Im Land der Kriegerdenkmäler (Teil I)

Einige Tage besuchten wir die Altmark, ein schönes ländliches Gebiet inmitten Deutschlands. Als wir bei Wittenberge die Elbe überquerten, sagte ich scherzhaft: „Nun kommen wir in die Altmark, das Land der martialischen Kriegerdenkmäler“. Wir nutzen unseren Besuch auch, um uns die drittgrößte Stadt Deutschlands anzuschauen. Auf dem Weg dorthin sagte unsere Gastgeberin: „Kommt, hier ist ein schönes Zisterzienserkloster, das müssen wir uns noch anschauen!“ Im wirklich sehr schönen Kirchlein fiel mein Blick auf eines der von mir im Voraus angekündigten Denkmäler:

krieger

1939 -1945 „Ich gebe ihnen das ewige Leben und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen“

Entsetzt rief ich aus: „Wie kann ein Pastor hier vor diesem Spruch predigen, hast du dir überlegt, was dieser Spruch bedeutet?........ Sie stehen hier nicht als private Tote, sie stehen hier für den Krieg….. “ Es entspann sich die altbekannte Diskussion: „DIE können doch nichts dafür. DIE sind Opfer….“

In nur 5 km Entfernung von diesem tiefsinnig und künstlerisch gestalteten Kriegerdenkmal im Zisterzienserkirchlein kann man auf einem großen Gelände die Umrisse einer riesigen Scheune finden. Diese Scheune stand noch im April 1945. Am 13. April 1945 trieb man mehr als 1000 geschundene entkräftete KZ-Häftlinge in diese Scheune, verrammelte die Tore und ließ die Scheune in Flammen aufgehen. 1016 Menschen verbrannten. Wenn in den letzten Kriegstagen einer der daran beteiligten SS-Männer oder ihrer Helfer noch umgekommen ist, kann sein Name hier auf dieser Ehrentafel oder in einer beliebigen anderen Kirche für das ewige Leben vorgesehen sein.

Etwas betrübt wurde mir gesagt: „Du kuckst immer nur auf so was. Warum fotografierst du nicht unseren schönen Klostergarten?


kloster

Selbstverständlich wurde auch der fotografiert. Die Diskrepanz zwischen dem Gärtchen, dem Geschehen in der Scheune in Gardelegen und der Kriegertafel – wenn man sich den Inhalt in aller Konsequenz durchdenkt - kann ich nicht überbrücken. Kurz zuvor hatte ich noch den Ausspruch gehört: „Unsere evangelische Kirche ist einfach zu verkopft!“ Das mag sein, aber was in den Köpfen vor sich geht, kann ich mir nicht vorstellen.

Meine Freundin wollte mich trösten: „Ich bin auch nicht dafür, dass diese Tafeln in den Kirchen hängen, man sollte sie draußen anbringen“. Die Antwort: „Dann hätten die Leute etwas davon, hier drin sieht sie ja keiner!“, habe ich dann lieber unterlassen.

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