Freitag, 22. September 2017

Rede des Präsidenten der Tschechischen Republik auf der "4th Annual Algemeiner Jewish 100 Gala"

Der tschechische Präsident Miloš Zeman ist mit der Auszeichnung Warrior for Truth (Kämpfer für die Wahrheit) geehrt worden. Diese Auszeichnung wurde ihm von der US-amerikanisch-jüdischen Stiftung Gershon Jacobson Jewish Continuity Foundation (GJCF) verliehen, die sich weltweit für die Interessen von Juden einsetzt. Den Preis nahm Zeman auf einem Galaabend am 18. September .2017 in New York entgegen, den die Zeitung „The Allgemeiner Journal“ veranstaltet. Anlässlich der Verleihung hielt Präsident Zeman folgende Rede:


Sehr geehrter Herr Präsident, meine Damen und Herren, Shalom,

ich bedanke mich für die liebe Einladung, die ich sehr gern angenommen habe.
Vor zwei Jahren paraphrasierte ich auf dem Kongress von AIPAC den berühmten Spruch J. F. Kennedys „Ich bin ein Berliner“. Damals sagte ich: „Ich bin ein Jude. A mi Jehudi.“ Das reicht aber nicht, weil wir in der heutigen Welt Risiken entgegenstehen, vor denen bloße Wortform der Solidarität nicht Bestand haben kann.

Welche sind die Risiken der gegenwärtigen Welt für die jüdische Kommunität und für den israelischen Staat? Vor allem ist es der islamische Terrorismus. Das ist ein Thema, von dem ich morgen auf der Vollversammlung der UNO sprechen werde. Und weil ich in keiner Weise korrekt bin, werde ich nicht vom internationalen Terrorismus sprechen, sondern vom islamischen Terrorismus. Aber das Thema, welches für unsere Diskussion wichtig ist, also für eine Diskussion unter Freunden, ist etwas anders geartet. Lasst uns sprechen vom Mangel an Mut. Lasst uns sprechen von Feigheit, Zögerlichkeit, Heuchelei, von der bedingten Solidarität. Ich nenne sie Solidarität-ABER. Jetzt gebe ich Ihnen nur ein paar Beispiele. Wir unterstützen natürlich den Staat Israel, ABER nicht den jüdischen Staat Israel. Ja, wir unterstützen die Tatsache, dass jeder Staat seine Hauptstadt haben soll, ABER wir sind gegen Jerusalem als Hauptstadt. Ja, wir respektieren voll das Recht Israels auf sichere Grenzen, ABER die Golanhöhen dürfen niemals Bestandteil israelischen Gebiets sein, und so weiter. Jeder Totschläger aus Palästina ist ein Freiheitskämpfer, und wenn aus dem Gazastreifen Raketen auf Israel abgefeuert werden, ist es natürlich schlecht, ABER ihr dürft nicht mit Bombardierung von Gaza antworten. Verstehen Sie mich? Das ist Solidarität-Aber - aber, aber. Doch diese ABER machen jede wahre Solidarität zunichte. Wir brauchen Solidarität ohne ABER, mit anderen Worten gesagt, für das jüdische Volk und den Staat Israel brauchen wir die unbedingte Solidarität.

Was brauchen wir in der gegenwärtigen Lage? Wir brauchen eine Kerze in der Finsternis. Wir brauchen eine konkrete Aktion und nicht nur Worte, Worte, Worte. Zu dieser Kerze könnte die Verlagerung der Botschaften demokratischer Staaten von Tel Aviv nach Jerusalem werden. Der tschechischen Botschaft schlug ich diese Verlagerung während meines Besuches in Israel vor vier Jahren vor. Damals sagte mir der Regierungsvorsitzende Netanjahu: „Wenn es so geschehen sollte, dann gebe ich Euch mein eigenes Haus.“ Ich hoffe, dass sein Versprechen immer noch gilt. Nicht anders denke ich über das gleiche Versprechen, das Donald Trump während seiner Wahlkampagne tat, nämlich dass es ein gutes Zeichen ist, und dass es gefolgt wird von anderen mutigen Ländern, nicht von allen, nur von den mutigen. Dieses ist also eine klare Lösung, eine klare Geste, ein klarer Schritt zur wahren Solidarität, nicht nur zu einer Solidarität, die bloß aus Worten besteht. Deshalb möchte ich, teure Freunde, mit dem letzten Satz des alten jüdischen Gebets schließen: „Nächstes Jahr in Jerusalem!

