf die Frage, warum „die Linken“ doch immer behaupten, sie hätten nichts gegen Juden, sondern nur etwas gegen den „imperialistischen Staat Israel“, kam die Antwort, dass sie durchaus etwas gegen Juden haben, denn die jüdischen Gemeinden wären Vorposten des Staates Israel.
Aus der kleinen Minderheit der linken Judenfeinde wurde mit der Zeit eine große Zahl, vor allem, da sie in Berufe drängten, in denen sie Multiplikatoren waren und andere Menschen beeinflussen konnten. Nachdem hier die Zahl der Arbeitskräfte, Einwanderer, Asylanten aus muslimischen Ländern, die traditionell die Juden ablehnen, sehr in die Höhe gestiegen war, erkannten linke Kräfte, dass die Gemeinsamkeit im Hass gegen den jüdischen Staat ein großes Potential ergab. Das betrifft auch einfach die Anzahl der Wähler. So haben sich die Linken sehr für die Herabsetzung des Alters für die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus auf 16 Jahre eingesetzt und auch erreicht, einfach wegen der großen Zahl von muslimischen Jugendlichen in Berlin. Ebenso wird die Einbürgerung sehr forciert. Da treffen die Interessen der verschiedenen Gruppen aufeinander. Praktisches Ergebnis ist z.B., dass in Berlin ein „Tag gegen Islamfeindlichkeit“ eingeführt wurde. Auch haben die „Linken“ begonnen, Wahlplakate in arabischer Sprache zu drucken. Schupelius meinte, dass der Schulterschluss von der „Linken“ und Muslimen aus Kalkül stattfindet.
Eine zentrale Rolle in der Zusammenarbeit beider Gruppen ist der „Al Quds-Tag“, an dem man antiisraelische und auch antisemitische Parolen offen und unverschleiert auf Plakaten lesen und in Sprechchören hören kann.
Dem Vortrag folgte eine lebhafte Fragestunde. Über unseren Bundespräsidenten schien die gleiche Meinung zu herrschen, wie in meinem
Eintrag vom 26.3.26. Über das „Zentrum für Antisemitismusforschung“ fiel die Bemerkung, dass man es auch „Zentrum für Antisemitismusförderung“ nenne. Aber das nur nebenbei. Insgesamt war die Stimmung im Publikum und auch beim Vortragenden eher pessimistisch, was die Ausbreitung des Antisemitismus betrifft. Man war sich aber einig, sich in seinem Bemühen dagegen, nicht entmutigen zu lassen und sich in seinen Bemühungen zu unterstützen.
anne.c - 10. Apr, 11:25
Eine Schreiben mit einer Bitte flatterte ins Haus. In Berlin auf dem Platz vor der Volksbühne wird im Kino Babylon die „UN-Sonderberichterstatterin“ Franceska Albanese auftreten. Die Bitte war, dass man dagegen Einspruch erheben soll. Franceska Albanese ist bekannt und berüchtigt für ihr leidenschaftliches, man kann auch sagen antisemitisches Auftreten gegen Israel, wobei sie gern Lügen mit Halbwahrheiten vermischt. Wer einmal einen Auftritt von ihr verfolgt hat, kann sich ein Bild über die UNO und deren Verhältnis zu Israel machen. Weil sie diese „Berichterstatterin“ im Amt lässt und nicht abberuft und ihre Auftritte wahrscheinlich fördert.
