Mittwoch, 8. April 2015

Theaterpredigt

heißt eine Veranstaltungs-Reihe im Schweriner Staatstheater, in der prominente Geistliche statt auf der heimischen Kanzel auf dem Theaterpodium eine Predigt halten. Und die Predigt soll sich auf das jeweils aktuelle Bühnenstück beziehen, sozusagen ihre Inspiration von ihm erhalten. So durfte der Bischof der Nordkirche Gerhard Ulrich, selbst in Schwerin zu Hause, den Reigen der Prediger eröffnen. Zufällig war diese Predigteröffnung am Ostersonnabend, den 4. April, zufällig war das auf der Schweriner Bühne laufende Stück "Der Kaufmann von Venedig".

Der Herr Bischof sah keine Veranlassung, die Predigtpremiere vielleicht bis zum nächsten Bühnenstück zu verschieben. Er fand nichts zu Beanstandendes dabei, ausgerechnet in der Zeit, in der die Juden ihr Pessahfest feiern über ein Theaterstück zu predigen, in der ein Jude als eine ausgesprochen bösartige Figur darstellt wird. Und nicht nur das, nein, dieser Jude Shylock besteht hartnäckig darauf, seinem christlichen Schuldner "ein Pfund Fleisch" aus seinem Körper heraus schneiden zu wollen, was dann nur durch juristische Spitzfindigkeiten verhindert werden kann. Bekannterweise wurden über Jahrhunderte Pogrome an Juden durch die Ritualmordlegenden, gerade in der Oster- und Pessahzeit ausgelöst. Menschen aus ihrem Körper Fleisch schneiden zu wollen, gehört genau in diese Kategorie.
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Dem Herrn Bischof möchte ich keine böse Absicht unterstellen. Vielleicht ist er in dieser Hinsicht nur ein wenig ignorant. Eher war ich entsetzt, dass in keiner Zeitungsrezension, die ich lesen konnte, die Verquickung dieser unseligen Zusammenhänge auch nur im Geringsten angesprochen wurde.

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