Miloš Zeman, Präsident der Tschechischen Republik, New York, 18. September 2017

(Übersetzung aus dem Tschechischen: Petr Cejp)

Montag, 18. September 2017

Geschichten aus der DDR

hören sich heutzutage manchmal unglaublich an. Sowohl wenn man sie erzählt, als auch wenn man sie sich anhört, muss man sich dann vergegenwärtigen, dass das „normale Leben“ anders war als heutzutage, und dass man vieles als „normal“ empfand, was heute fast undenkbar oder ungeheuerlich erscheint. Manchmal erzähle ich meiner jüngeren Kollegin, die im Westen aufgewachsen war und kaum Beziehungen zur DDR hatte, dieses oder jenes aus jenen alten Zeiten. Nicht um ihr die DDR nahe zu bringen, sondern weil es sich beim Erzählen so ergibt. Zum Beispiel über den Frauentag 1988, der einen besonderen Stellenwert hatte, weil die DDR-Führung, deren Stern bereits im Sinken begriffen war, damals noch einmal Anlauf nahm, mit der Absicht, das ins Rutschen geratene Gefüge zum letzten Mal stabilisieren zu versuchen. Aus heutiger Sicht ein unmögliches Unterfangen. Doch die Einsicht, dass einmal alles ganz anders sein kann als das, was „schon immer so war“, ist immer schwer vorstellbar. Man gab die Devise aus: Alle Frauen der DDR, die irgendwie politisch erreichbar sind, müssen in organisierten Frauendemonstrationen ihre Verbundenheit mit der DDR bekunden.

In dem Zusammenhang erzählte ich, wie es einer jungen Frau im Bekanntenkreis geschah. Den fokussierten Frauentag wollte sie ausnutzen, um ihre Ausreise aus der DDR in den Westen, wo ihr Mann bereits nach einer Besuchsreise geblieben war, zu erzwingen. Botschaftsbesetzungen und andere spektakuläre Ausreisezwangsmaßnahmen waren damals schon auf der Tagesordnung. Sie entrollte während der „Frauendemo“ ein Plakat, auf dem sie ihre „Ausreise in die BRD“ forderte. Danach war sie erschüttert, dass nicht die Stasi sie festnahm, sondern dass die sie umgebenden Frauen selbst für ihre Verhaftung sorgten.

„Und was geschah mit ihr dann weiter?“, fragte meine Kollegin. „Na ja, sie hatte Pech und musste tatsächlich die ganzen 1 ½ Jahre absitzen und kam genau vor dem Fall der Mauer wieder frei. Der Mann war ihr inzwischen weggelaufen.“

Imme noch spüre ich das Entsetzen meiner Kollegin. Sie hatte sicher aufregendere Geschichten aus der DDR gehört oder gelesen. Doch die Vorstellung dieses konkreten Falls hatte eine unmittelbarere Wirkung. Das hatte ich mit meinem Erzählen gar nicht bezweckt. Für mich war es eine „normale“ Geschichte aus dem „normalen Leben“, wie es einmal gewesen ist.

Mittwoch, 6. September 2017

Reuven Moskovitz im Schillergymnasium Münster

Aus einem Nachruf der evangelischen Zeitung „die kirche“ war jetzt noch Näheres über das Wirken Reuven Moskovitz´ in Deutschland zu erfahren. Seine Berufsbezeichnung war Friedensabenteurer, und in dieser Eigenschaft zog er sowohl durch evangelische Kirchentage als auch durch Friedenkreise, aber auch in Schulen. Da ich ihn persönlich kennen gelernt habe, hatte ich mich mit seiner Mission näher beschäftigt.

Und seine Friedensmission war: Hass auf seinen Staat Israel zu predigen, was ihm Preise, Ehrungen und eine Unzahl von Bewunderern in Deutschland einbrachte. Gern verglich er „das, was in Israel geschieht, mit dem Holocaust“. So bei einem Besuch im Schillergymnasium Münster am 08.11. 2000. Von diesem Besuch berichteten Schüler auf ihrer Internetseite. Die Schüler, nicht ganz so vom blinden Eifer vernebelt wie Mitglieder kirchlicher Friedenskreise waren befremdet: „Er scheut sich nicht, die Vertreibung der Palästinenser mit dem Holocaust zu vergleichen und bezeichnet die Reaktion der Palästinenser dementsprechend als natürlich“. (Zitat von der Internetseite).