So kam ich am 30.3. auf den Rosa Luxemburg Platz zur Demo gegen den Auftritt von Franceska Albanese. Eine mittelgroße Menschenmenge (ca. 150 Personen) empfing mich: Israelfahnen und (Alt)-Iranische Fahnen wehten, Spruchbänder, Plakate. Da entdeckte ich vor dem Kino Babylon zwei weitere Demonstrationen. Die bestanden etwa aus je etwa 50 Menschen. Getrennt waren sie durch eine unbewegliche und standfeste Gruppe von Polizisten. Die Demonstrationen kann man als „pro-palästinensisch“ und „pro-israelisch“ bezeichnen. Beide standen wirklich unmittelbar beieinander, so dass es eine Weile dauerte, bis man die Situation begriff. Die „pro-Palästinensischen“ Teilnehmer waren ungleich lauter und aggressiver. Sie führten Plakate mit sich, auf denen viel von „Genozid“ zu lesen war und herbeiphantasierte Zahlen von Toten im Gaza-Krieg. So wie es ihr Idol Franceska Albanese auch zu tun pflegt. Besonders auffällig war eine Frau, europäisch wirkend, englisch sprechend, die sich mit schnellen Schritten (so dass man den Eindruck hatte, sie wäre allgegenwärtig) durch ihre Demo-Gruppe bewegte, ständig laut und schreiend jeden, der sie anschaute, mit einem Schwall von Worten bedachte. Ein junger Mann marschierte mit einem Ali Khamenei Portrait umher.
Der andere Teil der Demo war bedeutend ruhiger und zivilisierter. Sie hielten ihre Plakate und Israelfahnen hoch und parierten manchmal die Sprechchöre der „Palis“ (die schon von weitem an ihren Kufiyas zu identifizieren waren). Auf der anderen Seite der Straße befand sich der größere Teil der „pro-Israel“-Demonstranten. Da gab es ein Mikrofon, verschiedene Redner traten auf. Zuerst der Antisemitismusbeauftragte der jüdischen Gemeinde Berlins, Herr Koenigsberg, der über verschiedene Entgleisungen von F.A. sprach, z.B., dass sie Israel als Feind der Menschheit bezeichnet hat. Verschiedene Frauen sprachen ins Mikrofon, man konnte allem gut zuhören und mitdenken (im Gegensatz zum sinnlosen Geschrei der „Pali“-Gruppe.
Die bekannte Karoline Preisler trat nicht auf (oder erst sehr spät, als ich nicht mehr da war), sie befand sich nämlich in der „Höhle des Löwen“, direkt im Saal des Auftritts von F.A. Darüber gibt es einen
lesenswerten Bericht in der „jüdischen Allgemeinen“, dem zu entnehmen ist, dass es drinnen im Kinosaal bei F.A. noch bedeutend turbulenter zuging, als auf dem Vorplatz.

anne.c - 2. Apr, 11:02
Bundespräsident FWS Steinmeier hatte den von Israel und den USA begonnenen Iran-Krieg kritisiert. Es sei »ein politisch verhängnisvoller Fehler«, sagte der Bundespräsident. Weiter sagte er: „Der Iran-Krieg sei »nach meinem Dafürhalten völkerrechtswidrig«.“
Es geht nicht um das Völkerrecht. Es geht um Bundespräsident Steinmeier. Es geht um seine Haltung zum Iran, um seine Haltung zu einem Staat bzw. seinen obersten Repräsentanten, die geschworen haben, den Staat Israel zu vernichten. Steinmeier hat in den vergangenen Jahren immer wieder eine große Vorliebe zu denen gezeigt, die Israel vernichten wollen. Bekannt sind seine Taten: Die jährliche Gratulation an die verbrecherischen Mullahs zum Jahrestag der Revolution, einer Revolution, die unzählige Tote hervorgebracht hat, die Frauen zu Sklavinnen machen will, die das iranische Volk ins Elend gestürzt hat. Es geht um Kranz und Verbeugung am Grab von Arafat, einem Menschen, der für unzählige tote Juden verantwortlich ist. Es geht um das fragwürdige Atomabkommen mit dem Iran, das mit dem danach eingesetzten Geldfluss die Bewaffnung von Hamas und Hisbollah möglich gemacht, dem iranischen Volk aber keinen Wohlstand gebracht haben, und das er als damaliger deutscher Außenminister mit zu verantworten hatte. Und hat er im Iran je nachgefragt, warum in Teheran auf dem „Palästina Platz“ eine Uhr steht, die die Stunden anzeigt, bis Israel zerstört sein soll? Wo ist da das Völkerrecht?
Es geht aber auch um sein Schweigen zu all den Untaten des Iran, die auch durch Wegschauen und Zulassen möglich waren. Wenn man all das im Zusammenhang sieht, dann muss man zu dem Schluss kommen, dass Bundespräsident Steinmeier eine Zuneigung zu Menschen und Staaten hat, die die erklärten Feinde Israels, aber auch der Juden in aller Welt sind.
