Dienstag, 29. Dezember 2020

Vorschulerziehung in der DDR (Teil 1)

In den Weihnachtstagen, trafen ein paar verwandte Frauen aus verschiedenen Generationen, ´Halbgenerationen` und sogar aus verschiedenen Ländern Europas zusammen. Das Kindlein in der Krippe animierte sie zum Thema: `Wie war es damals, als unsere Kinder in der Krippe oder auch nicht in der Krippe waren, was erlebten sie später im Kindergarten? Die jüngeren Frauen hörten voller Ehrfurcht zu, mit welchen Problemen Frauen, die ihre Kinder in der DDR groß gezogen hatten, konfrontiert gewesen sind.

Das Thema wäre zu weit reichend, um alle Aspekte der beschriebenen Unterhaltung zu erläutern, so dass ich mich auf meine eigenen Erlebnisse beschränken werde.

„Das hat uns allen nicht geschadet“, das war nach der Wende so ein viel ausgesprochener Satz, und fast immer war es auch so. Spuren hinterlassen haben die Erziehungsmethoden des Kommunismus in den Menschen durchaus. Was man sich eigentlich nicht vorstellen, aber sich heute auch schon wieder ein wenig vorstellen kann, ist, dass der Staat es sich vorbehielt, den Menschen „von der Wiege bis zur Bahre“ bevormunden, erziehen, indoktrinieren und beherrschen zu wollen. Warum? Ja, das ist die Frage, die ich mir immer wieder stelle, und die ich inzwischen besser begreife, wenn ich auf Methoden stoße, wie Menschen auf verschiedenste Weise „geformt“ werden sollen.

So war es Ziel der DDR, die Erziehung der Menschen als auch die gesamte Lebensweise so zu gestalten, dass die Menschen zu einer einförmigen Masse werden sollten. Auch das würde zu weit führen, es in die Details zu belegen.

- Ein E i n s c h u b: Immer wieder hörten wir von Verwandten, die hier zu Besuch waren, von den vielen Leuten, die auf die eine oder anderer Weise der DDR die „Treue“ hielten, dass ihnen das Land anfangs sehr grau und trist erschien, dass sie aber selten so eindrückliche und lebendige Begegnungen und Erlebnisse hatten, wie gerade hier. Das lag daran, dass die Menschen sich gerade gegen die Vereinnahmung und die Vereinheitlichung zur Wehr setzten, und eine spezielle – vom Staat nicht gewollte – Gegenkultur schufen, die manchen Menschen aus dem „kapitalistischen Ausland“ als verlockend und lebendig erschien. Selbstverständlich war die „Gegenkultur“ kein erklärtes Staatsziel, im Gegenteil, sie war Anlass ständiger Verunsicherung der Behörden und Aufklärungsziel eines ausgeklügelten Spitzelwesens.

Um nicht zu sehr abzuschweifen, konzentriere ich mich jetzt auf das „Kind in der Krippe“ und im Kindergarten. Möglichst sollten die Kinder sehr früh der staatlichen Beaufsichtigung und Beeinflussung ausgesetzt werden. Eine Weile gab es sogar das System der Wochenkrippen, d.h. Frauen gaben ihre Kinder am Montag früh ab, wurden „krippenklinisch“ betreut und am Freitag nachmittag (bzw. am Sonnabendmittag)abgeholt, um dann am Wochenende ein „liebevolles, sozialistisches Familienleben“ zu führen. Das sollte einerseits die Schichtarbeit von Frauen erleichtern, andererseits zur Frühstindoktrination der Kinder helfen. Mangels Kapazitäten und Unwillen der Frauen gab man diese Einrichtung bald wieder auf.
(Fortsetzug folgt)

Im Luftreich des Traums

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