Bezeichnenderweise ist dieser Bericht des Schillergymnasiums aus dem Internet verschwunden nachdem Reuven den Aachener Friedenspreis erhalten hat. (Ein Ausdruck liegt mir vor).

"Natürliche Reaktionen von Palästinensern": hier und hier.

Seinen Vortrag in Aachen, noch vor der Verleihung des Friedenspreises, erlebte ich als Sammelsurium von Anekdoten, jiddischen Witzen und jüdischen Weisheiten, gemischt mit unzusammenhängenden geschichtlichen Einschüben, von allem ein wenig. Für jemanden, der sich damals noch als „Doktor“ bezeichnete, reichlich konfus. Wenn es auf den Staat Israel zu sprechen kam, war echter Hass zu spüren. So zitiere ich einen Satz aus dem Bericht, den ich damals - um das Jahr 2000 herum - schrieb und vom 17.07.-10.2013 veröffentlichte:

Wenn Reuven sich nicht ganz in der Kontrolle hatte, kamen teilweise absurde Dinge zutage wie: „Uns (den Israeli) hätte das gleiche passieren können wie den Deutschen, das heißt der Holocaust ist etwas, was den Deutschen „passiert“ sei und könne den Israeli mit den Arabern genauso „passieren“.

Reuven Moskovitz wurde schon einmal als der „Felix Krull“ der israelischen Friedensbewegung bezeichnet, eine schöne Metapher. Bei uns hieß er „Ein Schlawiner vom Balkan, der herausbekommen hat, dass man von deutschen Freunden viel Geld und Bewunderung mit "Kritik" an Israel abbekommen kann, die - so sie außer Kontrolle gerät – auch in eine Hasspredigt werden kann.

Für mich stellt sich nur die eine Frage: Warum wurde in einem offiziellen Bericht über Reuvens legendäre Auftritte mit der Mundharmonika zwar immer von seiner Friedensbewegtheit, nie aber von seinen Hasstiraden berichtet?

Mittwoch, 30. August 2017

Meine letzte Begegnung mit Reuven Moskovitz

kann ich nicht genau datieren, sie war auf jeden Fall in der Zeit, als Joschka Fischer Außenminister in Deutschland war.

Reuven, ein aus Rumänien stammender Israeli, der vor kurzem verstarb, war das, was man wahlweise einen „selbsthassenden Juden“ oder einen jüdischen „Israelkritiker“ nennt. Vieles ist über diese Sorte von Menschen bekannt, aber Reuven war eben derjenige, den ich persönlich kennen gelernt habe. In diesem Blog habe ich vom 17.7. bis 10.8. 2013
meine Begegnung mit ihm geschildert. Sein in Deutschland erschienenes Buch „Der lange Weg zum Frieden“ habe ich gelesen, ebenso wie einige seiner in Kennerkreisen berühmten Rundbriefe, die er zu Ende jedes Jahres an seine Bewunderer verschickte. In der Riege der „selbsthassenden Juden“ bzw. jüdischen „Israelkritiker“ war er sicher nicht in der ersten Reihe, aber immerhin - der Aachener Friedenpreis wurde ihm verliehen.

So kann ich mich jetzt nur noch an meine letzte Begegnung mit Reuven erinnern. Damals
besuchte ich meine Freundin, die wiederum eine Freundin von Reuven war. Reuven kam zufällig ebenfalls zu Besuch. So verabschiedete ich mich schnell, denn sowohl Reuven, sein von seinen vielen Freunden verehrtes Buch, als auch seine Auftritte waren mir gut bekannt. Für einen Augenblick kam ich noch einmal in die Wohnung zurück, wo Reuven gerade auf meine Freundin einredete. Ins Gespräch vertieft, wurde ich nicht weiter wahrgenommen, denn Reuven besprach gerade sein wichtiges Anliegen. Nämlich ob meine Freundin ihm helfen könne, Kontakt zu Joschka Fischer aufzunehmen, um …….. Es hat wahrscheinlich nicht geklappt. Beim jetzigen Außenminister Gabriel wären die Chancen, das Anliegen anzubringen, nämlich Druck auf Israel auszuüben, wohl höher.

Zu spät: denn ohne Reuven geht nun gar nichts mehr. Wie alle Spezies seiner Art gehörte er zu den vielen Einzelkämpfern, die um sich den Nimbus der Singularität verbreiten.