Dazu muss man bedenken, dass das Volk, welches der Bundespräsident repräsentiert, viele Millionen Juden auf bestialische Weise umgebracht hat, dass viele Nachkommen der umgebrachten Juden nun in dem Staat leben, den die von ihm geehrten Mullahs auslöschen wollen. Wenn es ihm um das Völkerrecht geht, dann sollte ihm bewusst sein, dass die Menschen in Israel eine andere Einstellung zu denjenigen haben, die ihre Vernichtung androhen. Sie haben es schon einmal erlebt. Wenn Herr Steinmeier der Repräsentant aller Deutschen sein will, dann muss ihm die Rolle der Deutschen in der Geschichte bewusst sein. Oder er sollte sich ins Private zurückziehen, wenn er seine Rolle als „Ewiggestriger“ ausleben möchte.
Es genügt nicht, mit versteinertem Gesicht zu sagen: „Antisemitismus hat in unserem Land keinen Platz“.
anne.c - 26. Mär, 17:21
Im Deutschlandfunk war vor längerer Zeit – es war in den Tagen des Gaza-Krieges - eine Diskussionssendung zu hören. Zu Anfang kamen Hörer zu Wort, die ihre Meinung zu dem Krieg äußerten. Von 11 Hörern äußerten nur zwei die Ansicht, dass Hamas der Aggressor ist, wogegen 9 Hörer eine vernichtende Meinung zu Israel hatten. Es waren Meinungen, die einen schaudern lassen, wenn man sich vorstellt, dass diese Leute über Macht verfügen würden und ihre Meinung über die Existenz Israel wahr werden lassen könnten.
Israel wäre der Aggressor und könne nur durch Gnaden des Amis so handeln, und es müsse sich auf die Grenzen von 1948 zurückziehen. (Da fragt man sich, wer die Grenzen von 1948 nicht anerkannt hat). Waffenlieferungen an Israel wurden kategorisch abgelehnt. Netanjahu war natürlich der Bösewicht, der unter dem Druck von rechtsextremen Ministern stünde. (sind es die „rechtsextremen Minister“ oder ist es die Antwort auf den barbarischen Überfall und die Situation der Geiseln, die Netanjahu zum Handeln zwingen?) Empörung gab es, dass Deutschland im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern noch keinen Staat Palästina anerkannt hat. (Wo bleibt der Hinweis, dass die Araber einen solchen Staat immer wieder abgelehnt haben, von 1948 an und wo bleibt das „dreifache Nein“ von Khartum von 1967?)
Die Höreraussagen waren erschreckend, aber nicht verwunderlich. Sie strotzten vor Selbstgerechtigkeit. Sie stellten Israel und die Hamas auf eine Stufe. Sie verschwendeten nicht einen Gedanken daran, wie es ist, in einem Land zu leben, das ständig von Vernichtung bedroht ist. Dessen Einwohner täglich mit Mord und Terror konfrontiert sind.
Ja, ich hörte schon ab und zu die Meinung, dass ein Land, das rundherum (und nicht nur rundherum) so viele Feinde hat, irgendwie selbst daran schuld sein müsse und dass es eine Ursache für diese Feindschaft geben müsse, die in Israel läge. Darauf kann man nur mit einer Frage antworten: was war die Ursache, und woran hatten die Juden Schuld, dass die Deutschen 6 Millionen von ihnen umgebracht haben?
