Dienstag, 23. Mai 2017

Geschichte: In einer kleinen Stadt in Mähren (Teil 1)

Das Loch in der Stadt

Diese Kleinstadt in Mähren, die ich seit über 40 Jahren kenne, ist schön gegliedert. Die Straßen laufen auf den Marktplatz zu. Um diese Straßen gruppieren sich weitere Gassen, es gibt einen Stadtpark, Gewerbegebiete, Sportanlagen. Die Anlage aller Straßen und Plätze kann man sich durch ihre Funktion erklären. Nur das unbebaute, brache Gebiet direkt hinter dem Rathaus gibt Rätsel auf. Warum ist diese Stelle leer, nur von einigen kleinen Bäumen bestanden? Inzwischen hat sich wegen des erhöhten Verkehrsaufkommens dort ein Parkplatz etabliert.

Ich vermute, unerklärliche „Löcher“ im Stadtbild ergeben sich in vielen Städten Osteuropas. Es sind die Orte, in denen früher Juden gewohnt haben. In dieser Stadt wurde das jüdische Viertel nicht liquidiert, es verfiel nach dem Krieg, weil keine Bewohner mehr vorhanden waren. Über 500 Juden aus einer Stadt von 10 000 Einwohnern sind in den Konzentrationslagern verschwunden. Dass das jüdische Viertel zwar nicht dem Erdboden gleich gemacht wurde, aber dass die Gebäude mit Gewalt beschädigt wurden, zeigt ein Foto, auf dem deutsche Soldaten dabei sind, die Türen und Fenster der Synagoge einzuschlagen.

stern

In der Zeit des Kommunismus hat man schließlich das verfallenen Viertel abgerissen und auf einem Teil des gewonnenen Raumes ein Kulturhaus errichtet. Erst nach Ende der kommunistischen Ära war es möglich mit einer Gedenkstele an das jahrhunderte lange Vorhandensein einer jüdischen Gemeinde in diesem Ort zu erinnern.

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