Sonntag, 20. August 2017

Israelsonntag: Brunnenvergifter

Der Israelsonntag (früher Judensonntag) ist ein Sonntag im Kirchenjahr der Evangelischen Kirche in Deutschland, der das Verhältnis von Christen und Juden zum Thema hat. Er wird am zehnten Sonntag nach Trinitatis, das ist in der Regel im August, begangen.

Schon seit dem Mittelalter wird in der Kirche der so genannte Judensonntag begangen, der die Intention hatte, störrische Juden zum Christentum bekehren zu wollen. Im Verlauf des Luther-Jubiläums wurde dieses Thema ausgiebig behandelt, und es gab Stimmen, die besagten, dass Martin Luthers Traktat „Von den Juden und ihren Lügen“ keine Glanzleistung von ihm war, ja es wurde sogar verurteilt.

Diesen Judensonntag gab es bis in die 60-er Jahre, bis es auffiel, dass der Begriff „Jude“ einen unangenehmen Beigeschmack hatte - immerhin waren 6 Millionen Juden unter bestialischen Umständen weniger als eine Generation zuvor von Deutschen umgebracht worden. So gab es den löblichen Vorsatz, diesen Sonntag umzubenennen und inhaltlich weiter zu entwickeln. Der Judensonntag wurde in Israelsonntag umbenannt und hatte nun die Absicht: „ein theologisches Verständnis des Judentums zu gewinnen, das frei von Antijudaismus und Antisemitismus ist“.

Von Antiisraelismus war dabei nicht die Rede, und so ist es verständlich, dass dieser Tag auch ausgiebig dazu genutzt wird, „Kritik an Israel“ zu betreiben, denn es ist ja schließlich der Israelsonntag. Ja, ein ökumenischer Gesprächskreis rief im Jahr 2015 sogar dazu auf, über theologische Fragen hinaus auch dem Verhältnis zwischen Israel und den Palästinensern Beachtung zu schenken und "der arabischen Schicksale in Palästina zu gedenken“.

In welchem Ausmaß die Empfehlung des Friedenskreises in deutschen Kirchen angenommen wurde, weiß ich nicht (und möchte es lieber nicht wissen). Im Gottesdienst unserer Kirchengemeinde am 20.08.2017 wurde jedenfalls ausgiebig davon Gebrauch gemacht. Schnell kam der Prediger auf „...Israeli und Palästinenser…einer so schlimm wie der andere... die Mauer... israelische Menschenrechtsverletzungen …israelische Soldaten töten unschuldige Menschen… Terrorattentate sind auch schlimm.“ Und so weiter, eigentlich alles, was man oft so hört und liest. Und da man es oft hört, muss ja etwas daran sein, wie mir manchmal im DDR-Staatsbürgerunterricht gesagt wurde, wenn ich als Einzelne eine andere Meinung als die vorgegebene kundtat.

So rieselte die Predigt an mir vorüber, bis der Pfarrer verkündete, dass israelische Siedler den wasserarmen Boden Palästinas aufbohren und Wasser, das für die palästinensische Landwirtschaft bitter nötig wäre, in jüdische Siedlungen pumpen, um dort Blumenrabatte und Swimmingpools für sich zu bewässern. Nun gäbe es zum Thema Wasser in Israel viel zu sagen. Es ist bekannt, dass Israel mit seiner hervorragenden Wasserwirtschaft die komplette palästinensische Wasserversorgung gewährleistet, und es ist auch bekannt, dass Israel eines der führenden Länder auf der Welt auf diesem Gebiet von Wasserrecycling, Meerwasserentsalzung, sparsame Verwendung von Wasser ist und dieses Wissen an seine Nachbarländer weiter gibt. Auf diesem Gebiet arbeiten sogar feindlich gesinnte arabischen Nachbarn mit Israel zusammen.

Die Erwähnung des „Wasserraubs“ schreckte mich auf. Zu oft ist er mir in den letzten paar Jahren begegnet. Vor genau einem Jahr (sollte es vielleicht ein staatlicher Beitrag zum Israelsonntag sein?) wurde in der Tagesschau ohne jeglichen Anlass ein Beitrag gesendet, in dem berichtet wurde, wie Israelis Palästinensern Wasser vorenthalten. Der blinde Eifer der ARD ließ dabei in freudscher Weise den „beweisführenden“ Hydrogeologen Clemens Messerschmid zu Clemens Wasserschmid mutieren. Der Wassermangel stellte sich als kurzfristige Folge eines Wasserrohrbruchs heraus, was die ARD halbherzig zugab, entschuldigt hat sie sich nicht.