Der Deutschlandfunk hat seinem Namen wieder alle Ehre gemacht. Ständig auf politische Korrektheit bedacht, was aber nicht immer funktioniert, versteckte er sich hinter seinen Hörern und sendete seine Botschaft vom „Unrechtsstaat Israel“ in die Welt hinaus.
anne.c - 19. Mär, 11:44
Ich schrieb schon einmal meine Gedanken über die
Stolpersteine, die hier und da vor Häusern im Inland, aber auch im
Ausland verlegt sind. Vor Kurzem bekam ich eine Einladung zu einer „Stolpersteinverlegung“ in der Schönhauser Allee in Berlin. An einem Sonntag Vormittag waren vor dem Haus, aus dem 1942/43 fünf Juden deportiert worden sind, etwa 20 Personen versammelt. Der Meister, Gunter Demnig, höchstpersönlich war angereist, samt seinem Hut. Er hatte einen Gehilfen, der ihm Handreichungen machte. Fünf goldene Messingsteine lagen bereit. Pflastersteine wurden herausgenommen, darunter wurden 2 Vertiefungen gemacht, eine für 3 Steine, eine für 2 Steine. Dann wurden die Messingsteine eingesetzt, mit Erde und kleinen Steinen festgesteckt. Das Ganze dann festgeklopft und mit Reinigungsmittel übergeputzt. Während der Arbeit und am Schluss der Versammlung war ein Saxophonspieler zu hören. Nun dankte die Initiatorin den Verlegern, hielt eine kleine Rede an die Anwesenden und verlas die Lebensläufe derjenigen, für die die Stolpersteine gelegt waren. Ein Zahnarzt war dabei, der ab 1933 nur noch Juden behandeln und sich nicht mehr Zahnarzt nennen durfte. Zwei Schwägerinnen, die nach dem Tod des einen Ehemannes zusammengezogen waren. Und noch ein Ehepaar.
Der Initiatorin sah man ihre Ernsthaftigkeit und auch ihre Aufregung an. Die Stimmung war verhalten und nachdenklich. Wie immer bei solchen Gelegenheiten bemerke ich, wie rundherum der Verkehr fließt, die normale Straßengeschäftigkeit, und wie es eigentlich nur sehr wenige Leute sind, die am Gedenken teilnehmen. Was auch immer ihre Beweggründe sein mögen. Beurteilen kann man die Teilnehmer sowohl am Stolpersteinlegen oder an Gedenkveranstaltungen erst, wenn sie sich zum aktuellen Geschehen zu Israel und zu der Situation der Juden heutzutage äußern.

anne.c - 11. Mär, 22:20
Mir wurde ein Buch in die Hand gedrückt: „ich glaube, das ist was für dich“. Es heißt „Die Postkarte“, ist lebendig geschrieben und handelt davon, wie eine junge Frau in Frankreich die Geschichte ihrer Urgroßeltern und Großtante und Großonkel nachspürt, die im Holocaust ermordet wurden. Sehr akribisch forscht sie in Gemeindeämtern, bei alten Leuten, die im Dorf ihrer Großeltern noch leben, in Briefen. Sie kann das Leben und Sterben ihrer Vorfahren so gut es geht, rekonstruieren. Der Ausgangspunkt der Nachforschungen ist eine Postkarte, die anonym bei ihrer Mutter auftauchte und auf der einzig und allein die Vornamen der vier ermordeten Vorfahren geschrieben standen. Das Buch nimmt manchmal kriminalistische Züge an, und die Auflösung des Rätsels ist erstaunlich, aber auch nachvollziehbar. Die einzige Überlebende der Familie, nachdem sie alt geworden war und an Demenz litt, hatte die Namen ihrer Eltern und Geschwister auf diese Postkarte geschrieben aus Angst, sie könne die Namen vergessen und hatte auch darum gebeten, diese Postkarte einzuwerfen und an die Angehörigen zu schicken.
Mir fiel eine Begebenheit ein, die vielleicht nicht dazu passt, aber sie spielt in derselben Zeit, hat wohl auch mit dem Krieg zu tun, handelt auch von einer anonymen Postkarte und ist gleich geheimnisvoll. Anfang der 60-ger Jahre verschwand der Opa meiner Schulfreundin spurlos. Er hatte vor, in den Garten zu gehen, kam da aber niemals an. Man fand keine Spuren von ihm, natürlich auch keinen Leichnam. Ich habe manchmal darüber nachgedacht, was da wohl geschehen sein könnte. Erst als ich erwachsen war, fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Ach, das war ja in gewissem Sinne noch Nachkriegszeit, das hatte sicher etwas mit dem Krieg zu tun. Als wir schon viel älter waren, fragte ich meine Freundin nach ihrem Opa, und sie bestätigte, dass sie nie das Geringste wieder von ihm gehört hatten. Aber eine Sache war komisch: Bald nachdem der Opa verschwunden war, bekam die Familie eine anonyme Karte in einem Umschlag. Kein Absender, nichts Schriftliches. Auf der Karte war ein Foto, wie Hitler einst diese Stadt besuchte (worauf manche Einwohner noch Jahrzehnte später stolz waren), und wie Opa in der vordersten Reihe stand und den Hitlergruß machte.