In der israelischen Knesset ermahnte der jetzige SPD-Vorsitzende und Kanzlerkandidat Martin Schulz seine Gastgeber mit einer Falschangabe von einem Minimalbetrag von 17 l Wasser, die Israeli Palästinensern täglich zur Verfügung stellten, gleichzeitig einräumend, dass er die Zahl in Wirklichkeit nicht kenne. Ein Jahr später bestätigte er diese seine Haltung, nachdem der (schon lange nicht mehr legitimierte) Präsident der Palästinenser Mahmoud Abbas vor dem Europäischen Parlament gesprochen hatte. Diese Rede enthielt die Originallegende vom Juden als Brunnenvergifter. Abbas behauptete, dass Rabbiner vom israelischen Premierminister forderten, palästinensische Brunnen zu vergiften, um Palästinenser zu töten. Das Europaparlament samt seinem Vorsteher Martin Schulz war von der Rede so hingerissen, dass Ovationen kein Ende nahmen und Martin Schulz sich laut eigener Bekundung „inspiriert“ fühlte. Abbas hat diese Behauptung später zurück genommen, aber in die Köpfe der Menschen war sie gelangt, ebenso wie die Predigt des Pastors in die Köpfe der andächtig lauschenden Gottesdienstbesucher gelangt ist.

Das antisemitische Stereotyp vom Brunnenvergiften liegt nicht weit.

In der gut besuchten Bädergemeinde konnte man anschließend an diese Predigt den inbrünstigen Gesang „Wohl denen die da wandeln, vor Gott in Heiligkeit“ vernehmen.

Freitag, 11. August 2017

Die einen retten das Klima so, die anderen retten es so:

Das Buch „Farm der Tiere“ von Georg Orwell war in den 70/80-er Jahren ein Kultbuch. Wer in der DDR das Glück hatte, an das Buch heran zu kommen, las es, als hätte er seine eigene Wirklichkeit vor Augen. ´Ja, genauso ist es. Orwell hat unsere Zukunft voraus gesehen´. „Alle sind gleich, aber einige sind gleicher“, das war ein Slogan, der in Witzen und privaten Unterhaltungen gern angewendet wurde.

Wenn Orwell die Idee zu seiner Parabel zweifellos in der Wirklichkeit des Kommunismus in der Sowjetunion abgeschaut hatte, so hat sie in mancher Beziehung Allgemeingültigkeit. Immer denke ich an „Farm der Tiere“, wenn ein gewaltiger Hubschrauber über unser Haus donnert.

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Dieses Ereignis findet etwa alle ein bis zwei Jahre statt, wenn Angela Merkel, die in dieser Gegend ihren Wahlkreis hat, zum Wahlkampfauftritt herbei eilt. Ihr Hubschrauberlandeplatz liegt nur einige Meter von unserem Haus entfernt. Eine Kollegin, die hier einmal dieses Ereignis miterlebte, sagte ehrfürchtig: „Was, darin sitzt diese Frau?!“ Darauf antwortete ich: „Ja, irgendwo im Hubschrauber sitzt sie doch immer, wie soll sie sonst zu den verschiedenen Auftritten von Ort zu Ort kommen?“

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Wie waren kürzlich die mahnenden Worte von Angela Merkel, die manchmal als Klimakanzlerin bezeichnet wird? "Lassen Sie uns gemeinsam den Weg weitergehen, damit wir erfolgreich sind - für unsere Mutter Erde."

Ja, „einige“ sollen ihr Leben so gestalten, dass sie klimaschonend erfolgreich den Weg für unsere Mutter Erde gehen, und „einige“ mahnen vom 1800-PS-Hubschrauber aus die Rettung der Mutter Erde an. Die einen retten die Welt „so“, andere retten sie „gleich so, nur etwas gleicher“.

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Anmerkung: Diese Aufnahmen sind von 2015 - da hatte die Kanzlerin noch einen echten Eurocopter-Cougar-Kampfhubschrauber der Luftwaffre. Nachdem einem baugleichen Gerät einmal in Norwegen die Rotoren abgefallen sind, fliegt sie nun einen etwas bescheideneren Helikopter der Bundespolizei. Mutter Erde ist also noch nicht verloren.

Dienstag, 1. August 2017

Im Land der Kriegerdenkmäler (Teil II)

Wenn das im Voraus geschilderte Kriegerdenkmal nicht so martialisch erscheint, wie ich zu Beginn des vorher gehenden Eintrags ankündigte (25.7. 2017), so übertrifft es in der Subtilität dessen, was es aussagt und was es bedeutet, die mehr martialischen, dafür aber plumperen Kriegerdenkmäler in der Altmark und manch anderem Landesteil.

Ein „normales“ Kriegerdenkmal, wie es vor einer „normalen“ Ortskirche steht, sieht so aus,

krieger_2-Medium-

„Ihren gefallenen Helden gewidmet im dankbaren Erinnern ………….“

und trägt so einen Text:
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„Wer den Tod im heilgen Kampfe fand, ruht auch in fremder Erde im Vaterland“

Man sollte sich klar machen, dass Kriegerdenkmäler jener Art und jenes Geistes überall in Deutschland öffentlich herum stehen. Das schlagkräftigste Argument, ob dafür oder dagegen, von einem Pfarrer, das ich in einer Diskussion dazu hörte war: „Ich kuck´ da gar nicht hin!“ In der Regel wird nämlich gar nicht argumentiert, sondern geschwiegen. So wie in dem Fall als ich schriftlich an eine Kirchengemeinde die Frage stellte: ´Wofür ist der Dank, und was waren die Heldentaten?´.

Eine Antwort habe ich nie erhalten, und so ist „Ich kuck da gar nicht hin“ eine aussagekräftige Antwort und der Realität angemessen.

Dienstag, 25. Juli 2017

Im Land der Kriegerdenkmäler (Teil I)

Einige Tage besuchten wir die Altmark, ein schönes ländliches Gebiet inmitten Deutschlands. Als wir bei Wittenberge die Elbe überquerten, sagte ich scherzhaft: „Nun kommen wir in die Altmark, das Land der martialischen Kriegerdenkmäler“. Wir nutzen unseren Besuch auch, um uns die drittgrößte Stadt Deutschlands anzuschauen. Auf dem Weg dorthin sagte unsere Gastgeberin: „Kommt, hier ist ein schönes Zisterzienserkloster, das müssen wir uns noch anschauen!“ Im wirklich sehr schönen Kirchlein fiel mein Blick auf eines der von mir im Voraus angekündigten Denkmäler:

krieger

1939 -1945 „Ich gebe ihnen das ewige Leben und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen“

Entsetzt rief ich aus: „Wie kann ein Pastor hier vor diesem Spruch predigen, hast du dir überlegt, was dieser Spruch bedeutet?........ Sie stehen hier nicht als private Tote, sie stehen hier für den Krieg….. “ Es entspann sich die altbekannte Diskussion: „DIE können doch nichts dafür. DIE sind Opfer….“

In nur 5 km Entfernung von diesem tiefsinnig und künstlerisch gestalteten Kriegerdenkmal im Zisterzienserkirchlein kann man auf einem großen Gelände die Umrisse einer riesigen Scheune finden. Diese Scheune stand noch im April 1945. Am 13. April 1945 trieb man mehr als 1000 geschundene entkräftete KZ-Häftlinge in diese Scheune, verrammelte die Tore und ließ die Scheune in Flammen aufgehen. 1016 Menschen verbrannten. Wenn in den letzten Kriegstagen einer der daran beteiligten SS-Männer oder ihrer Helfer noch umgekommen ist, kann sein Name hier auf dieser Ehrentafel oder in einer beliebigen anderen Kirche für das ewige Leben vorgesehen sein.

Etwas betrübt wurde mir gesagt: „Du kuckst immer nur auf so was. Warum fotografierst du nicht unseren schönen Klostergarten?


kloster

Selbstverständlich wurde auch der fotografiert. Die Diskrepanz zwischen dem Gärtchen, dem Geschehen in der Scheune in Gardelegen und der Kriegertafel – wenn man sich den Inhalt in aller Konsequenz durchdenkt - kann ich nicht überbrücken. Kurz zuvor hatte ich noch den Ausspruch gehört: „Unsere evangelische Kirche ist einfach zu verkopft!“ Das mag sein, aber was in den Köpfen vor sich geht, kann ich mir nicht vorstellen.

Meine Freundin wollte mich trösten: „Ich bin auch nicht dafür, dass diese Tafeln in den Kirchen hängen, man sollte sie draußen anbringen“. Die Antwort: „Dann hätten die Leute etwas davon, hier drin sieht sie ja keiner!“, habe ich dann lieber unterlassen.

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