Das Rätsel des Verschwindens ist nie gelöst worden, es findet auch auch niemand, der recherchiert. Doch man kann sagen, dass in der Vergangenheit Geheimnisvolles und Rätselhaftes schlummert, das- sofern man es aufspürt -, viel zum Verständnis auch der heutigen Zeit beitragen kann.
anne.c - 7. Mär, 16:36
In einer westdeutschen Kleinstadt sind in einer Trauerhalle zwei Tafeln angebracht. Tafeln, die niemanden auffallen, da es sie wohl in jeder Kleinstadt gibt. Da ich in der DDR aufgewachsen bin, irritierten mich nach der „Wende“ die allgegenwärtigen Kriegergedenktafeln an öffentlichen Plätzen und in Kirchen mit den Namen der gefallenen Soldaten der jeweiligen Stadt. Es war in der DDR nicht üblich, solche Tafeln aufzustellen, insbesondere nicht für gefallene Soldaten des zweiten Weltkriegs. Nichts war in ostdeutschen Kirchen nach der Vereinigung so schnell vorhanden, wie die Kriegertafeln der gefallenen 2. Weltkriegssoldaten.
Diese Tafeln lehne ich strikt ab, was haben Tafeln, die den Krieg verherrlichen, mit der christlichen Botschaft zu tun, was haben sie in Kirchen zu suchen? Denn immerhin: wenn Tafeln öffentlich angebracht sind, werden die gefallenen Soldaten damit identifiziert, wofür dieser Krieg stand (selbst wenn sie sich im Einzelfall überhaupt nicht identifizieren wollten): für grundlosen Überfall auf Länder, für Schreckensherrschaft über die Einwohner jener Länder, für bestialische Ausrottung der Juden und vieles Schlimme mehr. Wenn jemand einen nahen Verwandten im Krieg verloren hat, so sollte er privat um ihn trauern, möglicherweise mit einer Gedenktafel auf dem Friedhof und nicht seinen armen Verwandten auf einer Tafel mit Mördern gleichstellen.
Das eigentlich Interessante sind jedoch die Aufschriften auf den Tafeln. Da ist nichts davon vorhanden, was man in öffentlichen Reden, in Bundespräsidentenreden, in „Versöhnungsreden“ hört. Da stehen Texte, wie sie einfach dem Geist des Schöpfers entsprungen sind oder dem Geist der Öffentlichkeit.
So war hier eine prachtvolle Tafel mit vielen Namen, alles in Gold mit der Aufschrift:
SIE STARBEN, IHR GEIST ABER LEBT – EIN EWIGER MAHNER ZUM FRIEDEN
Da frage ich mich: welcher Geist? Was war der Geist, unter dem sie umgekommen sind? Was bedeutet „ewiger Mahner zum Frieden?“ Damals, als sie umkamen, herrschte der Geist, dass der „ewige Frieden“ eintreten wird, wenn Deutschland die „ganze Welt“ beherrscht.
Wenn man als Betrachter der pompösen Tafel sich umdrehte, entdeckte man unauffällig, grau in grau, mit verwitterten Buchstaben, die man kaum entziffern konnte, eine Tafel, auf der des „Leidens und Sterbens unserer jüdischen Mitbürger“ gedacht wurde. Kein Name, von „Geist“ war keine Rede.
Merkt es denn niemand, welche Diskrepanz da besteht? Und wie diese beiden Tafeln Sinnbild dessen sind, was man so großartig als „Vergangenheitsbewältigung“ bezeichnet.

anne.c - 23. Feb, 11:43
Ich war tatsächlich dabei, als eine junge Pastorin, noch nicht lange von der Universität gekommen, der Religionswissenschaftlerin Ruth Lapide bei einem Seminar ins Gesicht sagte: „Die Juden haben Jesus ans Kreuz geschlagen!“ Frau Lapide war um eine scharfe Antwort nicht verlegen.
Und ich war in einem Gottesdienst, bei dem Pastor W. ohne Skrupel sagte: „Nach alttestamentarischem Gesetz gilt die Regel: Auge um Auge. Zahn um Zahn. Diese Regel hat irgendwie noch eine Berechtigung. Heutzutage wären die Palästinenser froh, wenn sie nach diesem Gesetz behandelt würden, aber die Israeli überziehen für einige nicht treffende selbst gebastelte Sprengkörper Gaza mit Bombenteppichen. (vor dem 7.10., wie er danach geredet hat, möchte ich gar nicht wissen).
Und ich war in der Bibelstunde, als der Pfarrer R. zu einem x-beliebigen Thema auf einmal die Bemerkung anfügte: „Es hat auch seine Schattenseiten, dass die Juden sich als das erwählte Volk betrachten. Zum Beispiel haben sie eine Mauer quer durch Jerusalem gebaut. Ich fragte: „Meinen sie, dass die Israeli diese Mauer wegen ihres Erwähltseins gebaut haben, oder könnte es auch mit der Sicherheit zu tun haben?“ Mit einer gewissen pastoralen Herablassung sagte er: „Ach, Frau C., was wissen sie schon!?“ Ich sagte: „Ich möchte es wissen, meinen sie das wirklich so? Sind ihnen in die Luft gesprengte jugendliche Israeli lieber als eine Mauer? “, und gleich fiel dem zweiten anwesenden Pfarrer ein, dass es doch eigentlich Zeit wäre, den Abend zu beenden und prompt erfolgte der abendliche Segen, zufällig ein „altestamentarischer“, der aaronitische Segen.
Winzige Szene in einer evangelischen Bibelstunde: Die Geschichte, wie Josef ins Ägyptenland verkauft wird und dort in eine hohe Position aufsteigt, wird besprochen. Josef managt die Bekämpfung der Hungersnot indem er jahrelang Getreidevorräte anlegt und in der Notzeit Getreide an die Hungernden verkauft. "Was - er lässt sich das Getreide bezahlen? Ach ja, der Jude hat schon immer aus allem Geld gemacht".
Die Bemerkung wird ignoriert. Vielleicht will man den alten Herrn nicht bloß stellen. Leider fallen Bemerkungen jener Art immer wieder, so wie einzelne Tropfen. Man bemerkt sie nicht, wundert sich nur, dass man auf einmal nass ist.
Man hätte dem alten Herrn sagen können, dass es selbstverständlich ist, dass man mit Reserven, die man mit einem riesigen Organisationsaufwand angelegt hat, wirtschaftlich umgehen muss, um weiterhin wirtschaften zu können. Es mussten große Lager angelegt werden, das überschüssige Getreide für die Vorratskammern und die Transporte hatten bezahlt werden müssen. Und selbst wenn ein Teil des Getreides billig oder umsonst an Arme verteilt worden wäre, warum hätte man an die Fremden aus dem Nachbarland, seien sie arm oder reich, das sehr kostbare Getreide umsonst ausgeben sollen?
Woher hat ein harmloser Bibelstundenbesucher, der wahrscheinlich nie einen Juden gekannt hat und der damit aufgewachsen ist, dass das Wort Jude tabu war (denn er hat die Nazizeit nur als kleines Kind erlebt, und danach schwieg man einige Jahrzehnte über Juden) eine Vorstellung, wie es mit den Juden und dem Geld steht? Wo kann er die Erfahrung gewonnen haben, wie Juden mit Geld umgehen? Warum wird so eine Bemerkung allgemein toleriert, obwohl die Konsequenzen die Juden infolge von Dämonisierung zu tragen hatten, auch von Seiten der Kirche, bekannt sind.
Das sind, wahllos, einige Erlebnisse, die ich in evangelischen Veranstaltungen hatte. Es werden sicher weitere folgen.
anne.c - 18. Feb, 21:18